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Neuss
Schlachthof liefert Fleisch für Muslime

Neuss: Schlachthof liefert Fleisch für Muslime
Amir Baharifar will Fleisch erzeugen, das den Regeln des Koran entspricht. Ein Markt dafür besteht, sagt er mit Blick auf fast zwei Millionen Muslime in NRW. Das halale Fleisch in seinem Werkverkauf kommt noch aus den Niederlanden. FOTO: woi
Neuss. Der gebürtige Iraner Amir Baharifar hat im alten Schlachthof im Neusser Barbaraviertel einen Fleischzerlegebetrieb gegründet, der mit halalem Fleisch handelt. Er will den Betrieb um eine Schlachtanlage erweitern und wird deswegen angefeindet. Von Christoph Kleinau

Mit seinem neuen Projekt hat sich Amir Baharifar in ein echtes Minenfeld begeben. Das merkt der Unternehmer jeden Morgen, wenn er sein E-Mail-Postfach öffnet. Rechtsradikale feinden ihn an, weil er im alten Schlachthof seit kurzem halales, also im muslimischen Sinne "reines" Fleisch anbietet. Tierschützer beschimpfen ihn als Tierquäler, weil er den Fleischzerlegebetrieb um eine Schlachtanlage erweitern und den Schlachthof wieder aufleben lassen will. Aber auch aus den Reihen seiner Glaubensbrüder wird er angegiftet. Den "300-Prozentigen" sei Fleisch vom Schlachthof nicht halal genug, sagt der 54-Jährige. Der gebürtige Iraner hält dagegen: "Ich tue, woran ich glaube", sagt der Muslim.

Anfang 2013 hat Baharifar den alten Schlachthof mit dem Ziel gekauft, seinen Glaubensbrüdern Fleisch anzubieten, das den Vorgaben ihrer Religion entspricht. Das kommt derzeit vor allem aus Belgien und den Niederlanden. Dazu gehört, dass er die nicht zu leugnenden Hinterhofschlachtungen zum Opferfest, die in Deutschland Begriffe wie halal oder die rituelle Tötungsart, das Schächten, in Verruf gebracht haben, beendet sehen will. "Die Bestimmungen des Koran und die deutschen Gesetze sind miteinander zu vereinbaren", sagt Baharifar jedem, der ihm zuhören will.

Ob der 2004 beendete Schlachtbetrieb einfach wiederbelebt werden kann, oder ob ein neues Genehmigungsverfahren angestrengt werden muss, lässt Baharifar derzeit prüfen. Sein wichtigster Ratgeber dabei ist Theodor Pohlmann, der aus der Branche ist und dem der Fleischzerlegebetrieb Mitwick gehörte. Jetzt leitet er die Produktion in der Halal-Metzgerei, die den alten Firmennamen "Fleischversorgung Neuss" wiederbelebt. Für diesen Betrieb habe er klare Vorgaben gemacht, sagt Baharifar. Die acht Teilzeitbeschäftigten, die dem Betrieb in seiner Gründungsphase helfen, sollen ebenso ordentliche Papiere haben wie die bis zu 30 Beschäftigten, die er im Schlachthof beschäftigen möchte. "Keine Scheinselbstständigen", sagt Baharifar, der diesen Wildwuchs in der Branche kennt. Alle würden sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Peinlich genau auf Einhaltung aller Auflagen und Gesetze zu achten, ist für Baharifar Teil der Überlebensstrategie seines Unternehmens. In Vorgesprächen mit der Stadt und dem Kreisveterinäramt hat er schon die Einrichtung eines Schlachthofes angezeigt, eine veterinärrechtliche Erlaubnis aber noch nicht beantragt. Ohne wäre ein Schlachthof nicht genehmigungsfähig, sagt Michael Kloppenburg, der Leiter des städtischen Presseamtes.

Auch dem Tierschutz muss der geplante Schlachtbetrieb genügen. Mit der Genehmigung wäre nicht nur die Einhaltung entsprechender gesetzlicher Auflagen verbunden, sondern auch die Kontrolle. Ein Schlachtbetrieb ohne Tierarzt, Fleischbeschau und die Betäubung des Tieres gebe es nicht, betont Pohlmann. Allerdings wäre die Betäubung per Elektroschock zulässig. Eine Tötung mit Bolzenschuss - die andere Möglichkeit - schließe der Koran nämlich aus. Denn halal heiße auch, dass die Außenhaut des Tieres nicht verletzt wird.

Quelle: NGZ