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Neuss
Papier als Medium für Kunst

Neuss: Papier als Medium für Kunst
Ruben Smulczyinski, Linda Nadji, Carola Eggeling, Stefanie Minzenmay, Jennifer López Ayala und Simone Klerx im Studio Bronx. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Das Studio Bronx, die Künstlergalerie an der Jülicher Straße, öffnet sich für seine zweite Ausstellung. "Papier Tiger" heißt sie und und stellt zehn unterschiedliche Positionen vor. Von Helga Bittner

Als die Künstlergemeinschaft Studio Bronx um das Ehepaar López Ayala - Malerin Jennifer und Grafikdesigner Johannes - an den Start ging, sah das Konzept noch so aus: Die gemeinschaftliche Präsentation von López' Installationen mit Eierschalen, der Malerin Simone Klerx, der Bildhauerin Carola Eggeling und der Fotografin Stefanie Minzenmay sollten eigentlich Einzelausstellungen für jeden der Fünf folgen. Doch daraus wurde nichts.

Was an Klerx lag. Die als Pendant zu ihrer großformatigen Malerei Zeichnungen ins Spiel brachte und damit in López Ayala ein Nachdenken über den Träger Papier auslöste. "Sofort fielen mir Papierkünstler sein", sagt die Jennifer López Ayala, und so wuchs die Zahl der Eingeladenen am Ende auf zehn, die jetzt unter dem Titel "Papier Tiger" im Studio Bronx ausstellen.

Linda Nadji nähte Briefumschlägen zusammen. Ihr Inneres macht sie zur Außenfläche, beraubt die Post damit gewissermaßen ihrer Geheimnisse, lässt zu, darüber zu fantasieren, was sie für den Adressaten gebracht haben könnten. Die Sichtfenster und die unterschiedlichen Muster der Innenflächen geben diesen "Wandteppichen" eine malerische Struktur.

Peter Müller ist eigentlich Bildhauer und hat für "Papier Tiger" aber eine Wandarbeit geliefert. Eine Collage aus Schleifpapier, die auch unter Glas ins Dreidimensionale geht.

Jennifer López Ayala präsentiert zwei Bilder von ihren "Eierschalen"-Installationen, die wie ein Ausschnitt wirken. "Leo", so der Titel, könnte genauso zu einer beliebig großen Fläche entwickelt werden wie ihre Bodeninstallation aus den Eierpappen, dem "Papierträger" ihres bevorzugten Materials.

Irene Weingartner zeigt kleinere filigrane Arbeiten, für die sie Transparentpapier in hauchdünne Streifen geschnitten und zu Skulpturen auf Papier gesteckt hat. Eine große Arbeit zeugt von ihrer musikalischen Begeisterung.

Ruben Smulczyinski arbeiten mit Stoffen und Papier. Er macht aus einer Boxershorts eine Art Geschirr, legt diesen Rest wie auch andere bearbeitete Stoffe auf Papier und sprüht um sie herum. Seltsame Abdrücke entstehen, die an den Fensterns des Wintergarten hängen und zum Studieren aus verschiedenen Perspektiven reizen.

Simone Klerx hat eine Hemmschwelle überwunden, wie sie sagt, und Papier zerschnitten. Eine serielle Arbeit mit Dreieck und Raute als Grundfiguren ist dabei entstanden. Zwischen zwei Glasplatten gepresst und vor schwarzem Hintergrund wirken sie dennoch wie skulpturale Körper und scheinen hoch über dem Boden zu schweben.

Carola Eggeling überrascht. Wer ihre amorph wirkenden Stahlskulpturen kennt, wird sie kaum als Schöpferin der weißen Schriftrollen - als Einzel an der Wand und als Stapel auf dem Boden - identifizieren. Arbeiten, die Papier darstellen, und schon zwei Jahre alt sind, aber genau in diese Ausstellung passen. Welche Geheimnisse sie bergen, bleibt verborgen, der Stapel besteht aus nach unten gedrehten Schriftrollen.

Stefanie Minzenmay hat mit der Kamera Pflanzen und vor allem Bäumen ins Innerste geblickt und Strukturen entdeckt, die an Zellulose erinnern. Dreifachbelichtung, verschiedene Fotografier-Perspektiven und der Druck auf Transparentpapier machen aus Olivenbaum und anderem filigrane Gebilde.

Angelika Trojnarski lässt Sternschnuppen regnen. Pigmentpapier bietet ihr das Material für die von Chemikalien erzeugten, vermeintlichen Lichtstreifen, -punkte und auch -pünktchen, die eine Ahnung von einem unbekannten Sternenhimmel auslösen. Ein "Flugzeug", das auch eine Ufo sein könnte, wirkt wie aus Keramik, ist aber aus Papier gefaltet und erinnert an die jahrhunderte alte Falttechnik.

Verena Freyschmidt hat mit Tusche und Buntstift Papierflächen bemalt und die Umrisse so verändert, dass ihre Arbeit von weitem wie eine Montage von Baumrinden aussieht. Zumal da sie in unterschiedlichen Abständen mit Stecknadeln auf einer weißen Wand im Wintergarten fixiert sind und damit einen kongeniale Verbindung zur der Herbst-Kunst mit bunten Blättern auf dem Glasdach eingehen.

Fazit Mit sicherem Gespür für Qualität und Spannung haben die Fünf vom Studio Bronx die richtigen Künstler für diese Ausstellung zusammengebracht. Und nebenbei bewiesen, dass die Räume mit den kleinen "Buchten", wie Jennifer López Ayala sie nennt, auch Luft und Platz für zehn verschiedene Positionen bieten. Das Studio Bronx ist auf dem besten Weg, zu dem zu werden, was eine Künstlergalerie auszeichnet: mit Geist einen Raum für Kunst zu schaffen, anregend, spannend und frei von Rivalitätsgefühlen.

Quelle: NGZ
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