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Fahndung nach Schüssen in Neuss
Polizei warnt vor flüchtigem Tatverdächtigen

SEK-Einsatz in Neuss
SEK-Einsatz in Neuss FOTO: Patrick Schüller
Neuss. Ein 47-Jähriger soll am Mittwoch eine Frau in Neuss angeschossen haben und ist auf der Flucht. Die Polizei hat ein Foto des mutmaßlichen Täters veröffentlicht. Ausgerechnet ein Kind beobachtete die Tat.  Von Christoph Kleinau

Am Tag nach den Schüssen am Lindenplatz ist der Täter weiter auf der Flucht. Der Einsatz eines Sonder-Einsatz-Kommandos (SEK), das in der Nacht zum Donnerstag eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus stürmte, in dem der Tatverdächtige, der 47-jähriger Neusser Hakki Pekin, vermutet wurde, führte nicht zum Erfolg. Pekin wird verdächtigt, am Mittwochnachmittag mehrere Schüsse auf eine 25-Jährige abgefeuert und diese an der Schulter verletzt haben. Die Polizei, die noch am Abend des Anschlags die Mordkommission "Linden" bildete, geht weiter von einer Beziehungstat aus. Gründe für den Übergriff könnten im familiären Umfeld liegen.

Der Angreifer wollte sein Opfer töten. Davon zumindest gehen die Ermittler der Mordkommission unter Leitung der Kriminalpolizei Düsseldorf aus. Eine Zeugin ist sogar davon überzeugt, einen Mordversuch gesehen und verhindert zu haben. "Der Mann kniete doch auf dem Rücken der Frau und hat noch auf sie geschossen", sagte sie am Donnerstag unserer Redaktion. Erst als sie und ihr Mann dazwischengingen, ließ der Schütze von seinem Opfer ab und floh zu Fuß in unbekannte Richtung.

Frau durch Schüsse in Neuss verletzt FOTO: Woitschützke, Andreas

Ehepaar leistete erste Hilfe

Die Suche nach dem mutmaßlichen Täter wurde am Donnerstag unvermindert intensiv fortgesetzt. Informationen zu möglichen Fluchtfahrzeugen, die der Mann nutzen könnte, liegen nicht vor. Anwohner beobachteten kurz vor der Tat einen verdächtigen schwarzen Skoda mit einem bayerischen Kennzeichen auf dem Parkplatz der St.-Nektarios-Kirche, doch spielte dieses Auto nach Polizeiangaben bei der Tat keine Rolle.

Beamte des SEK bereiteten sich auf den Sturm einer Wohnung vor. FOTO: Patrick Schüller

Die Fahnder vermuten hinter den Schüssen mehr denn je eine Beziehungstat. Zur Art der Beziehung macht die Polizei allerdings keine Angaben. Es soll sich jedoch um den "Ex der Mutter" handeln. Das berichtete das Opfer seinen beiden Rettern, die die schwer verletzte Frau mit in ihr Haus am Lindenplatz nahmen und sie medizinisch versorgten. "Ich habe erst vorige Woche einen Erste-Hilfe-Kursus gemacht", sagt die Zeugin, deren Mann ebenfalls eine Ersthelfer-Ausbildung hat. Er verarztete die 25-Jährige in der Küche seines Hauses, nachdem er die Polizei über die Notrufnummer 110 alarmiert hatte.

Zeuge: Angreifer wartete an der Haltestelle auf sein Opfer

Aus der Distanz verfehlte der Tatverdächtige offenbar sein Opfer, dann stellte er die 25-Jährige auf dieser Wiese und verletzte sie. Zeugen vertrieben ihn. FOTO: woi

In das Haus der Familie brachte wenig später eine andere Nachbarin auch einen Jungen, der vielleicht der wichtigste Zeuge in diesem Fall werden könnte. Er war wohl auch das Kind, das andere Anwohner gellend schreien hörten, nachdem die ersten beiden Schüsse gefallen waren.

Der Junge, der angeblich nach Schulschluss auf seinen Bus Richtung Reuschenberg gewartet hatte, muss den Täter gesehen haben, den andere Zeugen als südländischen Typ beschreiben, etwa 1,75 Meter groß und mit kurzen Haaren. Vom Haus der Zeugen aus durfte der Schüler seinen Vater anrufen, der ihn wenig später dort abholte. "Das Kind war völlig aufgelöst", erinnert sich die Zeugin.

Woher die 25-Jährige kam, wer sie ist und warum sie in Weckhoven war, wissen ihre Retter nicht. Aber der Täter rechnete dort mit ihr. "Der Junge hat berichtet, dass der Mann ihr an der Bushaltestelle aufgelauert hat", berichtet die Zeugin. Einige Schüsse - insgesamt wurden vier leere Patronenhülsen auf dem Gehweg gefunden - gab der Täter wohl aus größerer Distanz ab.

Polizei warnt vor Angreifer

Ein fünftes und letztes Mal drückte der Mann nach Angaben der Zeugin ab, als er die fliehende Frau auf der Wiese zwischen der St.-Nektarios-Kirche und einem Gedenkstein eingeholt und überwältigt hatte und mit der Waffe auf ihr kniete. Offensichtlich war es diese Kugel, die das Opfer an der Schulter verletzte - allerdings nicht lebensgefährlich, wie sich später im Krankenhaus herausstellte. Dort wird die Frau noch immer behandelt.

Die Zeugin hatte erst aus dem Fenster geschrien "Hau ab. Ich hol´ die Polizei". Aber davon hätte sich der Mann wenig beeindruckt gezeigt. Dann, als ihr Mann hinzukam, stürmte sie aus dem Haus. "In seinem Wahn, so wie der war, hätte er auch auf mich schießen können", sagt die Frau. Aber der Gedanke kam ihr erst in der folgenden Nacht, in der sie lange schlaflos wach lag.

Der Gesuchte Hakki Pekin könnte noch immer bewaffnet sein. Die Polizei warnt deshalb davor, ihn anzusprechen oder zu stellen. Hinweise auf den Mann erbittet die EK "Linden" unter 02131 3000.

Quelle: NGZ