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Mein Lieber Nachbar
Seit 80 Jahren füreinander da

Neuss. Die Nachbarschaftsgemeinschaft Linning hat 209 Mitglieder. Von Bärbel Broer

Vorst Ein Prachtboulevard ist der Linning in Vorst keineswegs. Aber die schmale Straße, an deren Seiten sich ältere verklinkerte Häuser mit großen, teils imposanten Neubauten, Mehrfamilienhäusern und großen Höfen bunt aneinanderreihen, ist eine Straße mit langer Tradition. Denn dort ist seit 1935 die Nachbarschaftsgemeinschaft Linning zuhause. Die Straßen Forellenweg, Weifelsweg, Austernweg, Breiter Deich und Im Röschelt gehören ebenfalls dazu. und: Auch wenn sich die gesellschaftlichen Strukturen seitdem stark verändert haben, ist sie immer noch ein intakter Zusammenschluss von nunmehr 83 Familien.

"Wir haben insgesamt 209 Mitglieder", erzählt Gisela Kallmann, Mitglied des Vorstands. "Das sind etwa 70 Prozent aller Anwohner hier", fügt Alois Kaulen hinzu. Der heute 80-Jährige war rund 20 Jahre lang Vorsitzender der Nachbarschaftsgemeinschaft. Gemeinsam mit Klaus Fleischmann, der noch im Vorstand aktiv ist, erzählen sie stolz davon, dass sie mittlerweile auch viele jüngere Mitglieder gewinnen konnten. "Wir waren schon eine sehr überalterte Nachbarschaft, sind es zum Teil immer noch", so Kaulen. Doch die Nachbarschaftshilfe hat die vielen Generationenwechsel recht gut überstanden. "Früher waren es etwa fünf Prozent der Nachbarn, die nichts mit unserer Gemeinschaft am Hut hatten. Jetzt sind es etwa 30 Prozent", sagt Kaulen. "Aber die Welt ist anders geworden. Jeder hat so viel um die Ohren, da ist es schwierig, jemanden für ehrenamtliche Tätigkeiten zu gewinnen."

Als sich die Gemeinschaft 1935 gründete, war die Hauptaufgabe der 21 Familien, Hilfestellung bei Todesfällen zu leisten. "Pro Todesfall wurden damals 50 Pfennige von jedem Haushalt eingesammelt. Die Nachbarn trafen sich im Trauerhaus und boten ihre Hilfe an. Der Sarg des Verstorbenen wurde von den Nachbarn zum Grab getragen", so steht es in der Chronik zum 65-jährigen Bestehen im Jahr 2000. Aus der reinen Notgemeinschaft entwickelte sich im Laufe der Jahre eine Initiative mit anderen Akzenten. Das Aufrechterhalten unserer Nachbarschaft stehe im Vordergrund, beschreibt Gisela Kallmann die Ziele. Um das Wir-Gefühl zu stärken, gibt es Geburtstagsgrüße für die über 70-Jährigen, Aufmerksamkeiten zu Silber- und Goldhochzeiten, ein Sommerfest für alle sowie eine Weihnachtsfeier für die Senioren. Seit es die Gaststätte im Dorfkern nicht mehr gibt, sei es aber schwieriger geworden, Orte für gemeinsame Feste zu finden. Im Sommer könne auf dem Hof der zweiten Vorsitzenden Rita Schmitz gefeiert werden. "Die Weihnachtsfeier machen wir jetzt zum ersten Mal im Café Einblick."

Der Vorstand hat sich mittlerweile deutlich verjüngt. Vorsitzender der Nachbarschaft Linning ist Michael Ehlenbeck, seine Stellvertreterin Rita Schmitz. "Von den acht Mitgliedern hat jeder einen Bezirk, den er betreut ", erklärt Fleischmann. Nach einer gewissen Zeit der Eingewöhnung werden auch die Neuhinzugezogenen persönlich begrüßt. Dann stelle sich schnell heraus, ob diese interessiert sind, sich zu beteiligen. Zehn Euro pro Jahr pro Haushalt werden gesammelt - für die diversen Aktivitäten. An das Sommerfest im vergangenen Jahr erinnern sich alle drei gerne: "So viele Kinder sind noch nie da gewesen."

Quelle: NGZ
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