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Neuss
Schulleiter machen Schulpolitik

Neuss: Schulleiter machen Schulpolitik
Ulrich Dauben (Quirinus-Gymnasium, l.) und Olaf Templin (Gesamtschule Nordstadt) ziehen mit den Leitern der anderen sieben weiterführenden Schulen an einem Strang. Ulrich Dauben (Quirinus-Gymnasium, l.) und Olaf Templin (Gesamtschule Nordstadt) ziehen mit den Leitern der anderen sieben weiterführenden Schulen an einem Strang. FOTO: Woitschützke Andreas
Neuss. In der festgefahrenen Diskussion um den Schulentwicklungsplan haben die Leiter von Gesamtschulen und Gymnasien einen eigenen Vorschlag gemacht. Der setzt auch auf das Modell Realschule. Die SPD lehnt das als "Rolle rückwärts" ab. Von Christoph Kleinau

Dieses Bündnis lässt tief blicken: Nachdem die Politik die Neufassung eines Entwicklungskonzeptes für die weiterführenden Schulen immer wieder vertagt hat, legen nun zum ersten Mal die Leiter aller Gymnasien und aller Gesamtschulen im Stadtgebiet einen eigenen Entwurf vor. Der sieht neben der gerade von der Comenius-Schulgemeinschaft vehement geforderten Umwandlung dieser Sekundar- in eine Gesamtschule auch die Rückumwandlung der Sekundarschule Gnadentaler Allee in eine Realschule vor, an der Schüler auch den Hauptschulabschluss erwerben können sollen. "Wir wollen Ruhe in das Thema bringen": So verteidigt Achim Fischer von der Janusz-Korczak-Gesamtschule als Sprecher der weiterführenden Schulen diesen Versuch der Schulleiter, Schulpolitik machen zu wollen. Es müsste ein nachhaltiges Bildungssystem her.

Einige Politiker kennen dieses Gemeinschaftswerk, das allerdings (noch) nicht Teil der Unterlagen ist, die dem Schulausschuss für die kurzfristig angesetzte Sondersitzung am Mittwoch vorliegen. Und Gisela Hohlmann (SPD) als Vorsitzende ist auch nicht gewillt, dieses Papier zur Diskussionsgrundlage zu machen. "Eine Rolle rückwärts hat uns noch nie weiter gebracht", sagt sie. Und genau das wäre die Rückkehr zu einer Real- oder Hauptschule in ihren Augen. Zudem hat sich die Schulkonferenz der Sekundarschule Gnadentaler Allee kurz vor den Herbstferien festgelegt. Man stehe einer weiteren Entwicklung der Schule offen gegenüber, heißt es im Konferenzbeschluss vom 16. Oktober, doch für Hohlmann ist der Kernsatz ein anderer: "Die Mitglieder der Schulkonferenz und die Elternschaft möchten, dass die Sekundarschule selbstständig bleibt."

Selbständig bliebe sie auch in einer anderen Schulform, nur nicht als Gesamtschule. Das wurde schon im Vorjahr klar, als für die Gnadentaler Allee nur eine Perspektive als Dependance einer bestehenden Gesamtschule erörtert wurde. Als Realschule aber würde die Sekundarschule aus Sicht der Gymnasien- und Gesamtschulleiter zudem das Negativ-Image der Sekundarschule abstreifen können und bliebe die Einrichtung, die sich Ulrich Dauben (Quirinus-Gymnasium) als "Unterbau und Partner der Gymnasien" wünscht. Dorthin könnten all jene Kinder wechseln, die nach der Erprobungsstufe das Gymnasium verlassen müssen.

Die Comeniusschule soll Gesamtschule werden. Diese Forderung unterstützen auch die Leiter der Gymnasien und Gesamtschulen in einem gemeinsamen Papier. FOTO: -nau, woi (2)

An den Gesamtschulen haben diese Kinder nämlich kaum eine Chance auf Aufnahme, weil dort angesichts des Anmeldedrucks die Klassen schon jetzt übervoll sind. "Abschulen in einem dreigliederigen System heißt Abschulen in einem dreigliederigen System", sagt Oliver Templin von der Gesamtschule Nordstadt. Rolle der Gesamtschulen sei eben nicht, dieses System nach Schließung von 16 Zügen im Bereich der Real- und Hauptschulen seit 2011 jetzt zu reparieren. "Wir sind per Definition nicht dieser Unterbau", sagt Templin.

Die CDU schweigt noch zu den Vorschlägen der Schulleiterrunde. Sie wird, so Stephanie Wellens, sich heute entscheiden.

Quelle: NGZ
 
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