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Neuss
Sie kocht und kocht und kocht

Neuss. Gitta Jacoby war Ende 50, als sie sich mit einem Frühstücks-Service selbstständig macht. Heute, sieben Jahre später, betreibt sie das Bistro im Ariston-Haus. Jacobys nächster Plan: Sie will junge Kunst im Bistro zeigen. Von Barbara Grofe

120 Stunden Arbeit in der Woche, kaum Urlaub und Verantwortung für zehn Mitarbeiter – was für viele Menschen nach dem blanken Horror klingt, ist Gitta Jacobys Traum. Die Neusserin ist 65 Jahre alt und hat sich erst vor sieben Jahren selbstständig gemacht – zunächst mit einem Frühstücks-, dann mit einem Partyservice. Heute leitet sie das Casino-Bistro im Ariston-Haus und verkauft bis zu 150 Mittagessen täglich.

Bevor sich Gitta Jacoby 2003 selbstständig macht, hat sie noch nie in der Gastronomie gearbeitet, dafür aber hobbymäßig und leidenschaftlich gekocht. Als 13-Jährige legt sich Gitta Jacoby mit ihrer Hauswirtschaftslehrerin an, weil die ihr erklärt, jede dunkle Soße würde mit Tomatenmark gemacht. Jacoby widerspricht und sichert sich auf diese Weise ewig schlechte Noten im Fach Hauswirtschaft. Gitta Jacoby ist das egal. Sie weiß schließlich, dass es auch ohne geht.

Jacoby macht eine Ausbildung zur Postbeamtin, weil der Vater das so will. Sie wechselt irgendwann in ein Reisebüro, um andere Leute an die Orte zu schicken, die sie selbst gern besuchen würde, und arbeitet dann lange von zuhause, als die Kinder auf der Welt sind. Gitta Jacoby macht Übersetzungen und Büroarbeit, was so anfällt und vor allem immer irgendetwas. "Ich habe nie aufgehört zu arbeiten", sagt sie. Dann kommt das Jahr 2003 und mit ihm die Chance, einen kleinen Frühstückssservice für Unternehmen anzubieten.

Das Ladenlokal in Kapellen streicht Jacoby selbst, fährt in Möbelhäuser und kauft sich ihre Einrichtung zusammen. Die Anfragen häufen sich, Gitta Jacobys Frühstück ist beliebt. Bald gibt es nicht mehr nur Frühstück, sondern all das, was ein echter Partyservice bietet. 2008 werden ihr die Räume im Ariston-Haus angeboten. "Das Ding hatten zwei Leute vor mir schon an die Wand gefahren", sagt Gitta Jacoby, "und genau deshalb hat es mich gereizt." Sie will schaffen, was Menschen vor ihr nicht geschafft haben.

Jacoby sagt zu, obwohl der eine oder andere sagt, sie sei verrückt und obwohl ihre Kinder erklären, sie könnte doch schon in Rente gehen. Rumsitzen ist nichts für die Mittlerweile-Gastronomin. Sie macht die rund 500 Quadratmeter zu ihrem Bistro, bietet Mittagstisch an und am Morgen noch immer Brötchen. Und ist – auch, wenn manchmal Sachen schiefgehen – glücklich darüber, sich für die Gastronomie und für die neuen Räume entschieden zu haben.

Nicht nur, weil ihre Karriere dadurch in Schwung kam, sondern auch, weil Gitta Jacoby eine andere geworden ist. "Ich sehe jünger aus als ich bin – das sagen die Leute wenigstens immer", sagt Jacoby. Und: Früher, bevor sie auf 120 Wochen-Arbeitsstunden kam, hatte sie immer irgendein Wehwehchen – heute so gut wie keins. "Dann ist es wohl das Richtige", sagt Gitta Jacoby.

Info Öffnungszeiten und Gerichte unter www.jacobys.de

Quelle: NGZ
 
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