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Neuss
Performance-Künstler überraschen in Estland

Neuss. Zum Kunst-Projekt beim Hansetag im estnischen Viljandi sind elf Künstler eingeladen - auch Enno Stahl aus Neuss. Von Enno Stahl

Elf Künstler aus ebenso vielen verschiedenen Hansestädten sind dieses Jahr zu den Hansetagen ins estnische Viljandi eingeladen. Im Zentrum stand diesmal die Live Art, also Performance. Der Hintergedanke dabei war, dass nicht fertige Werke nach Viljandi geschickt werden, sondern dass die Arbeiten sich direkt mit der Stadt und ihren Bewohnern auseinandersetzen sollen. Um Kommunikation also soll es gehen, auch zwischen den Künstlern untereinander.

Die Unterbringung ist allerdings mehr als gewöhnungsbedürftig, elf Personen in zwei kleinen Zimmern, Schlafplätze rund um einen Küchentisch herum. Die Gruppendynamik ist daher kompliziert, fast eine Woche auf engstem Raum zusammengepfercht, man fühlt sich wie bei Big Brother. Vielleicht filmt ja wirklich jemand mit. Schon Tage vor dem Beginn kommen bei der nächtlichen Grafittiarbeit mit dem französischen Street Artist Pierre-Loup Auger abenteuerliche Jugenderfahrungen wieder hoch.

Zum offiziellen Startschuss am gestrigen Freitag, in Anwesenheit der Projektgruppe Hanse-Artworks, zu der auch Richard Palermo vom Neusser Büro für Öffentlichkeitsarbeit und Repräsentation gehört, steuert die Gruppe eine zehnminütige Gemeinschaftsaktion bei, Elemente des Tanzes, der Klangkunst, der Body Art und der Lautdichtung gehen für eine kurze Zeit eine faszinierende Verbindung ein, der perfekte Start für ein Festival, das dezentral an verschiedenen Ecken und Bereichen des großen Hansemarktes stattfindet. Natürlich ist es nicht leicht, in diesem Mammutangebot an hanseatischen Präsentationsständen, Riverboat-Bands, Folklore und Chorgesang auf sich aufmerksam zu machen. Daher eignen sich Aktionen, die mitten im Geschehen passieren, für die kein Publikum geladen werden muss.

Ein weiterer Vorteil solcher "Straßenkunst" ist es, dass sie direkt und unmittelbar in Kontakt mit der Bevölkerung tritt. Zum Beispiel Michael B. Ludwig aus Telgte, der mit einem Bollerwagen durch die Gegend fährt und dabei - einen Münsteraner Kollegen zitierend - eine "Demonstration für nichts" abhält: Er trägt ein Plakat, auf dem nichts steht, und verteilt Flugzettel aus weißem, unbeschriftetem Papier.

Der Street-Artist Pierre-Loup Auger zeigt noch einmal seine Kunst, indem er - meterhoch auf einer wackligen Leiter balancierend - ein riesiges Wandbild in knapp einer Stunde malt. Die weiße Grundierung wirkt zunächst nur wie ein großer Fleck auf der Wand. In kürzester Zeit entstehen mit schwarzer Spraydose eine Figur, ein Gesicht.

Die "One-Euro-Man"-Performance aus Neuss ist erfolgreicher, als dem Akteur selber lieb ist: Die Generosität der Esten ist so groß, dass in Viertelstunden fast peinlich viel Geld bei dieser Aktion herumkommt, dabei soll das Betteln eines leitenden Angestellten um einen Job oder eine milde Gabe eigentlich mehr nur zum Denken über die aktuelle Wirtschaftskrise anregen. Nicht alle scheinen dies zu verstehen und mutmaßen eine tatsächliche Notsituation. Noch zwei Tage wird es in Viljandi Performances und Aktionskunst geben, die stark bereichert sein werden von der Freundlichkeit und Offenheit der Gastgeber.

Info Der Künstler Enno Stahl ist als Performer der Neusser Vertreter bei dem Kunstprojekt am Hansetag.

Quelle: NGZ
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