| 00.00 Uhr

Neuss
Politik enttäuscht von Whitesell-Ende

Neuss. SPD erwartet einen Bericht im Rat. Fragen zur Zukunft der Liegenschaft offen. Von Christoph Kleinau

Im Whitesell-Werk gehen zum Jahresende die Lichter aus. Was die Belegschaft noch tun kann und wie sich die letzten 109 Mitarbeiter der Schraubenfabrik auf die drohende Arbeitslosigkeit vorbereiten können, soll morgen Gegenstand einer Betriebsversammlung sein. Vielleicht der letzten in 139 Jahren Firmengeschichte. "Das hat uns der Insolvenzverwalter noch zugestanden", sagt der Betriebsratsvorsitzende Karlheinz Salzburg.

Mehr aber auch nicht. Und das empört die Politik. "Da überkommt mich die kalte Wut", reagiert der SPD-Fraktionsvorsitzende Arno Jansen auf die Weigerung des Insolvenzverwalters, einen Sozialplan zu erstellen. Jansen spricht von einem schwarzen Tag für die Belegschaft und den Industriestandort Neuss. In der Ratssitzung am kommenden Freitag erwartet er einen Bericht des Bürgermeisters über die Einzelheiten und Hintergründe, die zum Scheitern der Rettungsbemühungen führten, sowie Informationen darüber, wie zumindest den Auszubildenden geholfen werden kann. Unter diesen gibt es einige, die im Januar ihre Lehre bei Whitesell beenden wollten und nun ohne Abschluss auf der Straße stehen.

Die Stadt hatte eine Rettung immer unterstützt und zuletzt einen Grundstücktausch und sogar den Kauf der Liegenschaft am Hauptbahnhof für den Fall an, dass ein Investor dort die Fertigung fortsetzt. Nun steht auch die Frage im Raum, was aus die Fläche wird, wenn zum Jahresende die Fabrik geschlossen wird. Napp ist überzeugt, dass das Gelände wegen zu erwartender Altlasten schwer zu vermarkten sein wird und unterstreicht noch einmal, dass die Stadt die Fabrikfläche nun nicht dadurch aufwertet, dass sie dort Baurecht schafft. "Wir werden aber darauf achten, dass von der Fläche keine Gefahr ausgeht", sagt Napp, der zur Verkehrssicherung den Insolvenzverwalter in die Pflicht nehmen wird. "Das wird ihm auf Dauer keine Freude machen".

Hans-Peter Fantini (FDP) zeigt sich geschockt über das abrupte Ende. Im Sommer hatte der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Liegenschaften noch Optimismus verbreitet, nachdem der US-Investor Whitesell Maschinen und Immobilie des Werkes in die Hand des Insolvenzverwalters gegeben und so die Suche nach einem Investor viel einfacher gemacht hatte. "Das hat doch verheißungsvoll geklungen", sagt er. Helga Koenemann (CDU) und Michael Klinkicht (Grüne) zeigen sich ebenfalls enttäuscht von dieser Entwicklung. In der Rückschau auf zwei Jahre Kampf mit dem Investor und Kampf um das Werk ist Klinkicht überzeugt: "Whitesell hatte von Anfang an nichts anderes vor, als diese Firmengruppe zu zerschlagen."

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Neuss: Politik enttäuscht von Whitesell-Ende


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.