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Neuss
Reihe "Neusser Natur" geht mit Napoleon ins Finale

Neuss. Die Tour-Teilnehmer begaben sich mit zwei Experten auf Spurensuche entlang des historischen Nordkanals.

Versteckte Orte erkunden und weitgehend unbekannte Geschichten hören - das ist es, was die Tour-Teilnehmer in der Reihe "Neusser Natur" vom Stadtmarketing und der NGZ reizte. Jetzt fand die Reihe mit einer Radtour ihren Abschluss, bei der sich rund 20 Neusser auf die Spuren Napoleons begaben. Der französische Kaiser, der zu seiner Zeit ganz Europa durcheinanderbrachte, hat in Neuss vor allem entlang des Nordkanals viele Spuren hinterlassen. Der Archäologe Dieter Hupka und der Vize-Vorsitzende der "Freunde und Förderer des historischen Nordkanals", Klaus Karl Kaster, führten die Teilnehmer jetzt zu eben diesen Spuren - und starteten an dem Bauwerk, das wie kein anderes für die Zeit steht, in der Napoleon in Europa herrschte: an der Wasserkreuzung Epanchoir im Dreikönigenviertel.

Bis vor wenigen Jahren schlummerte das historische Bauwerk vor sich hin und wurde durch mehrere Straßenbauarbeiten an der Nordkanalallee in Mitleidenschaft gezogen. Jetzt ist die teure Restaurierung des Bauwerks weitgehend abgeschlossen, das Klaus Karl Kaster als "genial" bezeichnet. In Sachen Nordkanal spricht er allgemein von einem "historischen Erbe der Franzosen", das von erheblicher Bedeutung für die Stadtgeschichte sei. Der Hintergrund: Um sich wirtschaftlich unabhängig zu machen und insbesondere durch Holland erhobene Steuern und Zölle zu umgehen, gab Napoleon den Bau einer 160 Kilometer langen Wasserstraße von Antwerpen nach Neuss in Auftrag, die in den Rhein münden sollte.

Von dieser Wasserstraße, die nie fertiggestellt wurde, sind heute auf Neusser Stadtgebiet sechs Kilometer erhalten - das Epanchoir sollte als Wasserkreuzung mit Staumauer eines der wichtigsten Elemente des Kanals darstellen. Dieter Hupka und Klaus Karl Kaster erklärten authentisch und mit Hilfe von historischen und nachträglich angefertigten Plänen, wie der Nordkanal genau verlaufen sollte. Interessant: Im Jahre 1811 stoppten die Bauarbeiten, nur drei Jahre später wäre das gigantische Projekt fertig geworden. "Wäre der Nordkanal tatsächlich fertiggestellt worden, wäre Neuss heute ein Schifffahrtsstandort, der vergleichbar wäre mit Duisburg", betonte Kaster bei der Führung.

Mit dabei: die Neusserin Silke Scherf. Sie interessiert sich für die Geschichte ihrer Heimat und hat schon an mehreren Touren dieser und anderer Reihen teilgenommen. "Ich konnte einiges dazulernen. Außerdem finde ich es prima, dass das Fotografieren erwünscht ist", erzählte sie am Rande der Tour. Ihren Fotoapparat hatte sie stets griffbereit, sie wird wohl auch an dem mit der Tour verbundenen Fotowettbewerb teilnehmen. Die schönsten Bilder sollen noch dieses Jahr im Rathausfoyer gezeigt werden. Einsendeschluss bei Neuss-Marketing ist der 31. Oktober.

(cka)
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