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Bürgermeisterwahl
Sagen Sie mal... - Kandidaten zur Sache

Neuss: Bürgermeister-Kandidaten beim NGZ-Talk
Neuss: Bürgermeister-Kandidaten beim NGZ-Talk FOTO: Berns, Lothar
Neuss. Die NGZ hat ihre Leser aufgefordert, Fragen an die Bürgermeisterkandidaten zu richten, und viele machten davon Gebrauch. Die Redaktion wählte einige davon aus, die die beiden aussichtsreichsten Bewerber heute beantworten.

Die dreiköpfige Task-Force Grün wurde vorgestellt, aber das ist doch nur eine Beruhigungspille. Was tun Sie für ein sauberes Neuss?

Nickel: Die Task-Force Grün ist ein guter Anfang. Jetzt geht es darum, die vom Rat beschlossene Ausgliederung der Mülleimerentleerung umzusetzen, um zusätzliche Mitarbeiter für die Grünpflege einsetzen zu können. Außerdem werde ich derzeit offene Stellen in der Grünpflege besetzen und so den Mitarbeiterbestand aufstocken.

Breuer: Die Sauberkeit einiger Straßenzüge und Plätze sowie die Pflege des städtischen     Grüns müssen wieder einen deutlichen höheren Stellenwert bekommen. Die Neusser Innenstadt wirkt oft verdreckt und muss häufiger gereinigt werden. Auch in den     Stadtteilen finden zu selten Straßenreinigungen statt. Die Pflege des städtischen Grüns wird vernachlässigt, weil die vorhandenen Stellen derzeit nicht wieder besetzt werden. Ich werde deshalb die bisherige Stellenbesetzungssperre aufheben und die personelle Ausstattung spürbar verbessern. Es ist zu prüfen, ob die AWL GmbH wieder kommunalisiert werden kann, um wirkungsvoller zu arbeiten.

Landrats- und Bürgermeisterwahl 2015: Das sind die Wahlplakate in Neuss FOTO: Urs Lamm

Bleibt die Straßenbahn im Hauptstraßenzug?

Nickel: Ja. Das ist das Ergebnis der Bürgerentscheide. Die werde ich respektieren.

Breuer: Die Straßenbahn gehört zur Neusser Innenstadt und wird sicher auch in Zukunft dort bleiben. Die Bürger haben entschieden, dass die Straßenbahn - teilweise eingleisig - weiter durch den Hauptstraßenzug fahren soll. Ich halte diese Entscheidung für richtig, weil unsere Innenstadt mit der Straßenbahn schnell und umweltfreundlich erreichbar ist. Die Beeinträchtigungen sind gering. Ich kann mir gut vorstellen, dass Straßenbahnnetz in Neuss weiter auszubauen und zum Beispiel durch das Neusser Hammfeld zu führen. Für die vielen Berufspendler sollte zwischen Neuss und Düsseldorf wieder die Preisstufe A gelten.

Bürgermeisterwahl 2015 in Neuss: Das sind die Kandidaten FOTO: Berns, Lothar

Wie wollen Sie City-Quartiere wie den Neumarkt neu beleben und was tun Sie, um die Krefelder Straße vor einem weiteren Niedergang zu bewahren?

Nickel: Gemeinsam mit den Einzelhändlern und den Immobilienbesitzern müssen wir tragfähige Konzepte und mutige Initiativen erarbeiten, um diese Gebiete wieder aufzuwerten. Dazu gehört auch, dass das Parken in der Stadt wieder attraktiver wird und wir mit neuen Märkten und Aktionstagen vermehrt Menschen in die Innenstadt locken.

Breuer: Mit meinen Vorschlägen für eine "City-Offensive" möchte ich die Potenziale, die unsere urbaner gewordene Innenstadt und die City-Quartiere haben, besser nutzen. Neuss ist eine der ältesten Städte Deutschlands und muss dies stärker herausstellen. Der Hauptstraßenzug und seine "Nebenarme" sollten professionell wie ein Center gemanagt werden, die Geschäfte einheitliche Öffnungszeiten haben. Es laufen über die ZIN schon gute Aktivitäten. Die Innenstadt muss sich der Konkurrenz stellen und z.B. kostenloses Parken für die erste Stunde in den Parkhäusern ermöglichen.

Wie halten Sie es mit der Neusser Tafel? Gehört die nicht in die Innenstadt?

Nickel: Ich unterstütze die Neusser Tafel. Sie ist frei, ihren Standort selbst zu bestimmen. Wenn sie in die Innenstadt ziehen möchte, helfe ich ihr selbstverständlich bei der Suche nach entsprechenden Räumlichkeiten.

Breuer: Die "Neusser Tafel" leistet sein vielen Jahren eine wichtige Unterstützung für bedürftige Neusser Bürger. Das Einsammeln und Weiterverteilen von Lebensmitteln sowie die Bereitstellung von Kleidung unter dem Motto "Neusser für Neusser" ist gelebte Solidarität. Wenn sich der neue Standort in der Nordstadt als weniger geeignet erwiesen hat und förmlich "aus allen Nähten platzt", sollte mit dem Verein nach Möglichkeiten für einen besser gelegenen Standort mit den erforderlichen Räumlichkeiten gesucht werden. Die Neusser Innenstadt ist  wegen seiner höheren Erreichbarkeit sicher grundsätzlich besser geeignet.

Wie wollen Sie das Problem der Unterbringung von Flüchtlingen in den Griff bekommen?

Nickel: Wir tun gut daran, an dem parteiübergreifenden Kompromiss festzuhalten, die Einrichtungen gerecht über die Stadtteile zu verteilen. An den einzelnen Standorten brauchen wir vernünftige Lösungen mit Augenmaß. Mir ist wichtig, mit den Menschen vor Ort im Gespräch zu bleiben. Ihre Anregungen und Hinweise werde ich ernst nehmen und berücksichtigen. Wir können froh sein über die vielen Hilfsangebote und ehrenamtlich Aktiven in Neuss. Mit ihnen werde ich zusammen arbeiten.

Breuer: In Neuss müssen Flüchtlinge willkommen sein, für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus darf hier kein Platz sein. Deshalb erfüllt die Stadt Neuss natürlich ihre Verpflichtung zur Unterbringung von Flüchtlingen. Hierzu wird derzeit eine Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes NRW im ehemaligen Alexius-Krankenhaus bereitgestellt. In Zukunft werden zudem die bestehenden städtischen Einrichtungen genutzt, weitere Unterbringungsmöglichkeiten müssen neu geschaffen werden. Ich möchte im Einvernehmen mit der Politik die neuen Standorte festlegen     und möglichst qualitativ gute Einrichtungen schaffen.

Soll Neuss im Rhein-Kreis bleiben?

Nickel: Neuss ist die selbstbewusste Hauptstadt im Rhein-Kreis Neuss. Ich arbeite mit Landrat Hans-Jürgen Petrauschke konstruktiv und vertrauensvoll zusammen. Statt nach Düsseldorf zu schielen, sollten wir die Zusammenarbeit im Kreis und mit unseren linksrheinischen Nachbarstädten ausbauen.

Breuer: Der Stadt Neuss wird wohl nichts anderes übrig bleiben. Die Diskussion über die vor vierzig Jahren erfolgte "Einkreisung" der Stadt ist rückwärtsgewandt und mangels Durchsetzbarkeit einer neuen Kreisfreiheit eigentlich überflüssig. Wichtiger ist mir, mit dem Rhein-Kreis Neuss und den benachbarten kreisangehörigen Städten und Gemeinden darüber zu diskutieren, wer welche Aufgaben am besten und effizientesten wahrnehmen kann und für welche Aufgaben Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit bestehen. Zudem sollten die Städte und Gemeinden ihre Stärken in der Region möglichst gemeinsam präsentieren.

In der Stadt wird jedes freie Grundstück nach und nach vollgebaut. Muss das sein?

Nickel: Menschen ziehen nach Neuss. Unternehmen siedeln sich hier an. Das zeigt: Neuss ist attraktiv. Beim Bau neuer Wohnungen und der Planung neuer Gewerbeflächen müssen wir sensibel und nachhaltig vorgehen. Wir können Baulücken schließen und Gebäude erneuern, aber wir müssen die kostbaren Grünflächen pflegen und bewahren.

Breuer: Nein! Die Entwicklung unserer Stadt und Stadtteile muss nachhaltig erfolgen. Die Versiegelung der Ressource Fläche muss auch in Neuss Grenzen haben. Deshalb muss der Grundsatz "Innen- vor Außenbebauung" in der Stadtentwicklung Anwendung finden und sorgfältiger abgewogen werden, ob und wo weitere Baugebiete in  Außenbereichen erschlossen werden. Auch Flächenrecycling und das Bauen im Bestand sowie die Schließung von Baulücken müssen einen größeren Stellenwert als bisher erhalten. Bauflächen sollen in erschlossenen und integrierten Gebieten liegen und müssen vor allem mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen.

An der Münsterschule soll neu gebaut werden, doch dagegen wird geklagt. Wie kann man diesen Konflikt entschärfen?

Nickel: Die Industrie im Hafen ist wichtig für Neuss und hat Bestandsschutz. Für den Standort muss daher unter Beteiligung der Anrainer ein Kompromiss gefunden werden, der für alle Beteiligten tragbar ist. Dafür werde ich mich einsetzen.

Breuer: Der Hafen bildet das industrielle Herz der Neusser Wirtschaft. Er gewährleistet die Anbindung unserer Wirtschaft an die Welthäfen in Antwerpen und Rotterdam. Der Hafen und die dort ansässigen Betriebe dürfen in ihrem Bestand und ihren Entwicklungsmöglichkeiten nicht durch eine heranrückende Wohnbebauung gefährdet werden. Deshalb setze auf eine Konfliktlösung, die auch eine völlige Neuplanung für die Bebauung des Areals nicht ausschließt. Ich kann mir auch eine gemischte Nutzung als Dienstleistungs- und Wohnstandort mit einer größeren Öffnung zum Hafen gut vorstellen. Ich werde diesen Prozess moderieren.

Quelle: NGZ
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