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Neuss
"Requiem" im Gedenken an umgekommene Flüchtlinge

Neuss. Kaarst (Nima) Das zweite Konzert der diesjährigen Kaarster Musikwochen wurde zu einem beeindruckenden Memento an auf der Flucht nach Europa umgekommene Menschen. Die Kantorei Kaarst brachte das "Requiem d-Moll" von Wolfgang Amadeus Mozart zur Aufführung in der Lukaskirche (Holzbüttgen).

Nach kurzer, klagender Einleitung im Orchester setzen die Chorstimmen ein, bereits im düsteren Forte, das sich dann aber schnell steigert zum "und das ewige Licht leuchte ihnen". Das sangen die 49 Mitglieder der Kantorei zu kraftvoll wie auch die große Doppelfuge im "Kyrie". In der trockenen Akustik der relativ kleinen Kirche, die zudem voll besetzt war, wurden die machtvollen Chöre zu groß, zumal die Kantorei im Seitenschiff unter abgehängter Decke stand. Die nahezu perfekt vorbereiteten Stimmen der Sängerinnen und Sänger ließen sich deshalb eher in den ruhigen Chören wie dem "Laccrymosa" oder dem feierlichen "Hostias" zum Offertorium als homogener Klangkörper hören. Nur eine leichte Unsicherheit bei der Wiederholung der Fuge "quam olim Abrahae" war auch dank des präzisen Dirigates von Wolfgang Weber schnell überwunden. Mit Bianca Schatte (Sopran), Angela Froemer (Alt), Paul Onaga (Tenor) und Sebastian Klein (Bass) standen dem Chor ausgezeichnete Solisten zur Seite. Im Quartett vorgetragenes "Recordare" und das "Benedictus" in zarter Verhaltenheit gehörten zu den Höhepunkten. Mitglieder der Düsseldorfer Symphoniker und einige Gäste folgten Wolfgang Weber zuverlässig durch den aufwendigen Instrumentalpart.

Zwischen den einzelnen Sätzen des Requiems wurden Namen aus der Liste der 19.204 dokumentierten Todesfälle auf der Flucht nach Europa von Susanne Weber verlesen. Verse aus Psalmen milderten dieses schreckliche Szenario. Der letzte Satz des "Agnus Dei", die Bitte "Gib ihnen die ewige Ruhe", bekam dadurch eine weit größere Bedeutung. Und der monumentale Schlusschor "mit Deinen Heiligen in Ewigkeit" wurde zum bedrückenden Dokument.

Quelle: NGZ
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