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Neuss
Sinfonie zu Kammermusik gemacht

Neuss. Das Konzert der Deutschen Kammerakademie überzeugte mit "Klangzauber".

Die Deutsche Kammerakademie Neuss am Rhein (DKN) eröffnete die neue Saison im nahezu lückenlos besetzten Zeughaus durchaus auf vielen Positionen verändert. Davon unberührt ist aber die Klasse dieses Orchesters. In den "Four Canzonas" des neuseeländischen Komponisten Douglas Lilburn begeisterte das Ensemble mit dem satten, feinen Streicherklang, der die DKN-Fangemeinde kontinuierlich wachsen lässt.

Den "Canzonas" für Streicher, zwischen 1943 und 1950 entstandene instrumentale Gesänge zu großer europäischer Literatur, ist nicht anzuhören, dass der Komponist sich seit 1960 nahezu ausschließlich mit elektronischer Musik beschäftigte. Zu sehr sind sie der Spätromantik seines Lehrers Ralph Vaughan Williams verhaftet: Im ersten Lied machen die zweiten Violinen ein melancholisches Thema auf, das in der Wiederholung der sauberen Violoncelli noch viel trauriger klingt. Anmutiger die zweite Canzona für Solovioline und Streichquartett. Die niederländische Violinistin Eva Stegeman, in diesem und dem nächsten Konzert auch DKN-Konzertmeisterin, gestaltete das "Lied von der Weide" auf ihrer Rogeri (von 1681) zauberhaft verhalten.

Um Bläser erweitert zollte die DKN dann mit Mozarts im Juli 1788 entstandenen Meisterwerk "Sinfonie Nr. 40 g-Moll" dem Thema des Konzertes "Klangzauber" beinahe ausgelassen Tribut. Chefdirigent Lavard Skou Larsen nahm Mozarts "Molto allegro" wörtlich, beschleunigte den "Mannheimer Seufzer" zu Beginn fast zum Tanz und hellte die düstere Grundstimmung des Werkes mit zupackender Interpretation gründlich auf.

Im Trio des dritten Satzes offenbart sich die große Klasse der ausgewählten Bläser in bis zum äußerst heiklen Horn-Solo lichtklarem Spiel. Nach einem wiederum zupackenden Finalsatz konnte selbst Lavard Skou Larsen nicht darauf verzichten, seinem Ensemble ausgiebig zu applaudieren.

Dem Klangzauber am ehesten aber entsprach die "Sinfonie in E-Dur" von Anton Bruckner - und zwar in einer außerordentlich fesselnden Kammermusikfassung. Das gewaltige Original-Blech - alleine vier Wagner-Tuben - wird durch vierhändiges Klavierspiel realisiert. Flöten, Klarinetten, Oboen ersetzen ein Harmonium, alle Streicher spielen eigene Stimmen, lediglich eine Klarinette und ein Horn bleiben in der von Arnold Schönbergh 1921 initiierten Fassung übrig.

In diesem höchst originellen Arrangement großer Symphonik wird Bruckners Satzkunst geradezu verführerisch gut durchhörbar, die ohnehin populärste Sinfonie Bruckners wurde in dieser selten aufgeführten und von der DKN begeisternd ausgeführten Fassung zum Hörerlebnis. Lautstarker Jubel belegte dies.

(Nima)
 
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