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Neuss
Pure Emotionen beim Spiel der Streicher mit Fagott

Neuss. Die Deutsche Kammerakademie und der Fagottist Afonso Venturieri huldigen dem Brasilianer Heitor Villa-Lobos.

Erneut ausverkauft war das Zeughaus beim zweiten Abonnementskonzert der Deutschen Kammerakademie (DKN), die mit "Mehr als Klassik!" offensichtlich in eine glänzende Saison gestartet ist. Immer wieder finden auch ehemalige Mitglieder in das professionelle Stipendiatenorchester zurück, so war das Konzert jetzt überwiegend mit ehemaligen und aktuellen Musikern besetzt.

Seit einem Monat gehört als jüngste Stipendiatin die Polin Magdalena Wieckowska (23) zum Orchester, die als Violinistin bereits mit Mitgliedern der Wiener und Berliner Philharmoniker gespielt hat. Und bei den "Salzburg Chamber Soloists", deren Leiter ebenfalls DKN-Chefdirigent Lavard Skou Larsen ist. Salzburg und seine Musikhochschule Mozarteum, wo der DKN-Chef Violine unterrichtet, befruchten häufig die Neusser Konzerte.

So auch diesmal. Zwei Sinfonien von Michael Haydn standen auf dem Programm, die beide auch von der DKN auf CD eingespielt werden. Der zwei Jahre jüngere Bruder des berühmteren Joseph kam 1763 nach Salzburg, wo er bis zu seinem Tod 1806 Hofmusiker, Organist und Domkapellmeister war. Die "Sinfonie Nr. 20 C-Dur" besticht durch ihre klare Form, weitaus festlicher und zusätzlich mit Bach-Trompeten und Pauke besetzt ist seine "Sinfonie Nr. 13 D-Dur". Das Finale durchzieht eine herrische und prächtig gespielte Hörner-Trompeten-Fanfare. Die DKN musizierte wunderbar, das frische und genaue Spiel gipfelte im Dialog zweier Soloviolinen im zweiten Satz.

Bei den "Salzburg Chamber Soloists" spielt gelegentlich auch Alfonso Venturieri, im Hauptberuf Solo-Fagottist beim international renommierten "Orchestre de la Suisse Romande" und Professor an der Musikhochschule in Genf. In Neuss brillierte er beim einzigen Fagottkonzert, das Wolfgang Amadeus Mozart 1774 (natürlich in Salzburg) schrieb. In den schnellen Ecksätzen wird der Solist hochvirtuos gefordert. Das erledigte Alfonso Venturieri bravourös mit in hohen wie tiefen Lagen gleichbleibend warmen Ton.

Bei der eleganten und genauen Begleitung durch die DKN wurde dieses Meisterwerk in der Interpretation im Zeughaus zu einem der schönsten Solokonzerte Mozarts. Der Solist ist übrigens wie DKN-Chef Lavard Skou Larsen in Brasilien geboren. Wenn beide dem Vater der brasilianischen Nationalmusik die Ehre geben, dann entsteht mehr als Klassik. Das vielgespielte Konzertstück "Ciranda das sete notas" für Fagott und Streicher von Heitor Villa-Lobos, 1933 in Rio de Janeiro uraufgeführt, verwöhnt mit tänzerischen brasilianischen Rhythmen, fordert ganz nebenbei den Solisten wiederum ungemein virtuos und betont in kecken Sprüngen das Schalkhafte, das nur dem Fagott zu eigen ist. Die apart begleitenden DKN-Streicher sorgten für Emotionen pur!

(Nima)
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