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Neuss
Popstar für einen Abend

Neuss: Popstar für einen Abend
Andreas Hugo und Manfred Bendel (r.) in ihrem Element - beim Singen. An jedem ersten Freitag im Monat ist Karaoke-Nacht im "Büttger Fass". FOTO: Anja Tinter
Neuss. Regelmäßige Karaoke-Abende im "Büttger Fass" locken viele Gäste an. Wirtin Wally Brandt weiß: Wenn gesungen wird, ist das "Fass" super besucht. Und dabei geht es nicht unbedingt um Können, sondern einfach darum, Spaß zu haben. Von Vera Straub-Roeben

"Take me home, Country Roads, to the place I belong", schallt es aus dem "Büttger Fass". Ein Evergreen. Kaum jemand, der den Text nicht lauthals mitschmettern kann. Aber es ist Marco, der beherzt zum Mikrofon greift und den Titel vor voll besetzten Tischen zu Gehör bringt. "Seit 2014 veranstalten wir - abgesehen von den Sommermonaten - an jedem ersten Freitag im Monat unsere Karaoke-Nacht", sagt Wirtin Wally Brandt, die selbst auch gerne mal das Mikro in die Hand nimmt. "Ich singe mit meiner tiefen Stimme aber eher Songs der kratzigeren Sängerinnen, etwa von Bonnie Tyler oder - wie an Silvester - auch mal von Männern wie Marius Müller-Westernhagen", erzählt sie, froh darüber, "etwas Schwung in dieses verschlafene Dörfchen zu bringen." Von 18 bis 80 Jahre macht jeder mit, auch die Mitglieder der Kaarster Schützenzüge lassen sich gerne mal zu einem Ständchen hinreißen.

Dreh- und Angelpunkt, Anheizer, Motivator und vielleicht größter Fan des Karaoke-Abends ist aber Manfred Bendel. Gemeinsam mit Andreas Hugo veranstaltet er diese Events unter dem Namen Musikmanagement-NRW. "I did it my way", singt er mit kräftiger Stimme und sorgt so für jede Menge Gänsehaut-Momente. Den ausgebildeten Sänger mit dem weißen, dichten Bart kennen die meisten eher als Nikolaus - "meine wahre Passion" - oder auch als amtierenden Hoppeditz. Sein Repertoire umfasst klassische Stücke, aber auch Liedgut aus Pop und Schlager. "Beim Karaoke geht es aber nicht darum, besonders toll singen zu können", betont er. "Es geht darum, sich einfach mal zu trauen und Spaß zu haben. So komisch es klingt, aber viele treten durch die Tür und sind für einen Abend Roland Kaiser oder Andrea Berg. Das ist etwas ganz, ganz Tolles." Meistens treten er oder sein Kollege Andreas Hugo zuerst ans Mikrofon, um die Stimmung zu lockern. Das Mitmachen funktioniere dann von ganz allein, schließlich handelt es sich bei den Karaoke-Fans um eine eingeschworene Gemeinschaft, die quer durch Nordrhein-Westfalen tourt, um möglichst häufig ihrem Hobby zu frönen. So wie Imayo Maria Emilia Rost, die von allen Emi genannt wird. "Ich bin seit gefühlten 200 Jahren dabei", scherzt die 34-Jährige, sagt dann: "Seit mindestens zwölf Jahren bin ich mit dem Karaoke-Virus infiziert." Sie schätzt vor allem den Zusammenhalt in der Gruppe und dass im Lauf der Zeit viele enge Freundschaften entstanden sind. "Wir haben einfach Spaß, und niemand muss Angst davor haben, sich zu blamieren", betont sie. Im Gespräch beginnt sie, von einem Bein aufs andere zu treten. Lampenfieber? "Ja, ich bin noch immer sehr aufgeregt, bevor ich singe", gesteht sie. "Das ist besonders heftig, wenn ich ein neues Lied singe oder neues Publikum dabei ist."

Am liebsten interpretiert die Kauffrau für Büromanagement die gefühlvollen Songs aus Disney-Filmen oder Stücke von Adele, etwa "When we were young". An diesem Abend aber steht zunächst ein Duett auf der Playlist: Gemeinsam mit Bendel verzaubert sie das Publikum mit ihrer Version von "Totale Finsternis" aus dem Musical "Tanz der Vampire" - die beiden bekommen großen Applaus. "Ich komme sehr gerne nach Büttgen ins Fass, wenn Karaoke ist", sagt die Ratingerin. "Ich verpasse ganz selten einmal eine Veranstaltung."

Quelle: NGZ
 
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