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Neuss
Pflegeberufe sollen attraktiver werden

Neuss: Pflegeberufe sollen attraktiver werden
Bei den Berliner Gesprächen (v.l.): SPD-Chef Daniel Rinkert, sein Stellvertreter und Landtagskandidat Arno Jansen und MdB Bärbel Bas. FOTO: woi
Neuss. Bei den Berliner Gesprächen der SPD im Rhein-Kreis ging es um die Herausforderung rund um den demografischen Wandel. Als Gesprächspartnerin reiste die Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas an. Von Vera Straub-Roeben

Die Menschen in Deutschland leben heute länger als vorangegangene Generationen. Außerdem verbringen sie mehr Jahre ihres Lebens in Gesundheit. Damit hat sich auch das Bild vom Älterwerden geändert - im positiven Sinn. Die Menschen sind heute häufig bis ins hohe Alter aktiv. Alter, im klassischen Verständnis, gibt es eigentlich gar nicht mehr, oder wenn, dann erst viel später. Diese positiven Folgen des demografischen Wandels sind auch der guten medizinischen und pflegerischen Versorgung zu verdanken. Doch es gibt eine Kehrseite der Medaille: "Die Pflege- und Gesundheitspolitik stellt für die immer älter werdende Gesellschaft die zentrale Herausforderung der Zukunft dar, denn ein selbstbestimmtes Leben im Alter ist nur durch eine bedarfsgerechte und qualitativ gute Pflege möglich", betont Arno Jansen, stellvertretender Vorsitzender der SPD im Rhein-Kreis Neuss.

Jansen fährt fort: "Es zeichnet sich ein dramatischer Fachkräftemangel im Bereich der Pflege ab. Aber: In Nordrhein-Westfalen hat die rot-grüne Landesregierung das erkannt und 2012 mit Erfolg eine Ausbildungsumlage eingeführt. Die Zahl der Auszubildenden ist seitdem von 10.000 im Jahr 2010 auf fast 17.000 Altenpflegeschüler im Jahr 2014 gestiegen." Dazu habe auch die Verdoppelung der Fördermittel für Pflegeausbildung von 32 Milliarden (2010) auf 64 Milliarden Euro (2015) ihren Beitrag geleistet.

Aber auch die Schaffung von Wohnraum für ältere Menschen ist eine wichtige Aufgabe der Politik. "Das Land hat deshalb ein Förderangebot ,Entwicklung altengerechter Quartiere in NRW' aufgelegt, damit auf kommunaler Ebene Quartierskonzepte entwickelt werden können." Doch das sind lediglich zwei Themen in einem großen Komplex. Deshalb hat die SPD im Rhein-Kreis Neuss als Gesprächspartnerin Bärbel Bas, Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion, eingeladen. Bas berichtet über zwei Pflegestärkungsgesetze, die bereits in Kraft getreten sind beziehungsweise in Kürze in Kraft treten werden: "Seit dem 1. Januar 2015 gibt es ein Gesetz, das die Leistungen dynamisiert und sie um vier Prozent anhebt, was einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro entspricht. So wollen wir Pflege- und Sachleistungen flexibler machen."

Mit einem zweiten Gesetz soll der Pflegebedürftigkeitsbegriff geändert werden: Anstatt nach den Defiziten zu schauen, soll künftig festgestellt werden, welche Fähigkeiten die Person noch besitzt. Diese sollen dann gestärkt oder zumindest erhalten werden. "Das Gesetz soll zum 1. Januar 2017 in Kraft treten. Aktuell arbeiten Experten daran, diesen Perspektivwechsel so zu organisieren, dass aus den bisherigen drei Pflegestufen fünf Pflegegrade werden. So soll mehr Menschen ermöglicht werden - auch Alzheimer- und Demenzkranken - in die Pflege zu kommen." Alle, die eine "alte" Pflegestufe haben, sollen automatisch in einen höheren Pflegegrad kommen, eine erneute Überprüfung aufgrund des neuen Gesetzes sei nicht vorgesehen. Ein weiterer wichtiger Punkt sei das Pflegeberufegesetz: Die drei Pflegeberufe Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege sollen generalisiert werden, weil es in Zukunft noch mehr Überschneidungen der Wissensgebiete geben wird. "Wir wollen aber nicht, dass die Altenpflege weniger wird. Vielmehr wollen wir den Beruf aufwerten - durch eine qualifizierte, auch dual mögliche Ausbildung. Dazu gehört natürlich auch eine bessere Bezahlung", sagte Bärbel Bas bei den "Berliner Gesprächen" im Gasthaus Früh.

Quelle: NGZ
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