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Neuss
Sensationeller Bandoneonist veredelt Konzert

Neuss. Héctor Ulises Passarella spielt mit der Deutschen Kammerakademie Neuss im Zeughaus.

Auf eine lohnenswerte, musikalisch mitreißende Reise in die Neue Welt nahm jetzt die Deutsche Kammerakademie Neuss am Rhein (DKN) die Zuhörer im voll besetzten Zeughaus mit. Sie führte direkt nach New York, wo Vittorio Giannini als hoch angesehener Komponist lebte.

Sein "Concerto grosso for strings" (1945) ist eine neobarocke, romantische Rückkehr zum klassischen Europa, woher seine Vorfahren stammten. In feinstem Suitencharakter stehen sich zu Beginn stürmisches Tutti und Solo-Concertino - mit Chefdirigent Lavard Skou Larsen an der 1. Violine - gegenüber. Sein Solo im zweiten Satz, einer Arie, verklingt bei Trauermarsch-Akkorden aller Streicher und gezupften Bässen geradezu geheimnisvoll. Das Finale hat nicht mehr die Leidenschaft des ersten Satzes, überrascht aber mit einem ausgedehnten Glissando aller Streicher am Ende. Das war technisch tadellos, wie man es bei der DKN erwartet.

Alle Stimmführer sind ausgezeichnete Solisten. Das erfuhren die Zuhörer eindrucksvoll beim ersten Satz des "Concerto per archi" des 1983 verstorbenen argentinischen Komponisten Alberto Ginastera. Die "Variationen für Solisten" spielten Fenella Humphreys (1. Violine), Jackie Xiao (2. Violine), Danka Nikolic (Bratsche), Milan Vrsajkov (Violoncello) und Vilmos Buza (Kontrabass) perfekt zwischen Inbrunst und Temperament. Nach einem angstvollen "Adagio" präsentiert sich dann wieder das ganze Orchester im "Finale furioso" in hervorragender Klasse.

Alberto Ginastera unterrichtete ab 1940 seinen Landsmann Astor Piazolla in Kompositionstechniken. Dessen "Konzert für Bandoneon, Streicher und Schlagzeug" (1979) wurde zum Höhepunkt der Matinee. Gewaltige Paukenschläge eröffnen das Konzert, viel Schlagwerk bestimmt den Rhythmus, virtuose Läufe, Glissandi und jähe Zäsuren fordern die Streicher, Klavier und Harfe ergänzen das Klangbild, im Bandoneon - eine auf den Knien gehaltene Art des Akkordeons - bleibt der Tango stets hörbar. Wunderbar das wehmütige Bandoneonsolo im langsamen Mittelsatz, der mit Solovioline und Harfe zum Trio erweitert wird.

Mit dem Uruguayer Héctor Ulises Passarella, einem der weltbesten Bandoneonspieler, hatte die DKN einen sensationellen Solisten verpflichtet. Zur Aufführung kam auch seine eigene "Suite Rioplatense für Bandoneon, Streicher und Schlagzeug". Vieles erinnerte an Piazollas Konzert, gleichwohl gab es viele Bravos und regelrechten Jubel, der vor allem dem überragenden Virtuosen galt. Mit gleich drei Zugaben dankte der sympathische Südamerikaner einem begeisterten Publikum.

(Nima)
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