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Neuss
RLT-Senioren zeigen schwungvolle Molière-Komödie

Neuss. Mit dem Stück "Der eingebildete Kranke" begeisterte der RLT-Club "Doppelherz" sein Publikum im Studio. Von Susanne Niemöhlmann

Dass Wehwehchen und körperliche Beschwerden ab einem gewissen Alter immer öfter zum Gesprächsthema werden, ist ganz normal. Der Seniorenclub am Rheinischen Landestheater mit dem selbstironischen Namen "Doppelherz" hat sich nun einen besonderen Spaß erlaubt und Molières Komödienklassiker "Der eingebildete Kranke" auf die Studiobühne gebracht - in einer behutsam modernisierten Übersetzung von Philipp Engelmann und garniert mit einigen hübschen Regieeinfällen.

Das Publikum im ausverkauften Studio hatte von der ersten Szene an seine helle Freude am Spiel um übertriebenes Selbstmitleid, blindes Vertrauen in scheinbare Autoritäten, kalte Berechnung und wahre Zuneigung. Und das gut gelaunte Ensemble unter der bewährten Führung von Aydin Isik und Joelle Roes fand rasch ins Spiel und lieferte eine prima Leistung ab.

Gediegenheit und Wohlstand strahlt das Bühnenbild aus: Der Salon des Monsieur Argan ist in Grün, Weinrot und viel Gold gehalten. Doch frei nach dem Motto "Wer keine Sorgen hat, der macht sich welche" glaubt sich der vornehme Mann von allerlei Krankheiten geplagt. Unter denen seine Umgebung zu leiden hat, denn die tyrannisiert Argan in seiner Wehleidigkeit. Die Ärzte verdienen bestens an ihm, seine zweite Frau glaubt sich einer Erbschaft nah. Doch Tochter Angélique will partout nicht den tranigen Thomas Diafoirus heiraten, einen angehenden Mediziner. Da bleibt es dem gewitzten Dienstmädchen Toinette und der Schwester des Argan vorbehalten, die verfahrene Situation mit einer List zu klären ...

Klassisch in Morgenmantel und Schlafmütze gehüllt, gab Hermann-Josef Krause den eingebildeten Kranken zu Recht der Lächerlichkeit preis. Als seine liebreizend-scheue Tochter Angélique überzeugte Silvia Linde, die zur Gaudi des Publikums eine "Gesangseinlage" rappte. Schallendes Gelächter erzeugte schon die Maske von Werner Vogel als einfältig-trotteliger Thomas, der mit seiner bestimmenden Mutter (Angelika Imgrund) auf der Bildfläche erscheint. Den jugendlich-schüchternen Galan Cléante verkörperte Karl Klaas auch mit weißem Bart. Rosi Klaverkamp als muntere Toinette und Gilla Hassels als Argans besonnene Schwester Béraldine durften das glückliche Ende vorbereiten.

Witzig die Gegenwartsbezüge: Das Gerede vom "alternativlosen" Testament und die "Merkelraute" von "Notarin" Angelika van der Beeck mag dem einen oder anderen noch entgangen sein. Sicher aber nicht der Auftritt von Gertrud Schröder-Djug als der ewig mit ihrem iPhone beschäftigten Louison, für die es die schlimmste Strafe wäre, vom Internet getrennt zu sein. Im September geht es weiter mit dem Seniorenclub "Doppelherz", der sich über Neuzugänge ab 50 Jahren immer freut.

Quelle: NGZ
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