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Neuss
Performer übernehmen die Alte Post

Neuss: Performer übernehmen die Alte Post
Misael López, Konstantin Lange, Bertolt Mohr, Klaus Richter, Thomas Bernstein, Wolfgang Schäfer, Angelika Fojtuch (v.l. hinten), Susanne Hille (liegend) und Taka Kagitomi (mit Lampe) posieren, wie es sich für Performer gehört. Es fehlen Karen Bößer & Beatrix Szörenyi, Jarg Geismar, Britta Lieberknecht und Chris Parker. FOTO: Woi
Neuss. Die "Performance Lounge" morgen Abend in der Alten Post hat sich zu einem kleinen Festival für das Genre entwickelt. Schon seit Montag sind 14 Künstler dabei, ihre Stücke zu entwickeln, kommen dafür täglich nach Neuss. Von Helga Bittner

Bertolt Mohr kann nicht widerstehen. Er nimmt die Axt, haut sie auf den Baumstumpf - und kriegt sie nicht mehr raus. Sechs Füße sind zum Abstemmen nötig, um die Scheide aus dem Klotz zu ziehen. Kein Wunder also, dass den lachend Zusehenden nur ein Kommentar dazu einfällt: "Das ist doch schon die Performance!" Könnte man meinen, und vielleicht wird Thomas Bernstein, der mit Baumstumpf, Axt und Mönchskutte angereist ist, das auch noch irgendwie einbauen in sein Stück, das er morgen bei der "Performance Lounge" in der Alten Post zeigt.

Bernstein ist einer von 14 Künstlern, die aus der bildenden Kunst, aus dem Tanz oder vom Gesang kommen und als Performance-Künstler wahre Grenzgänger zwischen den Genres sind. Klaus Richter, städtischer Kurator, an der Alten Post für bildende Kunst zuständig und selbst zudem bildender Künstler und Performer, hat sie eingeladen. Im Rahmen der Themenwoche "Mit allen Sinnen" und eigentlich für die morgige Performance-Lounge, "aber die ersten sind schon am Montag gekommen", sagt er ganz glücklich.

Und am Dienstag, am Mittwoch, gestern ebenfalls waren sie da, und auch heute werden sie wiederkommen, denn die 14 haben die ganze Alte Post als Performance-Raum entdeckt und in Besitz genommen. So gibt es im Foyer eine ungeplante Ausstellung, wird die Lounge, bei der insgesamt 14 "Pieces" (Stücke) gezeigt werden, ihren Anfang wie geplant im Bühnensaal nehmen, aber sich dann über das ganze Haus strecken.

Richter selbst wird nur als Kurator fungieren. Anders sein Mitkurator Bertolt Mohr, der allerdings nichts mit der Axt, sondern irgendwas mit einer Zinkwanne macht. Dieses "irgendwas" hat er natürlich längst im Kopf, vielleicht sogar schon andernorts gezeigt, denn Performance-Künstler sind zwar spontan, aber ihr Stück ist durchdacht. So hat Mohr im Keller der Alten Post etwas gefunden, von dem er nicht sagen will, was es ist. Misael López geht vom Raum aus und hat ein blaues Schiffchen aus Papier gefaltet. Wolfgang Schäfer fühlte sich am ersten Tag zu einem "Rückgriff" auf sein Actionpainting inspiriert, hat am zweiten eine geschlossene Malerei daraus gemacht. Als "work in progress" sind die Stücke entstanden, und Konstantin Lange gibt gerne zu, dass sich einem Performance-Künstler ganz andere Möglichkeiten eröffnen, wenn er wie jetzt Ort und Atmosphäre länger aufnehmen kann.

Für Klaus Richter ist mit diesem Künstler-Treffen ein weiteres Stückchen Weg hin zur Alten Post als Zielort für Performer geschafft. Dass die Künstler, die weitgehend aus der Region kommen, jeden Tag anreisen, um sich auszuprobieren, mit den Kollegen zu reden und ihre Stücke weiterzuentwickeln, ist für ihn "ein ganz großer Glücksfall". Gern möchte er diesen Festivalcharakter als Form an der Alten Post etablieren. "Es war ein Traumvorstellung, dass die Performance-Lounge funktioniert", sagt er, "ich hätte aber nie gedacht, dass das gleich so gut klappen würde."

Die Lounge, die morgen Abend um 20 Uhr die Fassung für die 14 mit Sicherheit sehr unterschiedlichen Pieces sein wird, trägt auch einen Titel: "Von Sinnen". Der sei doppeldeutig, meint Schäfer schmunzelnd. Er lehne sich an die Themenwoche an und gebe gleichzeitig wieder, was mancher Zuschauer von Performern denke...

Quelle: NGZ
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