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Neuss
Region wirbt mit der Marke Niederrhein

Neuss: Region wirbt mit der Marke Niederrhein
FOTO: Kirschstein Frank
Neuss. Bei der Expo Real, Fachmesse für Investitionen und Immobilien, treten Stadt und Kreis Neuss erstmals gemeinsam auf. Von Frank Kirschstein

Es ist der Tag der eng getakteten Termine, aber auch des demonstrativen Trommelns für den eigenen Wirtschaftsstandort: Wenn in der neuen Messe München die Expo Real, die Fachmesse für Investitionen und Immobilien, beginnt, geht das am Gemeinschaftsstand des Mittleren Niederrheins nicht ohne "Elefantenrunde". Auffällig in diesem Jahr: Stärker als je zuvor betonen Oberbürgermeister und Landräte die Wohnungsbauprojekte in ihren Kommunen.

Die Gründe liegen auf der Hand - Landrat Hans-Jürgen Petrauschke untermauert sie in München auch noch einmal mit harten Zahlen: "Es fehlen Wohnungen in großem Umfang - und bezahlbare ganz besonders." Bis zum Jahr 2030 werden nach einer jüngst im Auftrag des Rhein-Kreises erstellten Studie allein im Kreisgebiet 20.152 Wohnungen fehlen, davon 4800 Sozialwohnungen. Aktuell seien nur Flächen für knapp 15.000 Wohnungen zu "mobilisieren", so Petrauschke. Zumindest für Teilbereiche des Kreises hält er an seiner Idee fest, eine neue Wohnungsbaugesellschaft zu gründen, die eine passende Bautätigkeit sicherstellen und Wohnungen im unteren und mittleren Preissegment anbieten könnte. Auch ein interkommunaler Austausch, Konzeptvergaben und andere Investitionsanreize könnten dafür sorgen, dass mehr Wohnungen gebaut werden. "Den Königsweg gibt es nicht. Wir müssen mehrere Wege gleichzeitig beschreiten", so der Landrat. Nicht überall im Kreisgebiet seien so starke Akteure am Markt wie der Neusser Bauverein, der in München vor allem das 180-Millionen-Euro-Projekt "Augustinuspark", den Bau von 500 neuen Wohnungen und Häusern auf dem Areal des früheren St.-Alexius-Krankenhauses, präsentiert.

Natürlich haben die acht Kommunen aus dem Kreis aber auch Gewerbegrundstücke im Gepäck für München: Dormagen zum Beispiel das neue Gewerbequartier an der A 57, Grevenbroich und Rommerskirchen das interkommunale Gewerbegebiet am Kraftwerk Neurath oder Kaarst den Altstandort Ikea und die Grundstücke im Anschluss an den Ikea-Neubau. Rommerskirchen, Grevenbroich und Jüchen wollen zudem das neue Bündnis des "Rheinischen Sixpacks" mit Bedburg, Bergheim, Elsdorf nutzen, um neue Unternehmen für den Standort zu interessen. Für Bürgermeister Martin Mertens ist das ein Instrument mehr, um die Region auf den mit dem Aus für die Braunkohleverstromung drohenden Strukturwandel vorzubereiten.

Ein Problem bleibt die Frage nach neuen Gewerbegrundstücken. Mit dem neuen Regionalplan, dessen Verabschiedung zum Jahresende erwartet wird, werden sich zwar neue Möglichkeiten ergeben, ob die ausreichen, ist aber fraglich. In München wird schon weitergedacht: "Die Entwicklung der Stadt ist mit dem neuen Regionalplan ja nicht abgeschlossen", sagt Andreas Galland, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung in Neuss.

Neue Unternehmen für den Rhein-Kreis gewinnen will Petrauschke unterdessen auch durch gezieltes Werben um Firmen aus Großbritannien, die nach dem Brexit eine neue Heimat suchen. Besonders für Unternehmen aus Japan und China könne der Rhein-Kreis mit seiner starken japanischen und chinesischen Kolonie ein attraktiver Standort sein.

Dafür allerdings müssen die Kommunen auch etwas tun - und das erschöpfe sich nicht in der Bereitstellung von Grundstücken, sagt IHK-Präsident Elmar te Neues bei der Eröffnungsrunde am Niederrhein-Stand in München: "Die Kommunen müssen ausgeglichene, sanierte Haushalte vorlegen. Nur dann können sich die Unternehmen darauf verlassen, dass die Gewerbesteuern nicht ständig steigen." Außerdem gelte es, schnelles Internet auch in ländlichen Regionen auszubauen, das Autobahnnetz inklusive der maroden Brücken zu ertüchtigen sowie mit dem "Eisernen Rhein" eine weitere leistungsfähige Bahnverbindung zwischen dem Rhein und den Seehäfen in Belgien und den Niederlanden zu schaffen.

An Gemeinschaftsaufgaben mangelt es also nicht. Wie viele davon in Zukunft vielleicht in der neu gegründeten Metropolregion Rheinland gelöst werden können, ist noch offen. Auf der Expo Real spielt die Metropolregion noch keine Rolle: Abgesehen von einem dünnen Schriftzug unter den Namen der lokalen oder regionalen Messeauftritte bleibt sie unsichtbar.

Quelle: NGZ
 
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