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Spekulationen nach Unfall
Polizei in Neuss ärgert sich über Gaffer und Gerüchte

Spekulationen nach Unfall: Polizei in Neuss ärgert sich über Gaffer und Gerüchte
In Neuss gab es einen schweren Unfall. Dieses Bild wurde einem offiziellen Pressefotografen aus der Distanz aufgenommen. FOTO: Daniel Bothe
Neuss. Die Polizei in Neuss ist sauer: Passanten schossen nach einem Auto-Unfall Fotos von der Bergung des Verunglückten. Wenig später wurde auf Facebook behauptet, es habe sich um ein illegales Autorennen gehandelt, obwohl es keinerlei Hinweise dafür gibt.  Von Simon Janssen

Kurz nachdem Polizei und Rettungskräfte am Unfallort eingetroffen waren, standen bereits erste Passanten am Straßenrand, um Fotos von der Szenerie zu machen. In der Nacht zu Mittwoch hielten sie fest, wie ein 20 Jahre alter Neusser nach einem Verkehrsunfall auf der Venloer Straße schwer verletzt aus seinem Fahrzeug befreit werden musste.

Kurz hinter der Einmündung zur Gladbacher Straße verlor der Fahrer, der sich alleine in seinem Pkw befand, aus noch unbekannter Ursache die Kontrolle über sein Fahrzeug, kam nach rechts von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum. Im Anschluss wurde er mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht. Für die Dauer der Unfallaufnahme musste die Venloer Straße zwischen Gladbacher Straße und Neusser Weyhe für zwei Stunden gesperrt werden.

Nur wenig später kursierte im sozialen Netzwerk Facebook bereits das Gerücht, ein illegales Autorennen habe zu dem Unfall geführt. Nach Angaben der Polizei sei es nach derzeitigem Ermittlungsstand zwar sowohl am 21. Februar dieses Jahres (Habichtweg) als auch am 11. Juni 2015 (Konrad-Adenauer-Ring) zu illegalen Auto- beziehungsweise Motorradrennen im Neusser Stadtgebiet gekommen. Für den Unfall in der Nacht zu Mittwoch hat die Polizei jedoch keine derartigen Hinweise.

"Wir können es zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, aber es gibt keine entsprechenden Zeugenaussagen", sagte Polizeisprecherin Daniela Dässel. Durch die starke Nutzung von Smartphones und sozialen Medien sieht sich die Polizei immer häufiger mit filmenden Passanten und wilden Spekulationen über Einsatz-Hintergründe konfrontiert. "Wir lassen uns dadurch in unserer Ermittlungstätigkeit nicht beeinflussen. Wir suchen Leute, die Angaben zum Unfallhergang machen können. Spekulationen auf Facebook sind dabei aber nicht förderlich", sagt Daniela Dässel, die zudem darauf aufmerksam macht, dass nach einem beobachteten Unfall der Griff zum Handy nur erfolgen sollte, um den Notruf zu wählen - und nicht, um zu filmen.

Gaffer-Staus auf der Gegenfahrbahn

Für Joachim Elblinger, Leiter der Neusser Feuerwehr, und seine Kollegen sind filmende Passanten bei Einsätzen ebenfalls keine Seltenheit: "Manche zücken sogar schon bei einer einfachen Ausfahrt das Smartphone." Durch die sozialen Medien werde das Material zudem sehr schnell verbreitet. "Dadurch entsteht die Erwartungshaltung, sehr schnell etwas über die Hintergründe eines Einsatzes zu erfahren. Und das geht über zig Kanäle", sagt Elblinger. Es sei jedoch schlichtweg nicht möglich, dass der Einsatzleiter live vom Einsatzort berichtet.

Besonders auffällig seien Gaffer bei Autobahn-Unfällen: "Da spüren wir schon, dass die Autos langsamer vorbeifahren, auch wenn wir uns in dieser Zeit nur auf unseren Einsatz konzentrieren."

Quelle: NGZ
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