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Neuss
Senioren üben Einstieg in den Bus mit dem Rollator

Neuss. Eigentlich weiß Heinrich Burchartz, wie man in den Bus einsteigt. Der Senior ist mit seiner Frau Helga schließlich täglich mehrere Stunden in der Stadt unterwegs. Und das soll sich auch nicht ändern, da er nun auf den Rollator angewiesen ist. Doch mit der Gehhilfe in den Bus zu kommen, das bereitet nicht nur ihm, sondern vielen Senioren oft Probleme. "Es ist eigentlich sehr einfach, aber man muss die Tricks erst einmal gesehen haben", sagt Polizist Franz-Josef Baumeister und legt los. Und viele Senioren schauen ihm dabei zu. Von Judith Jakob

Diesen Freitag hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) zum ersten Rollatortag ausgerufen. Die Stadtwerke Neuss luden dazu Senioren ein, auf dem Platz vor dem Romanuem den sicheren Umgang mit dem Rollator zu lernen. "In Bussen beobachten wir steigende Unfallzahlen im Zusammenhang mit Rollatoren. Daher ist es wichtig, dass die Fahrgäste lernen, wie sie sich sicher mit dem Rollator im Nahverkehr bewegen", sagt Jörg Steinfort von den Stadtwerken. Denn genau so wie beim Fahren eines Autos oder beim Fortbewegen mit dem Fahrrad muss die richtige Handhabung des Fahrgeräts gelernt werden.

Dass Senioren auch mit eingeschränkter Mobilität weiter selbstständig unterwegs sein können, ist ein wichtiges Anliegen von NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD). Er besucht die Aktion am Romaneum als Schirmherr des landesweiten Rollatortags. "Unser städtischer Straßenraum ist nicht nur für Autofahrer und Fußgänger gedacht, sondern muss für alle Menschen und ihre Bedürfnisse angepasst sein", sagt er. Daher sei es auch ein erklärtes Ziel, Barrieren im Alltag noch schneller abzubauen. "Sich im Umgang mit dem Rollator auszukennen, ist ein echter Mobilitätsgewinn", sagt Groschek. Auch der stellvertretende Bürgermeister Reiner Breuer besucht die Aktion und übt das Einsteigen mit dem Rollator in den Bus.

Unterdessen zeigen die Polizeibeamten Baumeister und Mike Schween, wie man den Rollator mit Hilfe des Fußes elegant ankippen kann, um ihn somit vom Bussteig in den Bus zu bekommen. Denn ihn aus der Hocke heraus anzuheben, dass können die meisten Senioren nicht mehr. "Ich weiß, dass viele von Ihnen Sorge haben, dass Sie nicht rechtzeitig in den Bus kommen. Sie werden dann hektisch und dadurch erhöht sich das Unfallrisiko", sagt Baumeister verständnisvoll zu den Übenden. Aber Hektik am Bussteig sei überhaupt nicht nötig. Der blaue Türöffnerknopf sei für genau die Fahrgäste angebracht, die etwas Zeit zum Einsteigen benötigen. "Wenn der blaue Knopf gedrückt wurde, dann schaltet sich die automatische Türschließung im Bus aus. Der Fahrer schließt die Türen dann, wenn er gesehen hat, dass der Fahrgast auch sicher eingestiegen ist", erklärt Jörg Steinfort von den Stadtwerken.

Die Senioren freuen sich über den Aktionstag. "Ich habe sehr viel Nützliches gelernt, und Spaß hat es auch gemacht", sagt Heinrich Burchartz. Auch ihm war am Anfang nicht klar, dass es gefährlich werden kann, vorwärts aus dem Bus auszusteigen und sich dabei auf den Rollator zu stützen. Zusammen mit Polizist Mike Schween üben die Senioren, die Griffleisten der Bustüren zu nutzen um auszusteigen. Erst dann wird der Rollator aus dem Bus gezogen. "Die Übungen haben mich viel sicherer gemacht. Toll, dass ein solches Training angeboten wird. Wenn ich andere Senioren treffe, die nicht so sicher unterwegs sind, kann ich mein Wissen jetzt auch weitergeben", sagt Burchartz. Und zieht zufrieden davon. Sein Rollator macht's möglich.

Quelle: NGZ
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