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Gastbeitrag
Rauchen kann man auch vor Zorn

Neuss. Der dienstälteste Oberbürgermeister Deutschlands, Ivo Gönner, verabschiedet für die NGZ den dienstältesten Bürgermeister in NRW, Herbert Napp, in den Ruhestand. . .

Sehr geehrter Herr Kollege, lieber Herbert Napp,

nach fast 18 Jahren endet heute Ihre Amtszeit als Neusser Bürgermeister. Für die NGZ war dies der Anlass, mich zu bitten, einige Gedanken zu Papier zu bringen, wie es denn so ist als "dienstältestes Oberhaupt einer deutschen Großstadt", ein "Titel", mit dem wir beide in den letzten Jahren häufiger bedacht wurden. Mal waren Sie es - vor allem in den nordrhein-westfälischen Medien-, mal war ich es, dem man das Attribut "Dienstältester" zuschrieb.

Weil wir uns durch unsere Begegnungen beim Deutschen Städtetag ja auch persönlich kennen, weiß ich, dass auch Ihnen das wenig bedeutet hat, denn es ist egal, wie lange ein Oberbürgermeister oder Bürgermeister im Amt ist. Wichtig ist: Was erreicht er (oder sie) für seine respektive ihre Stadt? "Suchet der Stadt Bestes" heißt es im Alten Testament beim Propheten Jeremia - ein Text, der 2.500 Jahre alt ist, und doch eine hervorragende "Aufgabenbeschreibung" für Kommunalpolitiker bis heute darstellt.

Kommunalpolitik, das ist Ihr "Ding" gewesen. Ich kann das verstehen, denn auch ich muss nach fast 24 Jahren Amtszeit sagen: Wir haben den schönsten Beruf, den dieses Land zu vergeben hat. Die Gemeindeordnungen von Nordrhein-Westfalen und von Baden-Württemberg statten die Bürgermeister mit gleich drei Funktionen aus: Leitung der Verwaltung, Repräsentanz der Stadt und Vorsitz im Stadtparlament. Im Süden Deutschlands waren diese Funktionen schon lange in einer Person vereint, bei Ihnen bedurfte es bis zur Reform der Kommunalordnung Ende der 90er Jahre noch einer "Doppelspitze" aus Oberstadtdirektor und Bürgermeister. Sie waren der erste Neusser Bürgermeister, der direkt von der Bürgerschaft gewählt wurde und damit sein Mandat unmittelbar von den Bürgern bekam.

Wie gesagt: ein wunderbares Amt, doch kein leichtes. Jubilierend sind wir in den zurückliegenden 18 respektive 24 Jahren nicht täglich aufs Rathaus marschiert. Und rauchen kann man auch vor Zorn, nicht bloß des Tabaks wegen (ein Laster, dem wir beide huldigen).

Noch eines verbindet uns: Wir beide haben Jura studiert, Sie in Köln und Bonn, ich in Heidelberg, also beide "heimatnah". Ich denke, dass in dieser Heimatverbundenheit bei aller Unterschiedlichkeit auch der Kern unserer Identifikation mit unseren Städten liegt: Sie als Neusser, ich als Ulmer mit Leib und Seele.

Mit herzlichen Grüßen aus Schwaben an den Niederrhein! Ad multos annos!

Ihr

Ivo Gönner

Quelle: NGZ
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