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Neuss
"Politik macht auch ohne Schlips Spaß"

Neuss. Im Rat der Stadt Neuss sitzen sieben SPD-Stadtverordnete, die "um die 30" sind. So jung ist keine andere Ratsfraktion. Aber haben die Jungpolitiker auch was zu sagen? "Mehr Lust als Frust", sagen Sarah Bührt und ihre Mitstreiter. Von Ludger Baten

Sarah Bührt ist mit ihren 23 Jahren das jüngste Mitglied im Rat der Stadt Neuss, doch "Welpenschutz" lehnt sie ab: "Ich möchte so behandelt werden wie alle anderen Stadtverordneten auch - nicht besser, nicht schlechter." Diese Erwartungshaltung erfüllte sich. "Ich fühle mich ernstgenommen", sagt die Sozialdemokratin, "meist gehen wir alle im Rat über die Fraktionsgrenzen hinweg respektvoll miteinander um." Mehr noch: "Wir haben doch schon eine ganze Menge erreicht und bewiesen, dass Politik auch ohne Schlips Spaß macht."

Mit "wir" meint Sarah Bührt sich und ihre sechs männlichen Mitstreiter, alle zwischen 23 und 37 Jahren alt. Liebevoll nennt SPD-Frontmann Reiner Breuer seine junge Truppe in Anspielung auf den Western-Klassiker mit Steve McQueen und Horst Buchholz "Die glorreichen Sieben". Ob das politische Wirken dieses Septetts einst als "glorreich" bewertet werden muss, wird sich weisen. Fakt ist jedenfalls, dass sieben Mitglieder der 19-köpfigen SPD-Ratsfraktion deutlich jünger als 40 Jahre sind. Nicht schlecht für eine Partei, deren Mitglieder im Bundesschnitt 59 Jahre alt sind.

Etwas mehr als ein Jahr sitzen sie jetzt im Stadtrat. Der politische Alltag hat sie nicht frustriert. "Wenn dein vierter Antrag in Folge von der Mehrheit abgeschmettert wird", sagt Michael Ziege, "dann fragst du dich schon, ob das inhaltlich begründet oder nur ein politisches Ritual ist." Aber es stellen sich eben auch Erfolge ein. So reklamiert Ziege für sich, dass auf sein Drängen hin ein Wartehäuschen an der Straßenbahn-Haltestelle im Rheinparkcenter aufgestellt wurde: "Wenn ich dann sehe, wie sich die Menschen darüber freuen, dann ist das wieder Motivation, um ein Jahr zu arbeiten." Und Erfolgserlebnisse verbuchen die SPD-Youngster für sich: Dazu zählen sie den beschlossenen Umbau der Preußenstraße sowie die Neugestaltung der Bergheimer Straße. Zwei Projekte, die unter Einbeziehung der Bürgerschaft vorangetrieben wurden. "Es geht. Auch aus der Opposition lässt sich Politik gestalten", sagt Sascha Karbowiak. "Man muss nur in der Sache gut und im Verfahren beharrlich sein."

Mit ihrer "alten Tante SPD" sind die Jungpolitiker zufrieden: "Uns stehen die Türen in die Verantwortung offen." Stolz verweisen die Sieben auf ihre Aufgaben, die sich aus der Ratsarbeit ableiten: Bührt (Kultur), Ziege (Umwelt), Karbowiak (Bau- und Verkehr) und Hakan Temel (Soziales und Integration) sind Fachbereichssprecher ihrer Fraktion, Marc Vanderfuhr ist stellvertretender Vorsitzender im Jugendhilfeausschuss. Zudem sitzen sie auch in Aufsichtsgremien der städtischen Tochterunternehmen: Michael Ziege bei der AWL und Sascha Karbowiak im Aufsichtsrat des Bauvereins.

Doch die fröhlichen SPD-Junioren beschränken sich nicht nur auf die Politik, sie engagieren sich auch in der Gesellschaft. So arbeiten Mirza Kehonjic-Thiede und Heinrich Thiel im Initiativkreis Nordstadt mit, dessen Schriftführer Thiel auch ist. Sascha Karbowiak ist begeisterter Schütze und wurde soeben vom neuen Gildemajor Stefan Schomburg zum Adjutanten berufen. Das neue Amt zwingt Karbowiak in den Reitstall: "Ich gehe montags reiten und finde viel Freude am Sport. Inzwischen fühle ich mich auch sicher auf dem Pferd." Da wächst eine Politikergeneration heran, die in vielen Sätteln eine gute Figur macht.

Quelle: NGZ
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