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Neuss
Perlingers witzige Abrechnung mit dem Alter

Neuss. Im Rheinischen Landestheater spielte Sissi Perlinger ihr neues Programm "Ich bleibe dann mal jung". Von Rudolf Barnholt

Sissi Perlinger hat ein Buch geschrieben. Es trägt den Titel "Ich bleib dann mal jung". Beim Auftritt im Rheinischen Landestheater diente es ihr als eine Art Drehbuch. Eine Lesung wäre für die vielseitige Kleinkünstlerin mit Gesang- und Tanzausbildung auch zu wenig fordernd gewesen. So aber konnte sie ihre unbändige Spielfreude, ihre schnellen Rollenwechsel mit mehr oder weniger aufwendigen Kostümierungen voll ausleben.

Am faszinierendsten war jedoch die Lebensfreude, die sie versprühte. Ihr Auftritt wurde zu einem Feldzug gegen das Graue-Maus-Syndrom im Alter. Einigen Zuschauern dürfte das mitunter ein wenig zu forsch gewesen sein. Aber die meisten waren begeistert.

"Jung sterben, aber so spät wie möglich." Solche Sätze machen nachdenklich in einem Programm, in dem die Heiterkeit Trumpf ist. Sissi Perlinger, mit ihren 53 Jahren noch nicht so ganz im Seniorenalter angekommen, macht nicht nur Mut, sondern auch Lust - Lust auf ein selbstbestimmtes Leben im Alter. Zwar präsentiert sie sich in einem Sketch als Opfer der Kosmetikbranche, aber ihr Credo lautet: "Ich will nicht jung ausschauen, sondern glücklich." So schmettert sie mit einem Satz den Jugendwahn ab. Ihr schauspielerisches Können, ihre schnellen Rollen- und Kostümwechsel begeistern. Auch die Jugend von heute bekommt was ab: "So cool, dagegen ist selbst der Ötzi ein Warmduscher." Als Rapperin karikiert sie Disco-Besucher von heute und macht nebenbei deutlich, dass sie diesen Zeiten keine Träne nachweint. Cool sein - das ist wirklich nicht ihre Art. Sie spricht von "Nordic Flirting", heißt: "Mit dem Stock im Arsch flirten".

Die Zuschauer bekommen vor Augen geführt, welche Privilegien das Alter doch mit sich bringt: Wenn man vorgibt, zu schwächeln, bringe einen die Polizei bis vor die Haustür, und das gratis. Immer wieder zielt sie mit ihren Kalauern auf Regionen unterhalb der Gürtellinie, hat Sympathien für den Anarcho im Senior: So erzählt sie von ihrem 104 Jahre alten Nachbarn, der sich morgens Schwarzpulver auf Butterbrot streut, "damit es im Krematorium so richtig kracht". Oder sie schlägt vor, aus der Umkleidekabine heraus zu rufen: "Es ist kein Klopapier mehr da!"

Sissi Perlinger fühlt sich aber nicht nur dazu berufen, das Älterwerden neu zu definieren, sie glänzt auch als - sympathische - Emanze. Dass die Menschen älter werden, macht für sie einen besonderen Sinn: "So haben auch Männer genug Zeit, erwachsen zu werden." Und einen Zuschauer - einen Mann namens Michael hat es getroffen - muss auf der Bühne beweisen, dass er keine Angst vor starken Frauen hat. Mit einem Krönchen auf dem Kopf sitzt er da und erlebt einen Vamp, der wirbt: "Hab' Vertrauen in starke Frauen."

Quelle: NGZ
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