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Neuss
Pappelholz-Fassade hüllt große Kunst ein

Neuss: Pappelholz-Fassade hüllt große Kunst ein
FOTO: Berns, Lothar (lber)
Neuss. Geräusch- und fast auch problemlos hat der Bildhauer Thomas Schütte seine Ausstellungshalle auf der Raketenstation fertiggestellt. Von Helga Bittner

Es riecht nach Holz. Nicht nur drinnen, sondern auch draußen. Der Geruch überlagert alles andere, was von den Feldern und dem noch brachliegenden, aber aufgewühltem Boden kommt, der das neue Gebäude auf der Raketenstation umgibt. Rund drei Jahre "und sieben, immer definitivere Modelle", wie der Bauherr Thomas Schütte sagt, hat es gebraucht, bis die endgültige Form seiner neuen Ausstellungshalle feststand.

Und 15 Monate hat es gedauert, bis sie in Stein und Holz auf die Raketenstation gesetzt wurde. "Etwas verspätet, aber im Plan", konstatiert der Bildhauer trocken. Rund ein halbes Jahr später als gedacht, aber innerhalb des Kostenrahmens von 6,6 Millionen Euro (brutto). Gebaut hat der in Düsseldorf lebende und arbeitende Künstler gegenüber der Chilida-Skulptur auf einem rund 2,4 Hektar großen Grundstück, das er im Tausch von einem Holzheimer Landwirt bekommen hat. Der wiederum kam dadurch in den Besitz eines Grundstücks an der L 201, das Schütte von Karl Ludwig Schweisfurth gekauft hatte. Dieser wollte dort ursprünglich seine Hermannsdorfer Landwerkstätten bauen.

Nun also steht die Halle zwischen den Kirkeby-Kapellen und der Langen Foundation. Sieht von der einen Seite aus wie ein Raumschiff, von der anderen ist fast nur das Dach zu sehen, das über einem großer Erdwall, der noch mit Büschen bepflanzt wird, hervorlugt. Für den Bau und auch für den Betrieb mit den geplanten, zweimal jährlich stattfindenden Ausstellungen hat Thomas Schütte eine Stiftung gegründet, die schon jetzt im Besitz von 18 seiner Skulpturen ist. Unter dem rund 700 Quadratmeter großen Ausstellungsraum ist nochmal so viel Platz, dort wird der Bildhauer seine Arbeiten lagern. "Mit Mietvertrag zu den marktüblichen Bedingungen", betont der 61-Jährige, der selbst in den letzten Bauphasen wie die Ruhe selbst wirkt. "Damit die Stiftung auch Geld einnimmt."

Fast geräuschlos ist die ganze Sache abgelaufen. Was auch wohl daran liegt, dass Thomas Schütte von Beginn an mit offenen Karten gespielt hat, selbst in den Bezirksausschuss Holzheim gegangen ist, um seine Pläne zu erklären. Er wollte verhindern, dass die neuen Nachbarn das Gefühl bekommen, ihnen werde etwas vorgesetzt.

Die Halle hat die Form einer Ellipse, mit einer Außenhaut aus Holz, das eben so wunderbar natürlich riecht. Die Lamellen bestehen aus Pappelholzplatten, sind gekocht und leicht geölt worden, erklärt der Künstler, "thermobehandelt, sie sind wetterbeständig und nehmen auch keine Feuchtigkeit auf". Was an dieser Stelle von Vorteil ist, denn der Bau ist Wind wie Regen ungeschützt ausgesetzt.

Überhaupt war es für Thomas Schütte wichtig, regionale oder zumindest grundsätzlich klassische Handwerker für Bau und umliegende Maßnahmen einzusetzen. Die Klinker für das Nebengebäude mit Bibliothek, Kundenraum und zusätzlichem Ausstellungs- oder Konferenzraum (etwa für das Kuratorium der Stiftung) kommen aus Erkelenz. Nur die Maurer zu finden für die halbrunde Wand und die Idee, einzelne Steine wie kleine Absätze hervorstehen zu lassen, sei nicht so einfach gewesen. Aber ihm gefiel es, weil dadurch Schatteneffekte erzielt werden. Die Betonsteine für den Weg rund um die Halle und den Platz davor musste er allerdings aus dem Katalog bestellen. "Die gab es sonst nirgends", sagt er. Dafür kommen die Bäume, die auf dem Grundstück gepflanzt sind, aus der Kaarster Baumschule Schmitz: "Die haben zum Glück schon eine Größe, auf die wir sonst sonst 20 Jahren warten müssten." Der Landschaftsarchitekt der Stiftung Insel Hombroich, Burkhard Damm, wird das Außenareal gestalten. "Da lass ich ihm völlig freie Hand", sagt Schütte. Ein Satz, der sinnbildlich für seine Haltung steht. Denn bei allen eigenen Ideen - Schütte hat sich ganz auf das Fachwissen seines Architekten vom Düsseldorfer Büro RKW und der Handwerker verlassen und reagiert pragmatisch auf Probleme. So fährt er schon mal selbst zum Baumarkt, um ein Gerüst zu holen, damit die Handwerker die meterhohen Bücherregale in der Bibliothek anbringen können.

Quelle: NGZ
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