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Neuss
Regen macht die Pilzernte noch bis November möglich

Neuss: Regen macht die Pilzernte noch bis November möglich
Ziemlich groß, der Schwefelporling. Doris Wissemann rät "Einsteigern", besser nach kleineren Pilzen zu suchen, da die mehr Aroma haben. FOTO: L. Berns
Neuss. Biologin Doris Wissemann empfiehlt Hobbysammlern ein Bestimmungsbuch dabei zu haben. Von Franziska Gräfe

Man nehme: Einen Jute-Beutel, ein Pilzmesser und "ein gutes, bebildertes Pilzbestimmungsbuch": So ausgerüstet, radelt Doris Wissemann an einem sonnigen Samstag im Oktober in die Zonser Heide. Dort müsste der Jahresuhr nach eine ordentliche Pilzernte einzufahren sein. "Über 40 verschiedene Sorten habe ich hier schon gefunden", erzählt Wissemann, während sie abseits der Spazierwege durch den Eichenwald am jüdischen Friedhof streift.

Dort dürfen Pilzsammler sich ins Unterholz schlagen. "Aber nur in dem Teilstück der Heide zwischen Sportplatz und Heidespielplatz", betont Diplom-Biologin Wissemann. Der westliche, Hannepützheide geheißene Teil zwischen Martinssee und Wahler Berg, ist Naturschutzgebiet. Dort ist das Pilze sammeln verboten. "Das trifft auch auf den gesamten Knechtstedener Wald mit Chor- und Mühlenbusch zu", sagt Wissemann, die auch dem Vorstand der Biologischen Station im Rhein-Kreis Neuss angehört. Lediglich noch im Tannenbusch sei die Pilzsuche erlaubt. Ein Eldorado für Pilzfreunde ist Dormagen, in einem der waldärmsten aller deutschen Landkreise gelegen, folglich nicht. "Wir haben hier meist kleinere, isolierte Waldflächen, da entwickelt sich nicht viel", erläutert die Expertin. In der Zonser Heide gedeihen auf sandigem Boden Hallimasche, der Parasol-Pilz, der Rotfuß-Röhrling - "mit rötlichem Stiel und rissig aufgefeldert", der Safranschirmling, Täublinge oder auch Maronen. Allerdings auch so manches, was ganz und gar unbekömmlich ist. Rund um den Spielplatz wachsen Fliegenpilze. Nun weiß fast jedes Kind, dass die giftig sind. Schwieriger wird es da schon, "böse Zwillinge", also die giftigen Doppelgänger der Speisepilze, zu enttarnen. Etwa den Karbol-Champignon, am besten zu erkennen am stechenden Geruch: "Bei der Zubereitung riecht er wie Krankenhaus." Pilzexpertin Wissemann rät deshalb zur Vorsicht: "Ohne ein gutes Pilzbestimmungsbuch, welches den Pilz in mehreren Wachstumsstadien und für die Bestimmung wichtige Details wie Lamellen oder Stiel zeigt, sollte man nicht in den Wald gehen. Am Besten nur das ernten, was man zweifelsfrei erkennt."

Da sich die Merkmale der Sorte unter anderem am Stiel zeigen, dürfe, ja müsse man den Pilz zwecks Bestimmung aus der Erde herausdrehen. Dabei könne allerdings das fadenähnliche Mycel verletzt, der Pilz quasi entwurzelt werden. Nachhaltig erntet, wer den Pilz abschneidet und das Mycel in der Erde belässt: Der Pilz selber ist ein Fruchtkörper wie der Apfel am Baum. Pilz-Profi Wissemann empfiehlt zudem, nicht die "großen, weichen und schon aufgefächerten Pilze", zu ernten, denn diese können ihre Sporen abgeben und sich vermehren. Ihr Tipp: "Lieber nach kleineren suchen, die haben auch mehr Aroma." Apropos: In Sachen Zubereitung mag es Doris Wissemann puristisch: Bei ihr kommt lediglich ein Klecks Butter mit in die Pilzpfanne, damit der typische Geschmack sich entfalten kann. Mit Balsamico abgelöscht, machen sich Pilze gut als Beigabe zum Salat. Sie gelten als "Fleisch des Waldes". Warum, erklärt die Expertin so: "Pilze sind eiweißreich und haben früher den ärmeren Familien das Fleisch ersetzt."

Heute allerdings bleiben Jute-Tasche und Pfanne leer, doch das hatte Doris Wissemann schon geahnt: Der trockene und sonnige Spätsommer hat die Pilzernte bis jetzt vereitelt. Doch Wissemann macht Hoffnung: "Die Temperaturen sind optimal, wenn jetzt ergiebiger Regen kommt, dann wachsen die Pilze noch bis in den November hinein."

Quelle: NGZ
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