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Neuss
Realschule Holzheim: Das letzte Projekt von Hausmeister Kautz

Neuss. Nach 16 Dienstjahren und vier im steten Kampf gegen Abnutzung und Beschädigung verschlissenen Akku-Schraubern stand gestern der letzte Einsatz für "Huusmeister" Hans-Christian Kautz und "singe Werkzeuchkess" an. Die neun Bänke auf dem Schulhof der Realschule Holzheim waren grundlegend instandzusetzen, aber zum Glück stand der 63-jährige vor dieser Aufgabe nicht alleine. Im Gegenteil.

Am frühen Morgen war Carsten Bongs, der Werklehrer Holztechnik am Berufskolleg für Technik und Informatik (BTI), gemeinsam mit seinem Kollegen Burkhard Glasmacher, dem Lehrer für Gestaltung an dem Berufskolleg, vom Hammfelddamm zur Realschule gekommen, begleitet von einer Reihe Schüler. Sie hatten dabei, was für das Vorhaben benötigt wird, und fanden mit den Kindern aus dem Technikkurs der Jahrgangsstufe neun fleißige und sachkundige Verstärkung. Die durften an diesem Tag um das Klassenzimmer einen Bogen machen und in der Unterrichtszeit mitarbeiten. "Praktischer Unterricht ist Teil des Schulkonzeptes", erklärt Uschi Hackbeil vom Lehrerkollegium.

Die zu reparierenden Bänke waren vor Jahren ebenfalls von Schülern der Realschule hergestellt worden - einschließlich der gegossenen Betonteile. Nun waren die Sitzmöbel erkennbar in die Jahre gekommen. Ein Lehrer des BTI, der sich als Vater einer Realschülerin auch im dortigen Förderverein engagiert, stellte kurzerhand einen Kontakt zwischen der Realschule und der "Holzklasse" am BTI her.

Die begann schon vor den Sommerferien mit den Vorbereitungen. Bongs nahm in Holzheim Maß und orderte das Bauholz, das aber nicht geliefert wurde, wie es bestellt worden war. "Wir standen vor fünf Meter langen Bohlen, die wir auch zu sechst nicht heben konnten", erzählt der BTI-Lehrer. Also musste jede einzelne Sitzplanke aus den Bohlen herausgesägt, geschliffen und mit einem Ölfirnis wetterfest gemacht werden. Die Montage gestern war danach Routine - wenn auch nicht für Hausmeister Kautz.

Kautz geht nach 36 Jahren bei der Stadt in die Rente. Er darf in der Hausmeisterwohnung der Realschule bleiben, will aber nicht mehr für kleine Handreichungen ansprechbar sein. "Das müssen die noch lernen", sagt er mit Blick auf Lehrer und Schüler. Er persönlich hat genug gelernt. Am Schwarzen Brett hat er sich mit dem Satz verabschiedet: "Nach 36 Jahren habe ich meinen Abschluss gemacht."

(-nau)
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