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Neuss
Patienten-Coach für die Zeit nach der Klinik

Neuss: Patienten-Coach für die Zeit nach der Klinik
Mario Kessels in seinem Büro im Lukaskrankenhaus. Seit 15 Jahren fungiert er als Schnittstelle zwischen Krankenhaus und Rückkehr in den Alltag. FOTO: Lber
Neuss. Mario Kessels vom Sozialdienst des Lukaskrankenhauses kümmert sich darum, dass für Patienten der Übergang in den Alltag funktioniert.

In die Eingangshalle, durch die Caféteria, vorbei am Chefarzt der Unfallchirurgie - dann kommt der Sozialdienst. Den Weg finden viele Patienten und Angehörige, und wer nicht in der Lage ist, hinzukommen, den besuchen die Teamkollegen auf den Stationen. Der Sozialdienst kümmert sich um alles, was mit dem Entlass-Management zu tun hat. Und eigentlich noch um deutlich mehr, findet Mario Kessels (46). Seit 15 Jahren ist der examinierte Krankenpfleger und studierte Sozialarbeiter an dieser Schnittstelle von Krankenhaus und allen möglichen Institutionen, Behörden, Einrichtungen, Diensten außerhalb der Klinik tätig. Und das sehr gern, wie der Meerbuscher betont: "Es ist wirklich nie langweilig."

Die Aufgaben für den Sozialdienst sind vielfältig: Übergang in die Reha, Feststellung einer Pflegebedürftigkeit, ans Krankenhaus anschließender Heimaufenthalt, gesetzliche Betreuung, ambulante Hilfe, Unterstützung pflegender Angehörigen - immer geht es darum, den Patienten nicht unversorgt gehen zu lassen. Das bringt viel Papierkram mit sich, zahllose Telefonate, vor allem aber: die direkten Gespräche mit Patienten und Angehörigen. Mario Kessels kümmert sich gerade um einen Patienten, über den er zunächst eine Information vom Stationsarzt erhält. Der Mann ist gestürzt, wurde operiert, soll nach einer Woche Aufenthalt entlassen werden. Sechs Wochen darf er sein Bein nicht belasten, er ist "rollstuhlmobil". "Bitte um orga kzp", lautet die Nachricht - soll heißen: Mario Kessels bemüht sich um eine Kurzzeitpflege.

Nicht immer funktionieren diese Wechsel reibungslos. Da ist der alte Patient, der allein zu Haus lebt, der Kontakt zu seinen Angehörigen ist nicht eng. Er braucht Unterstützung, will aber nicht ins Heim. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK), der einmal pro Woche ins Lukaskrankenhaus kommt, hat ihm Pflegestufe 1 zuerkannt. Ob das ausreicht? Auch für diesen Patienten organisiert Mario Kessels erst einmal eine Kurzzeitpflege. "Er kann doch nicht unversorgt das Krankenhaus verlassen." Die Versorgungsproblematik steigt, "der soziale Kitt wird weniger", sagt Kessels. Er hat es auch mit Menschen zu tun, die allein nicht mehr zurechtkommen, verwahrlost sind, und er hat schon oft das Amtsgericht kontaktiert, das dann "wirklich schnell, wenn es darauf ankommt", einen gesetzlichen Betreuer bestellt.

Immer wieder kommen neue Anfragen, schellt das Telefon, stehen Hilfesuchende vor der Tür. Nicht wenige Patienten, vor allem ältere, haben Angst vor der Entlassung - was kommt danach? Tumorpatienten bitten um Hilfe, das erschöpft sich dann nicht in der Vermittlung an eine Selbsthilfegruppe, da muss auch Zeit für längere Gespräche sein. Die gab es vor 15 Jahren, als Mario Kessels im Lukaskrankenhaus begann, viel, viel mehr: "Es ist doch generell so: kürzere Liegezeit, mehr Patienten, mehr Entlassungen, größerer Bedarf an Hilfe." Er hat schon von seinen Gesprächspartnern gehört: "Mach, dass alles gut wird!" Zaubern, sagt er dann, kann er nicht. Aber helfen, so gut er kann.

Quelle: NGZ
 
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