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Neuss
Shakespeares "Richard" ist für das Globe gemacht

Neuss: Shakespeares "Richard" ist für das Globe gemacht
Alfons Philipp Heitmann spielt die Titelrolle in "Richard III." und war damit auch im Globe zu Gast. FOTO: Björn Hickmann
Neuss. Das RLT war beim Festival mit Bettina Jahnkes "König Richard III." vertreten und hat großen Erfolg gehabt.

Schauspieler Alfons Philipp Heitmann ist vorsichtig, Bettina Jahnke spart nicht mit Superlativen: "Es ist sehr gut gelaufen", sagt er, und sie sagt: "Es war gigantisch." Beide meinen dasselbe - Jahnkes Inszenierung von Shakespeares "Richard III." mit Heitmann in der Titelrolle beim Shakespeare-Festival im Globe. Nach der Premiere Mitte Mai und fünf weiteren Aufführungen im eigenen Haus, dem RLT, haben Ensemble und Regisseurin für ihren Abstecher dieses Mal nur die Straße überqueren müssen. Zwei Aufführungen standen auf dem Spielplan des Festivals, beide so gut wie ausverkauft und beide sind mit "tosendem Beifall", wie Jahnke glücklich anmerkt, zu Ende gegangen.

Dabei war sie sich zunächst nicht sicher gewesen, ob die sehr dunkel gehaltene Bühne für ihren "Richard" im Globe überhaupt herzustellen ist. "Aber das war kein Problem", sagt sie, "wir konnten auch unsere Natriumdampflampen, die ich unbedingt wegen ihres anderen Lichts haben wollte, mitnehmen." Und vor allem am ersten Abend hat das trübe Wetter dem Ensemble noch geholfen: "Zum Glück hat der Regen rechtzeitig aufgehört, die Geräuschkulisse wäre fürchterlich gewesen." Die wesentlich kürzeren Wege auf der Bühne haben sich die Schauspieler in einer eineinhalbstündigen Probe erarbeitet.

So waren die Stücke beim Shakespeare-Festival 2016 FOTO: Björn Hickmann

So richtig schief gegangen ist eigentlich nur eins: Am ersten Abend machten die Kerzen, die Heitmann als Richard anzündet, nicht mit. "Ja", sagt Heitmann und lacht, " das habe ich dann einfach mitgespielt, und zum Glück passte es auch zu Richard." Jahnke geriet hinter der Bühne kurz in Wut, aber musste akzeptieren: "Die Luft im Globe war durch den Starkregen zu feucht."

Beide aber haben festgestellt, dass gerade dieses Drama einst für das Globe geschrieben worden ist. "Das ist mir während des Spielens bewusst geworden", sagt Heitmann, "da war plötzlich eine zweite Ebene im Denken." Er hat zum ersten Mal überhaupt in einem Theater wie dem Globe gespielt und ist begeistert von der Nähe zum Publikum: "Ich habe auch gespürt, dass die Zuschauer nicht wie sonst im Theater vereinzelt sind. Im Gegenteil, sie waren sehr beieinander."

Gerade in Jahnkes Lesart des König Richard "spricht" er mit den Zuschauern, teilt ihnen seine Gedanken und Pläne mit. Was für die Guckkastenbühne wie im RLT gut und intensiv geprobt werden musste, wie Jahnke sagt, geht im Globe ganz selbstverständlich von der Hand: "Es ist da vollkommen logisch, dass man von der Bühne direkt mit dem Publikum redet", sagt Heitmann.

Auch Bettina Jahnke, die schon mit ihrer Fassung vom "Sommernachtstraum" Teil des Festivals war, reagiert mit so viel Begeisterung, dass sie an sich feststellt: "Zum ersten Mal habe ich Lust bekommen, ein Stück nur für das Globe zu inszenieren."

(hbm)
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