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Neuss
Pannen-Serie bremst Weltumsegler

Neuss: Pannen-Serie bremst Weltumsegler
Neuss. Der Neusser Michael Führer will mit seinem Katamaran die Welt umsegeln. Segel, Motor und Steuerstand haben aber jetzt gestreikt. Von Susanne Genath

Eigentlich hatte Michael Führer jetzt irgendwo zwischen Teneriffa und den Kapverden sein wollen. Das zumindest war der Plan, als der pensionierte Neusser Organist am 30. September vom Sporthafen in Grimlinghausen mit seinem Katamaran "Vagabund" auf Weltreise gegangen ist. Doch es kam anders. Wegen diverser Schäden hatte das Schiff drei Wochen auf einer Werft auf Menorca überholt werden müssen. Deshalb konnte der 63-Jährige erst jetzt Richtung Ibiza und Gibraltar ablegen.

"Er hatte viel Pech", berichtet seine Frau, Ursula Renzel (50), die mit ihm regelmäßig telefoniert. "Zwischen Frankreich und den Balearen war ihm nicht nur die Befestigung des Vorsegels gebrochen, so dass dadurch der ganze Mast instabil war. Auch der Motor streikte, weil dreckiges Wasser hineingelaufen war." Deshalb habe ihr Mann zwölf Seemeilen vor Menorca und nach nur zwei Tagen auf hoher See die Küstenwache alarmieren müssen, um das Schiff in den Hafen von Mahon zu schleppen.

In Mahon auf Menorca (oben) war Zwangspause. Michael Führer (l.) hat ein Clavichord an Bord. Ursula Renzel (r.) fuhr anfangs ein paar Tage mit. FOTO: Führer/Uran

Der 63-Jährige hatte gewusst, dass unterwegs noch einiges zu reparieren sein würde. Allerdings nicht, dass es so viel werden würde. Denn er hatte den Katamaran zwar eigens für die große Fahrt gebraucht gekauft, ihn aber vorher aus Zeitmangel und wegen anderer Hobbys nicht getestet. "Deshalb lernt er das Schiff jetzt erst genau kennen", sagt Renzel, die selbst als Organistin in Neuss tätig ist. "Der Steuerstand zum Beispiel war aus Sperrholz gebaut und hielt den Wellen auf hoher See nicht Stand." Daher wurde er auf Menorca durch eine Konstruktion aus Stahl und Planen ersetzt.

Gelangweilt habe sich ihr Mann in der Zeit nicht. "Er hat sich mit seinem Mitsegler die Insel angeschaut und auf Kirchenorgeln gespielt", berichtet die 50-Jährige. Besagter Mitsegler hat aber zwischenzeitlich das Handtuch geworfen. "Hochseeuntauglichkeit von Kapitän und Schiff" nennt er in seinem Online-Reisetagebuch als Gründe. Man habe sich aber "in Frieden und Harmonie" getrennt.

Ursula Renzel blickt dennoch entspannt in die Zukunft. "Mein Mann hat die Nerven, mit solchen Unwägbarkeiten umzugehen", sagt sie. "Und wir schließen ihn immer in unser Nachtgebet mit ein." Auf Menorca habe er zwei neue Mitsegler gefunden, die ihn bis Ibiza beziehungsweise Gibraltar begleiten wollen. "Meine Tochter hat auch schon ein Päckchen mit Weihnachtsplätzchen in die Marina nach Gibraltar geschickt."

Dass Michael Führer angesichts der neuen Situation über Weihnachten nach Neuss kommen könnte, sei keine Überlegung gewesen. "Er kommt frühestens 2017 nach Hause", sagt Renzel. Sie selbst langweile sich ohne ihn ebenfalls nicht. "Als Organistin habe ich jetzt Hauptsaison."

Quelle: NGZ
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