| 00.00 Uhr

Kunst und Religion
Piranesis Sicht auf Roms Kirchen

Kunst und Religion: Piranesis Sicht auf Roms Kirchen
Unter den vielen Radierungen, die Giovanni Battista Piranesi (1720-1778) von den Bauten Roms gemacht hat, ist auch die Papstbasilika Santa Maria Maggiore. Er wählte dafür eine Rückansicht. FOTO: CSM
Neuss. Der italienische Künstler Giovanni Battista Piranesi (1720-1778) ist berühmt für seine virtuosen und in höchstem Maße inszenierten Radierungen. Zu seinen bekanntesten Serien gehören die "Vedute di Roma", Ansichten der schönsten Bauwerke Roms. Neben antiken Stätten, wie etwa dem Pantheon oder dem Kolosseum, gehören auch die unzähligen Sakralbauten zu den dargestellten Motiven.

Der gelernte Bühnenbildner Piranesi zeigt die noch heute so beliebten Monumente in atemberaubenden Ansichten. Um das Seherlebnis des Betrachters zu erhöhen, nahm er es bei der Übernahme architektonischer Details nicht so genau. So fügte er etwa einem Arkadengang einen frei erfundenen Bogen hinzu, um die Tiefenwirkung eines Bildes zu steigern.

Das schöne Blatt aus dem Bestand des Clemens-Sels-Museums zeigt eine Rückansicht der Papstbasilika Santa Maria Maggiore. Der dreischiffige Bau zählt zu den vier Patriarchalbasiliken Roms und liegt auf dem Esquilinhügel. In leichter Schrägansicht schaut der Betrachter auf die imposante Apsis der barocken Fassade mit den weitläufigen Treppen.

Der wahre Schatz findet sich jedoch im Inneren der Kirche: zahlreiche Mosaike, die zum Teil noch aus der Entstehungszeit des Baus im 5. Jahrhundert stammen, schmücken die Gewölbe.

Wer die italienische Metropole mit dem Zug bereist, erreicht die unweit vom Hauptbahnhof gelegene Kirche in wenigen Minuten. Zentral vor dem Bau wurde bereits im 16. Jahrhundert ein Obelisk aufgestellt, der auch auf der Radierung am linken Bildrand deutlich zu erkennen ist. Der hoch aufragende Monolith sollte den aus Norden in die Stadt kommenden Pilgern als Wegweiser dienen.

Auf dem Vorplatz, der heutigen Piazza di Santa Maria Maggiore, und auf den Treppenstufen vor der Basilika platziert der Künstler zahlreiche Figuren. Auffallend sind die bewusst eingesetzten Verzerrungen der Proportionen, die der Darstellung eine besondere Atmosphäre verleihen.

Piranesis Ansichten waren bei vielen Romreisenden ein beliebtes Souvenir und dienten - wieder zu Hause angekommen - als Wandschmuck, der an die Eindrücke aus der ewigen Stadt dauerhaft erinnerte.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kunst und Religion: Piranesis Sicht auf Roms Kirchen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.