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Neuss
Politik beerdigt Pläne für eine Fahrradstraße

Neuss: Politik beerdigt Pläne für eine Fahrradstraße
Die Verwaltung will die Kanalstraße zur "Fahrradachse" aufwerten, findet dafür in der Politik keine Mehrheit. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Das Pilotprojekt an der Kanalstraße reduziert sich auf Öffnung der Einbahnstraße für Radfahrer in Gegenrichtung. Von Christoph Kleinau

Die Stadtverwaltung ist einmal mehr mit Plänen für die Umgestaltung einer Straße an der größten aller möglichen Koalitionen gescheitert - der Autofahrerkoalition. Nachdem diese vor einigen Monaten den Rückbau der damals vierspurigen Römerstraße abgelehnt hatte, begrub sie am Mittwochabend die Neugestaltung der Kanalstraße. Das Projekt, das als erste Fahrradstraße in der fahrradfreundlichen Stadt angeschoben worden war, reduziert sich auf ein paar Markierungsarbeiten. Angesichts dessen werde er prüfen, sagte Baudezernent Christoph Hölters, ob eine Ausbauplanung überhaupt noch nötig sei.

Das Thema war zunächst im Arbeitskreis "Rad und Fuß" diskutiert worden und hatte dort noch breite Zustimmung gefunden. Alleine die FDP machte schon damals Bedenken geltend. Die kamen jetzt auch der CDU-Fraktion, die mit ihren vorgeschlagenen Einschnitten an der Ursprungsplanung auch AfD und Linkspartei überzeugen konnte. Die SPD forderte den Mut der Politik ein, sich für die große Lösung auszusprechen - und blieb bei dieser Linie.

Die Grünen, nicht nur in dieser Frage ein mürrischer weil unzufriedener Koalitionspartner der CDU, stimmten ebenfalls mit. Das aber auch nur, weil die Abstimmung zu den einzelnen Vorschlägen der Verwaltung getrennt erfolgte und eine Kernforderung so gerettet werden konnte: Die Kanalstraße wird auch in Gegenrichtung der Einbahnstraße für den Radverkehr geöffnet.

Die FDP wollte die Planung ganz aussetzen. Sie unterstellte der Verwaltung, lediglich dem "fahrradverkehrspolitischen Zeitgeist" folgen zu wollen - der Fraktionsvorsitzende Manfred Bodewig sprach von "Fetisch Fahrrad" - und lehnte das Projekt als überzogen und übereilt ab. "Risiken und eine nicht vorhandene Notwendigkeit", führte Bodewig als Sachargumente an.

Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, im Anschluss an nötige Kanalarbeiten in der Kanalstraße, die allerdings im Wirtschaftsplan der Infrastruktur Neuss (ISN) weder eingeplant noch datiert ist, den Verkehrsraum neu und dabei fahrradfreundlicher zu gliedern. Ein Pilotprojekt, das Hölters angesichts der ungleich niedrigeren Verkehrsfreqenz an dieser Achse in Richtung Innenstadt besser angesiedelt sah als etwa an der Drususallee.

Zu den Plänen aus seinem Haus gehörten eine Öffnung der Einbahnstraße für Radfahrer, der Abbau der Ampeln an den Knotenpunkten Erftstraße beziehungsweise Breite Straße, (verkehrsberuhigende) Aufpflasterungen in diesen Einmündungen, damit Fußgängerbarrierefrei kreuzen können sowie drei neue Bäume auf dem Abschnitt Breite Straße bis Kaiser-Friedrich-Straße. Ein in Kauf zu nehmendes Manko wäre aus ihrer Sicht der Verlust von sechs Parkplätzen.

Dieser vorgeschlagene Umbau schieße, so formulierte es Ingrid Schäfer für die CDU, "über das Ziel hinaus". Ihre Fraktion bestand auf den Ampeln, die nun auch für die Radfahrer in Gegenrichtung aufzuschalten sind, und strich den Rest.

Sascha Karbowiak (SPD) hätte die Aufwertung der Kanalstraße zu einer wichtigen Fahrradachse im Zusammenhang mit der Auszeichnung als fahrradfreundliche Kommune begrüßt. "Das wäre nur konsequent", sagt er. Roland Kehl (Grüne) sah das genauso: "Wir sind von einer Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer weit entfernt."

Quelle: NGZ
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