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Neuss
Projekt für mehr Leben im Sandhofsee

Neuss: Projekt für mehr Leben im Sandhofsee
Die Mitglieder des Vereins Pulchra Amphora helfen bei der Untersuchung des Sandhofsees. FOTO: Torsten Milinski
Neuss. Das Revier des Tauchvereins Pulchra Amphora ist Teil einer Pilotstudie zur ökologischen Optimierung von Gewässern. Von Jascha Huschauer

Draußen sind die Neoprenanzüge schon zum Trocknen aufgehängt. Drinnen stärken sich die Taucher mit Kartoffelsalat und Würstchen. Einige verzichten auf die kurze Pause und studieren unterm Mikroskope winzige Larven und Unterwassertiere. Immer wieder schlagen sie in einem der etlichen Bestimmungsbücher nach, um welche es sich handeln könnte. Auf der Terrasse kniet Peter van Treeck vor einer durchsichtigen Plastikwanne und beobachtet einen etwa faustgroßen Krebs.

Van Treeck arbeitet am Institut für Ökologie an der Universität Duisburg-Essen und ist beim Tauchsportverband NRW Leiter der Fachabteilung Umwelt und Wissenschaft. An diesem Tag ist er nach Neuss an den Sandhofsee gekommen, wo er an einem zukunftsweisenden Projekt mitarbeitet.

Die entnommenen Proben werden per Mikroskop untersucht. FOTO: Torsten Milinski

"Wir wollen wieder mehr Pflanzen- und Tierarten in unserem See", erklärt Ulrich Ziegler. Er ist Vorsitzender des Vereins Pulchra Amphora, der dort sein Tauchrevier hat. Unter der Leitung von Peter van Treeck führt der Neusser Verein eine Pilotstudie zur ökologischen Optimierung von Tauchgewässern durch. Das Projekt ist Gewinner eines Förderwettbewerbs des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mit dem Titel "Sport bewegt - Biologische Vielfalt erleben".

Der Hintergrund des Projekts: Der Sandhofsee als einstige Kiesgrube ist künstlich entstanden. Natürlich entstandene Seen gleichen einem flachen Suppenteller, fallen zur Mitte hin langsam ab. Kiesseen hingegen sind wie eine tiefe Müslischale. An den steil abfallenden Rändern kann sich wenig bis kein Substrat als Grundlage für Pflanzen ansammeln und damit keine artenreiche Lebensgemeinschaft bilden.

Für die Pilotstudie wird an einer Stelle des Norfer Sees Erde aufgeschüttet, so dass eine flach abfallende Uferböschung entsteht. Dadurch erhofft man sich eine vielfältigere Besiedlung durch Pflanzen und Tiere.

Im Herbst des vergangenen Jahres wurde der See bereits untersucht. Dazu wurden unter anderem Bodenproben genommen, Sauerstoffgehalt, ph-Wert (Maßstab für den Säure-Basen-Haushalt des Gewässers) und der Bestand an Pflanzen und Lebewesen untersucht. Inzwischen sind 600 Tonnen Aushub in den See eingebracht. Die steilste Uferzone des Sees ist nun stark abgeflacht. Im Sommer sollen hier noch heimische Wasserpflanzen wie Schilf, Lilien oder Rohrkolben eingesetzt werden.

Mit erneuten Untersuchungen prüfen Peter van Treeck und die Taucher von Pulchra Amphora, was sich seit Herbst entwickelt hat. Erste Ergebnisse analysiert Torsten Milinski, Süßwasserbiologe an der Ruhr-Universität Bochum: "Unsere Untersuchungen zeigen, dass im See der Frühling beginnt." Die Algen im See fingen an zu blühen, sagt er. Taucher hätten "fantastische Kugeln der Volvox-Arten" betrachten können.

Doch die Ergebnisse zeigten auch eine andere Entwicklung, die gestoppt werden solle: bis zu zehn Zentimeter schwarze Ablagerungen am Boden von organischen Abfällen. In natürlichen Seen komme das dank der intakten Ufervegetation nicht vor.

"Eine abschließende Beurteilung und ein Effekt unseres Projekt ist eigentlich erst in drei oder vier Jahren möglich", erklärt Peter van Treeck. Sind die Ergebnisse dann, wie erhofft, positiv, könnte der Sandhofsee deutschlandweit zum Vorbild für die Renaturierung von Kiesgruben werden.

Quelle: NGZ
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