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Neuss
Römer waren früher in Neuss

Römer waren schon 30 vor Christus in Neuss
Römer waren schon 30 vor Christus in Neuss FOTO: NN
Neuss. Funde belegen, was Archäologen schon lange vermutet hatten: Die Römer waren schon 30 vor Christus in Neuss. Nachgewiesen war bisher nur ein Römerlager um 16 vor Christus. Das Ergebnis einer Ausgrabung ist nun, dass an gleicher Stelle schon vorher ein kleines Lager gestanden hat. Von Jascha Huschauer

Die Grube ist längst zugeschüttet, doch was darin gefunden wurde, fügt der Geschichte der Stadt Neuss und des Niederrheins ein weiteres Puzzleteil hinzu. Bei Straßenbauarbeiten wurden unter anderem Scherben gefunden, die erstmals beweisen, dass die Römer schon 14 Jahre früher als bisher belegt in Neuss unterwegs waren.

"Schon etwa 50 vor Christus hat das Rheinland zum römischen Reich gehört", sagt Carl Pause, Archäologe des Neusser Clemens-Sels-Museums. Daher konnte man auch von der Existenz eines römischen Lagers in Neuss ausgehen, aber dass die Funde daraus nun eine Tatsache machen, bezeichnet Pause als "Überraschung".

Vor über einem Jahr fand der zur Neusser Stadtverwaltung gehörende Archäologe Michael Kaiser die Reste dieses Römerlagers. Gesucht hatte er eigentlich nach dem Wallgraben des bekannten Römerlagers Novaesium im heutigen Gnadental, einem Stadtteil von Neuss, dessen Bau durch Ausgrabungen 1887 auf 16 vor Christus datiert wurde. Das Datum gilt seither als Gründungsjahr der Stadt und Neuss damit als eine der ältesten Städte Deutschlands.

Kaiser aber fand bei seinen Arbeiten nicht nur den alten bekannten Wallgraben, sondern auch die Überreste eines anderen Grabens sowie Keramik, Eisennägel, Tierknochen und Scharnierfibeln, die noch älter zu sein schienen. Nachdem der neuentdeckte Graben vermessen worden war (Länge: 16 Meter, Breite: 3,50 Metern), wurde das Loch wieder zugeschüttet; die Fundstücke wurden etikettiert und zunächst einmal nur gelagert. Erst nach über einem Jahr wurden sie auch untersucht.

Wissenschaftler wiesen nach, dass die Funde – vor allem die Keramikscherben – zu anderen aus der Region um Trier passen, die aus der Zeit um 29/30 vor Christus stammen. Dass es manchmal dauert, bis der Stellenwert von Bodenfunden erkannt wird, ist in der Archäologie nichts Ungewöhnliches, sagt Carl Pause. Manchmal fehle es schlicht an der Zeit, manchmal müssten sich die richtigen Untersuchungsmethoden erst noch entwickeln. Deswegen gilt: Alles, was gefunden wird, wird auch aufbewahrt.

"Vor Überraschungen ist man in der Archäologie nie gefeit", sagt Pause. Um so besser, wenn sich wie in diesem Fall eine als wahrscheinlich angenomme Situation als Realität herausstellt. Sie entspricht der Lage von Neuss, das an Rhein und Erft liegt, von Westen gut zu erreichen ist und zu Römerzeiten als geeigneter Ausgangspunkt für Operationen gen Osten über den Rhein bis zur Lippe dienen konnte.

"Flüsse waren damals die Hauptverkehrswege, denn viele Straßen gab es noch nicht", erklärt der Archäologe. Das Lager um 30 vor Christus war vermutlich von Holzpalisaden umschlossen, in deren Schutz die Römer Zelte aufschlugen. "In etwa wie die Römerlager bei Asterix", erklärt Pause. Befestigte Lager seien erst später gebaut worden. Einen größeren Stützpunkt für Legionen hat es in dieser Zeit nur in Trier gegeben.

(RP/ila/rm/jco)
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