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Rockerkriminalität in NRW
"Osmanen Germania" handeln schnell und gezielt

Januar 2016: Polizei bei Rockertreffen in Neuss
Januar 2016: Polizei bei Rockertreffen in Neuss FOTO: Dieter Staniek
Düsseldorf. Diese Rocker planen ihre Übernahmen fast wie große Konzerne: Die "Osmanen Germania" haben in kürzester Zeit mehrere Chapter in NRW gegründet und gehen sehr strukturiert vor. Das ist eine besondere Strategie im Kampf um Marktanteile im Drogenhandel, bei Prostitution und Waffengeschäften. Das Vorgehen ist auch für die Experten des Landeskriminalamts (LKA) ungewöhnlich.   Von Carola Siedentop

Sie präsentieren sich als Boxclub und inszenieren sich als große Familie. Sie zeigen Muskeln, Tattoos und Kutten, die rockertypischen Lederwesten mit Emblem des Clubs. Sie verweisen stolz auf ihre türkische Herkunft und nennen sich "Osmanen Germania BC": In Neuss sind rund 80 Mitglieder am Montag in der Innenstadt aufgelaufen, am Mittwochabend trafen sich etwa 40 von ihnen in Duisburg, eine Hundertschaft der Polizei war im Einsatz. Das Ziel: Macht und Ansprüche zu demonstrieren.

Der neue Mitspieler in der organisierten Kriminalität in NRW bereitet den Experten des Landeskriminalamtes zusätzliche Probleme. "Dass sie so strukturiert vorgehen und in der Kürze der Zeit so expandieren ist ungewöhnlich", sagt Dietmar Kneib, Dezernatsleiter für Organisierte Kriminalität des Landeskriminalamtes (LKA) unserer Redaktion. Erst im April 2015 hatte sich der Rockerclub im Rhein-Main-Gebiet gegründet. Jetzt breitet er sich in NRW aus und konkurriert vor allem mit den "Hells Angels", die in Städten wie Düsseldorf und Duisburg aktiv sind. "Jede größere neue Gruppe, die Marktanteile übernehmen will, sorgt für Probleme", sagt Kneib. Warum sich die Rocker ausgerechnet Neuss für ihren ersten großen Auftritt ausgesucht haben, wird auch beim LKA noch ermittelt. 

Die Polizei beobachtet die neue Rockergruppe, nach dem Aufmarsch in Neuss sind die "Osmanen" noch mehr in den Fokus der Ermittler gerückt. Sowohl in Neuss als auch in Duisburg wurden die Personalien der Mitglieder aufgenommen. "Wir wollen sehen, mit wem wir es im Einzelnen zu tun haben", sagt Kneib. "Sobald es erste Anzeichen für Straftaten gibt, werden wir gemäß der Strategie des Landes NRW weitere Maßnahmen ergreifen - das heißt: Null Toleranz", sagt der Dezernatsleiter. Das reicht von strafrechtlichen Konsequenzen bis zu einem Verbot einzelner Chapter und ihrer Symbole, wie sie auf den Kutten zu sehen sind.

Einer der beiden Gründungsmitglieder der "Osmanen Germania" ist Selçuk Can S., ein früherer "Hells Angel". Aus einer Untergruppe, den "Turkey Nomads", die aus der Türkei gesteuert werden, sind die  "Osmanen Gemania" vermutlich hervorgegangen. Inzwischen gibt es 20 Chapter in ganz Deutschland. Eine genaue Mitgliederzahl ist nicht bekannt.

"Einige Mitglieder des Osmanen Germania BC sind als Türsteher angestellt", berichtet Christoph Schulte vom Hessischen Landeskriminalamt. Nach Hessen haben sie vor allem NRW als neuen Standort ins Auge gefasst. In Duisburg und Köln gibt es bereits neue Chapter, weitere Städte wie Neuss und Düsseldorf dürften bald folgen. Auf Facebook sind die Rocker dort schon aktiv. Expandiert haben die "Osmanen Germania" auch schon in die Schweiz, Österreich, Schweden und die Türkei. 

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