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Neuss
Salafist wirbt im Netz für Neusser Syrienhilfe

Neuss. Filme auf Youtube zeigen: Von der Weckhovener Moschee aufgekaufte Rettungswagen gingen nach Syrien. Verdacht auf Missbrauch besteht. Von Christoph Kleinau

Die von der Moscheegemeinde des Kulturvereins Weckhoven aufgekauften Rettungswagen sind ganz offensichtlich nach Syrien gebracht worden. Auf dem Internetportal "Youtube" wurde am 27. Juli ein Videofilm eingestellt, der die Abgabe von zwei dieser Wagen an ein Krankenhaus in einer nicht namentlich genannten Stadt Syriens zeigt. In einem anderen Film präsentiert Salafist Sven Lau die Wagen mit Neusser Kennzeichen in Weckhoven vor laufender Kamera und verbindet dies mit einem Spendenaufruf für eine "humanitäre Hilfeleistung". Doch es gibt auch Hinweise, dass solche Fahrzeuge in Syrien für Sprengstoffanschläge missbraucht werden.

Brisant an dieser Videobotschaft: Der 32-jährige Lau, auch Abu Adam genannt, war zeitweise Vorsitzender des inzwischen aufgelösten Vereins "Einladung zum Paradies" mit Sitz in Mönchengladbach. Er gilt als einer der Anführer der deutschen Salafisten, einer ultrakonservativen Richtung des Islam. Lau steht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, weil die Beamten der Meinung sind, wie es in einem im März erschienenen Beitrag des Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" heißt, dass er den demokratischen Rechtsstaat abschaffen und einen Gottesstaat errichten wolle.

Auch auf den Kulturverein Weckhoven hat der Verfassungsschutz ein Auge. Zunächst, weil die Moscheegemeinde zu den Sympathisanten des islamistischen Metin Kaplan gezählt wurde, dem inzwischen ausgewiesenen Kalifen von Köln. Spätestens Anfang 2012, nach einer Veranstaltung von Solinger Salafisten in Weckhoven, änderte sich der Blickwinkel der Fahnder. Auch wenn es bei der politischen Polizei noch Anfang 2013 hieß, man habe aktuell keinen Hinweis darauf, dass sich in Weckhoven, so wörtlich, "eine kritische Szene bildet", blieb die Polizei aufmerksam. Als Nachbarn wegen der Rettungswagen skeptisch wurden und die Polizei alarmierten, ging diese den Hinweisen nach – dem Vernehmen nach mit richterlichem Durchsuchungsbeschluss. Der Ankauf der Wagen selbst war nicht zu beanstanden.

Gekauft wurden die RTW von dem Verein "Helfen in Not", der am 9. April 2013 beim Amtsgericht Neuss eingetragen wurde. Vorsitzender: Bekir Astürk, Sprecher des Kulturvereins an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße. Das Geld für den Ankauf wurde auf einem Konto bei der Sparkasse Neuss gesammelt. Man habe nicht mehr getan, als nach Prüfung des Vereinszweckes ein Konto einzurichten, betont Sparkassen-Sprecher Stephan Meiser. Der Verein sei weder begünstigt noch gefördert worden.

Glaubt man der Videobotschaft des Salafisten Lau, der in dem genannten Spiegel-Betrag offen davon spricht, Medikamente in den "Heiligen Krieg" schicken zu wollen, so wurden zwölf RTW aufgekauft. Wie eine Überführung solcher Wagen auf dem Landweg nach Syrien aussieht, ist auch auf Youtube zu sehen. Offensichtlich nutzen Initiativen wie "Helfen in Not" oder die in Düsseldorf ansässige Organisation "Ansaar" dieses Portal, um Rechenschaft über die Verwendung der erhaltenen Spenden abzulegen.

Dass der Bedarf an medizinischer Hilfe für Syrien groß ist, ist unbestritten. Schon Ende 2012 begründete das Deutsche Rote Kreuz einen Hilfsgütertransport ins syrisch-türkische Grenzgebiet unter anderem damit, dass bereits 177 Rettungswagen und damit fast ein Drittel aller Rettungsfahrzeuge in Syrien im Bürgerkrieg zerstört oder beschädigt wurden. Auch der Landesverband der Johanniter Unfallhilfe spendete schon RTW für den Einsatz in Syrien, die allerdings der "Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte" anvertraut wurden. Das soll Missbrauch verhindern.

Denn den gibt es offensichtlich. Auf der Internetseite der Ahlul Bayt News Agency (ABNA) ist nachzulesen, dass Terroristen bei mehreren Anschlägen Rettungswagen als Transportmittel ausgesucht hatten, um sich ungehindert bewegen zu können. Diese Wagen seien auch zu "gewünschten Zielen" gefahren und dort zur Explosion gebracht worden.

Auch die Berliner Journalistin und Islamwissenschaftlerin Karin Leukefeld berichtet von solchen Missbräuchen. In einem Bericht in der Zeitschrift "Junge Welt", unter anderem auf der Internetseite der AG Friedensforschung aus Kassel dokumentiert, heißt es, Rettungswagen seien "mit Sprengstoff versehen vor Kontroll- oder an Stützpunkten der syrischen Armee zur Explosion gebracht worden". Tatverdächtig: Islamistischen Gruppen und Al-Qaida, die Hilfskonvois überfallen und solche RTW stehlen.

Quelle: NGZ
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