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Neuss
Plätze für Flüchtlinge werden knapp

Neuss: Plätze für Flüchtlinge werden knapp
Noch sind alle Jalousien an dem Übergangswohnheim der Stadt am Berghäuschensweg unten, doch das ändert sich nun schneller als gedacht. Sogar an die Belegung von Turnhallen mit Flüchtlingen wird nun gedacht. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Die Stadt erwartet in diesen Tagen 150 zugewiesene Asylbewerber vom Land. Die städtischen Kapazitäten dürften bald ausgereizt sein. Sozialdezernent Stefan Hahn schließt nicht aus, dass irgendwann doch eine Turnhalle herhalten muss. Von Susanne Genath und Andreas Gruhn

Das Problem der Unterbringung von Flüchtlingen spitzt sich nun auch in Neuss zu. In diesen Tagen erwartet die Stadt 50 zugewiesene Asylbewerber, in der kommenden Woche weitere 100. Rein rechnerisch müsste die Stadt aufgrund des Verteilungsschlüssels von jetzt auf gleich 165 Asylsuchende unterbringen. Aktuell sind in den städtischen Einrichtungen gut 230 Plätze frei, noch reicht die Kapazität also. Wären aber in der vergangenen Woche in der Landeseinrichtung im "Alex" nicht 200 zusätzliche Plätzehergerichtet worden, die der Stadt angerechnet werden, dann müsste Neuss allein in dieser Woche bis zu 365 Flüchtlingen eine Unterkunft geben. "Damit wären sämtliche freien Plätze auf einen Schlag belegt", warnt Sozialdezernent Stefan Hahn. "Wir werden bei mehr als 100 Zuweisungen im Monat liegen, und wenn es weiter so dramatische Zuspitzungen wie im Juli gibt, dann ist nicht auszuschließen, dass wir auch irgendwann von jetzt auf gleich eine Turnhalle herrichten müssen."

Genau das will die Stadt mit ihrer Strategie, an 27 Standorten Übergangswohnheime - zum Teil in Containern - einzurichten, eigentlich verhindern. Am Nordbad beginnen bald die Bauarbeiten für den ersten Containerbau, der im Oktober bezugsfertig sein soll. Am Südbad soll die nächste Einrichtung folgen. Überdies verhandelt die Stadt gerade mit dem Eigentümer eines Bürogebäudes im Rheinparkcenter über Mietkonditionen. Dort soll eine Etage umgebaut und für 100 Asylbewerber hergerichtet werden. "Wir hoffen, dass wir Anfang 2016 Flüchtlinge dort unterbringen können", sagt Hahn.

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Auch aus der Bürgerschaft gibt es Unterstützung: Privat-Eigentümer haben 40 Wohnungen zur Miete angeboten, das entspricht 200 Privatbetten. Und in Grimlinghausen hat ein Bürger ein Privatgrundstück für den Bau eines Übergangsheimes angeboten. Mit all diesen Maßnahmen will die Stadt verhindern, dass wirklich alle der 27 Not-Standorte, die derzeit in der Diskussion sind, aktiviert werden müssten.

Am Dienstagabend warb Hahn bei den Bürgern in Selikum bei einer Informationsveranstaltung um Verständnis. Über den dortigen Standort - den Bolzplatz am Corneliusweg - herrschte Uneinigkeit. Eine Interessengemeinschaft reichte Alternativvorschläge ein. Es wurde kontrovers und leidenschaftlich diskutiert. "Aber die Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen, ist in Selikum in der Breite der Bevölkerung da", sagte Hahn am Ende.

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Auch Ghalia El Boustami sieht Neuss gut aufgestellt. "Stadtverwaltung und Hilfsorganisationen leisten gute Arbeit", sagt die Grünen-Politikerin. "Man muss aber in Tuchfühlung mit der Bevölkerung bleiben, damit die Stimmung nicht kippt." Das glaubt Karlheinz Kullick, Vorsitzender des Sozialausschusses, nicht. "Die Neusser Bevölkerung hat eine sehr wohlwollende Einstellung gegenüber Flüchtlingen", erklärt er. "Wir können aber nicht alle Balkanflüchtlinge aufnehmen."

Kritisch betrachtet der Integrationsrat das geplante Flüchtlingheim im einstigen Hafthaus an der Grünstraße. "Trotz aller Umbaumaßnahmen wird die Knast-Atmosphäre bleiben", sagt Hakan Temel (SPD).

Quelle: NGZ
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