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Neuss
Schülerinnen kochen wie die alten Römer

Neuss: Schülerinnen kochen wie die alten Römer
Die Schülerinnen des Marienberg-Gymnasiums erleben, wie römische Speisen schmecken. Hier probieren sie gerade einen für die Zeit typischen Brotaufstrich. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Die Latein-Lehrerin Annette Hoffmann will die Römerzeit für ihre Schülerinnen erlebbar machen. Deshalb kocht sie mit ihnen römisches Essen nach Original-Rezept. Ihre Kochkünste präsentierten die Mädchen bereits vor dem Rathaus. Von Jascha Huschauer

Latein ist eine tote Sprache. Das ist das Standard-Argument unter Schülern, die sich für Französisch als zweite Fremdsprache entscheiden. Doch Annette Hoffmann will die Sprache für ihre Schülerinnen lebendig machen. Deshalb unternimmt sie Exkursionen nach Köln ins Römisch-Germanische Museum, baut römische Villen oder Wachstafeln nach und übt ein römisches Theaterstück ein. "Wenn ich Latein-Unterricht gebe, dann auch richtig", sagt die Lehrerin des Marienberg-Gymnasiums.

Und dazu gehört auch das römische Essen. Doch woher weiß man eigentlich, was vor 2000 Jahren auf den Teller kam? Ganz einfach: Auch damals gab es tatsächlich schon Kochbücher. Das älteste erhaltene heißt "De re coquinaria", also: "Über die Kochkunst". Geschrieben hat es Apicius. Annette Hoffmann kennt es schon seit ihrem Studium. "Wir haben uns oft mit Freunden getroffen und die Rezepte nachgekocht", erinnert sie sich.

Und so hält sie es bis heute und bringt ihren Schülerinnen die Rezepte nahe. Dazu gehören etwa "Isicia Omentata", also Fleischbällchen mit Pinienkernen, oder Moretum, eine Knoblauchpaste, und Globuli, Quarkkugeln mit Mohn und Honig. "Das war durchaus Allerweltsessen für Hirten und Bauern", sagt Hoffmann.

Durchaus denkbar also, dass so oder so ähnlich auch im römischen Neuss gekocht wurde. Daher beteiligt sich auch Stadt-Archäologe Carl Pause an dem Projekt. Er stattete die Schülerinnen mit Requisiten aus dem Clemens-Sels-Museum aus. So konnten die Schülerinnen ihr römisches Essen beim Stadtfest "Zeitsprünge" an einem Stand vor dem Rathaus präsentieren. Auch die Optik stimmte, denn sie trugen dabei Tuniken aus dem Museum, um für das richtige Flair zu sorgen. "Es ist schon interessant, wie die Menschen damals gelebt haben", sagt Marisa, eine von Hoffmanns Schülerinnen.

Mit zwei Freundinnen hat die 13-Jährige zu Hause bereits nach Apicius Rezept gekocht. Römisches Essen als Hausaufgabe. "Meine Schülerinnen sollen übersetzen lernen, aber auch den Alltag vor 2000 Jahren kennen", sagt Hoffmann. Der Stand beim Stadtfest kam gut an, erinnert sich die 13 Jahre alte Schülerin Luzie. "Die Leute fanden das total toll", sagt sie, "manche wollten gar nicht aufhören zu essen."

Wer wollte, konnte eine Kopie von den Rezepten auch mit nach Hause nehmen, um sich selbst als römischer Koch zu versuchen - glücklicherweise nicht in lateinischer, sondern in deutscher Sprache. Und obwohl die Mädchen eigentlich kein Geld nehmen wollten, wurde ihnen immer wieder eine kleine Spende angeboten. "Wir sind dann davon mit der ganzen Klasse ein Eis essen gegangen", sagt Hoffmann.

Denn trotz allem interessanten Lateinunterricht: Die heutigen Essgewohnheiten sind den Mädchen dann doch lieber. "Ich bin schon froh, dass wir so leben können, wie wir es heute tun", sagt die zwölfjährige Sandra. Das römische Essen sei zwar interessant und schmecke durchaus gut, aber so ein gutes kühles, süßes Eis ist den Siebtklässlerinnen dann doch lieber. Und das hat es damals schließlich noch nicht gegeben.

Quelle: NGZ
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