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Neuss
Schwäbischer Bierbrauer liebt Dom-Alt

Neuss: Schwäbischer Bierbrauer liebt Dom-Alt
Bierbrauer Edmund Kull und sein Chef, der Pächter des "Doms", Charly Kehrmann, begutachten das in Neuss hergestellte Produkt, das mittlerweile auch in Flaschen abgefüllt verkauft wird. FOTO: Andreas woitschützke
Neuss. Edmund Kull hat alle Hände voll zu tun. Viermal in der Woche setzt er einen Sud Altbier auf. 1000 Liter Bier ergibt das jeweils. Kull ist seit kurzem Braumeister in Neuss' ältester Brauerei "Im Dom". Von Jascha Huschauer

Die Quirinusstadt hatte bereits 1339 ein städtisches Brauamt, lange bevor im Jahr 1516 das deutsche Reinheitsgebot erlassen wurde, an das heute der "Tag des Deutschen Bieres" erinnert. Im Jahr 1601 wurde dann "Doms Alt" von Mönchen begründet. Es war damals eine von 41 Brauereien. Heute ist es die einzige Hausbrauerei in der Stadt.

Für Kull eine große Verantwortung. Der 45-Jährige hat nur einen Mitarbeiter - seinen Azubi Nicky Schröder. "Ich arbeite zum ersten Mal in einer so kleinen Hausbrauerei", berichtet Kull, der seine Ausbildung bei "Engelbräu" gemacht hat. "Es ist spannend, alle Handgriffe selbst zu machen, das Produkt zu riechen und zu schmecken."

Vor allem die kleine Brauanlage gefällt ihm. "Technik hat mich schon immer begeistert", sagt Kull. Ein Maschinenbau-Studium hat er allerdings abgebrochen - das war ihm "zu trocken". Nun versucht er, die kleine Anlage zu optimieren, die im Hof des Brauhauses an der Michaelstraße steht. Für "Doms Alt" braucht es nur Hopfen, vier verschiedene Sorten Malz, dazu Hefe und Wasser.

Im Maischbottich wird das geschrotete Malz mit Wasser erhitzt. Dadurch wird aus der Stärke Zucker. Im Läuterbottich werden anschließend die festen Bestandteile herausgefiltert. Die Flüssigkeit geht zurück in den Maischbottich, der im Dom zugleich als Sudpfanne verwendet wird. Dort wird die Flüssigkeit mit Hopfen gekocht. Anschließend werden feste Bestandteile im "Whirlpool" abgetrennt. In den Gärtanks wandelt die Hefe den Zucker zu Alkohol um.

Dann reift das Bier sechs Wochen lang im Keller. Haltbar gemacht wird es im Dom nicht mehr. Das unterscheidet es von den großen Bieren, die Kull "Fernsehbiere" nennt, weil sie häufig im Fernsehen beworben werden. "Die schmecken doch alle fast gleich", sagt Kull, der gebürtiger Schwabe , aber dennoch ein Altbier-Fan ist: "Mir schmeckt es viel besser als Kölsch", erzählt er augenzwinkernd. Trinkt man Bier hingegen im "Dom", so hat es von der Herstellung bis ins Glas nur wenige Meter zurück gelegt. "Je weniger Bier bewegt wird, desto besser schmeckt es", sagt Klaus Wiertz, dessen Familie die Brauerei seit 1801 führt.

Doch mittlerweile gibt es Doms Alt nicht nur in der Gaststätte an der Michaelstraße, sondern auch in anderen Kneipen im Stadtgebiet. Außerdem füllt Kull sein Produkt regelmäßig in Fässer und neuerdings sogar in kleine 0,3-Liter-Bügelflaschen, die es bei Getränke Hilgers zu kaufen gibt.

Sehr komfortabel ist die neue Flaschenabfüllung jedoch nicht. Einzeln müssen Flaschen aufgespannt und abgenommen werden. Nur sechs Flaschen können so gleichzeitig befüllt werden. Jede braucht etwa eine Minute. Zuvor müssen die rückläufigen Pfandflaschen noch in drei Waschgängen gespült werden. "Das ist alles Handarbeit und sehr zeitintensiv", sagt Kull. Daher ist das Bier natürlich teurer als die großen Marken. Dennoch sei der Verkauf "sehr gut angelaufen". Auch deshalb kann Edmund Kull heute ganz entspannt den Tag des Deutschen Biers feiern. Bestimmt mit einem Glas "Doms Alt".

Quelle: NGZ
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