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Reise in die Römerzeit
Rätsel um einen römischen Münzschatz

Reise in die Römerzeit: Rätsel um einen römischen Münzschatz
Archäologe Carl Pause vor dem Münzschatz, wie ihn noch Josef Zillikens geordnet und eingefasst hat. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Für Numismatiker birgt der Münzschatz, den Josef Zillikens in den 1980er Jahren auf einem Acker gefunden hat, noch eine Fülle von Informationen. Denn die Sammlung mit mehr als 1000 Münzen ist bisher kaum erforscht worden. Von Helga Bittner

Sein Arbeitszimmer sah aus wie eine Werkstatt der Denkmalpflege: Regalschränke mit Hunderten von Tonscherben, auch komplette Gefäße fanden sich darunter, an den Wänden verteilt flache, holzgerahmte Glaskästen mit einer unübersichtlichen Zahl von Münzen. Der Norfer Landwirt Josef Zillikens war schon in jungen Jahren ein begeisterter Sammler, der durch einen Zufall dann auch seine archäologische Leidenschaft entdeckte - als er eine Tonscherbe auf einem Acker fand. Zahlreiche römische Fundstellen hat der 1986 gestorbene Hobby-Archäologe entdeckt, erfasst und weitergemeldet, war ehrenamtlicher Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseums Bonn.

So zielstrebig der Heimatforscher auch vorging - seinen größten Fund machte er durch einen Zufall. Auf einem Feld in der Nähe der ebenfalls von ihm entdeckten römischen Villa in Weckhoven ließ er im Winter abends seinen Spaten stecken und fand diesen am nächsten Morgen festgefroren in der Erde vor. Kleine grüne Röllchen kamen ihm beim Herausziehen des Spatens entgegen - die sich als zusammengepappte Münzen erwiesen. 1021 förderte er zutage, erste Untersuchungen ergaben, dass sie aus dem vierten Jahrhundert unter dem römischen Kaiser Konstantin stammten.

Unter Glas bewahrte Zillikens sie auf. Und genau so, wie er sie geordnet hat, sind sie nun auch in der Ausstellung "Der Limes in Novaesium - vom Leben an der römischen Grenze" im Clemens-Sels-Museum zu sehen.

Wirklich wissenschaftlich ist die Präsentation nicht, gibt auch der Archäologe des Hauses, Carl Pause, schmunzelnd zu. Die 15 Glaskästen hatte die Sparkasse Neuss seinerzeit angekauft, damit der Münzschatz in Neuss bleibt, erzählt er. Übernommen wurde er so, wie Zillikens ihn geordnet hatte. Inzwischen knubbeln sich an manchen Stellen die Münzen, da sie - eigentlich nur von dem Glasedeckel an ihrem Platz gehalten - mit der Zeit verrutscht sind. Und auf den zweiten Blick ist auch zu erkennen, dass längst nicht alle Münzen aus derselben Zeit stammen. Carl Pause weiß es genauer: "Die älteste ist eine unter Kaiser Gallienus zwischen 253 und 268 nach Christus geprägte Münze, die jüngste eine unter Kaiser Konstantin zwischen 330 und 335 geprägte Münze."

Der Münzschatz harrt trotz einer akribischen Auflistung durch Josef Zillikens noch der exakten Forschung, aber gehört für Pause auf jeden Fall in diese Ausstellung über das Leben unter den Römern. Denn solche Funde reizen Wissenschaftler, bergen sie doch so viele Möglichkeiten. So weiß man bisher nicht, ob die Münzen eine Opfergabe waren oder versteckt wurden. Pause vermutet zwar letzteres, aber das werfe die Frage nach dem Warum auf: "Es gab damals keine kriegerische Auseinandersetzung", sagt er. Allerdings könne auch die Angst vor marodierenden Banden die Besitzer zum Vergraben ihres Schatzes bewogen haben.

Numismatiker müssten sich des Schatzes annehmen, sagt Pause, sie würden auch Aufschlussreiches zur Wirtschaftsgeschichte der Region herausfiltern können. "Sind die Münzen abgegriffen, lässt das auf einen starken Umlauf schließen. Oder sieht man den Prägestempel, sind sie gewissermaßen druckfrisch in die Erde gekommen?" Wem gehörten die Münzen? sei eine weitere ungeklärte Frage. Die Villa rustica liege 150 Meter entfernt und sei vermutlich vom ersten bis Mitte des dritten Jahrhunderts bewohnt gewesen, erzählt er. Wer also mag den Münzschatz vergraben haben?

"Heute", sagt Carl Pause voller Überzeugung, "könnte man das Doppelte an Informationen aus dem Münzschatz herausholen." Denn sein Wert lege zweifellos weniger im monetären als vielmehr im wissenschaftlichen Bereich.

Quelle: NGZ
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