| 15.32 Uhr

Quirinus-Gymnasium in Neuss
Eltern kritisieren Schulleitung für Kollektivstrafe

Quirinus-Gymnasium Neuss: Schüler kritisieren Strafe nach Abi-Streich
Das Quirinus-Gymnasium in Neuss. FOTO: Woi
Neuss. Mit einem missglückten Abischerz sorgte der Abschlussjahrgang des Quirinus-Gymnasiums zuletzt für Schlagzeilen. Doch die daraus resultierende Strafe, aus der Abifeier am Freitag eine Zeugnisausgabe zu machen, sorgt für Unmut. Der Presse wurde die Teilnahme untersagt. Von Simon Janßen

Sonderlich euphorisch war die Stimmung bei den meisten Eltern und Schülern, die am Freitag zur "Abiturfeier" des Quirinus-Gymnasiums erschienen sind, nicht. Das Wort Abiturfeier wurde in diesem Fall in Anführungsstriche gesetzt, weil es eigentlich keine war. Schließlich hatte die Bezirksregierung bereits vor Wochen mitgeteilt, dass in diesem Jahr auf das übliche Rahmenprogramm verzichtet und lediglich eine Zeugnisausgabe stattfinden wird.

Die Maßnahme ist eine Reaktion auf den Streich einiger Q2-Schüler, der bundesweit Aufsehen erregte. Sie hatten im Foyer des Gymnasiums eine zwei Meter große Abbildung eines männlichen Geschlechtsteils an die Wand geklebt. Die ebenfalls aufgeklebten Spermien bedeckten die Fotos einiger Lehrer. Zudem wurde ein 20 Zentimeter großes männliches Geschlechtsteil unter einer Glasvitrine vor dem Verwaltungsgang platziert.

FOTO: Simon Janßen

Pressevertreter waren nicht zugelassen - Schule verteidigt Maßnahme

Drei Lehrkräfte legten daraufhin ihre Bereitschaft zur freiwilligen Mitwirkung in der Vorbereitungsgruppe für den Abiturgottesdienst im Quirinus-Münster nieder. Der Gottesdienst fand am Freitag jedoch statt. Der Presse wurde die Teilnahme an der "Abiturfeier" jedoch verweigert. Zwei Schilder mit der Aufschrift "Die heutige Vergabe der Abiturzeugnisse ist eine nicht öffentliche Veranstaltung. Pressevertreter sind deshalb nicht zugelassen" wiesen deutlich darauf hin.

"Das haben wir in Absprache mit der Bezirksregierung so entschieden, um zu verhindert, dass das Thema noch einmal hochkocht", sagte Schulleiter Ulrich Dauben auf Nachfrage. Da die Verursacher bis heute nicht ermittelt werden konnte, hätten die Verantwortlichen keine andere Wahl gehabt, als das Programm abzuspecken. "Leider mussten wir so vorgehen", sagt Dauben.

Eltern halten Strafe für unangemessen

Trotz des ausgesprochenen Presseverbots schilderten einige Schüler und Eltern, die namentlich nicht genannt werden möchten, am Freitag ihre Meinungen zu der Strafe. "Ich finde es einfach schade, dass für etwas, das ein paar Schüler verursacht haben, die ganze Stufe bestraft wird", sagte eine Mutter. Ein Schüler ging auch auf die ebenfalls abgesagte Verleihung der Theodor-Schwann-Plakette ein, die die Vereinigung der Heimatfreunde traditionell vornimmt. "Auch in diesem Jahr gab es Schüler, die tolle Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern abgeliefert haben. Für sie ist es besonders schade."

Eine Mutter bezog sich direkt auf den vorangegangenen Gottesdienst: "Wir haben gerade gehört, dass es christlich ist, zu verzeihen. Die Schüler haben sich entschuldigt, darum halte ich die Strafe für unangemessen. Irgendwann ist es auch mal gut."

 

 
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