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Neuss
So idyllisch ist es im schönsten Garten der Stadt

Neuss: So idyllisch ist es im schönsten Garten der Stadt
Ingrid Schimz kümmert sich alleine um ihren 600 Quadratmeter großen Garten. Sie hat viel zu tun, genießt die Arbeit aber. FOTO: Woitschützke Andreas
Neuss. In der offiziell schönsten Kleingartenanlage in Neuss trägt jeder Garten seine ganz eigene Handschrift. Jede einzelne der 53 Parzellen erzählt eine Geschichte - so unterschiedlich wie die Menschen, die sich in den Gärten entspannen und arbeiten. Von Christian Kandzorra

Was sofort auffällt: die Idylle in der Anlage mit dem außergewöhnlichen Namen, den sie schon vor rund 90 Jahren erhalten haben soll. Es ist ein gut gepflegter Kleinod, der aber einen klaren Schwerpunkt hat: den Gemüse- und Obstanbau.

Vereinsvorsitzender Andreas Schmidt (l.) zeigt Uwe Dohlheimer Fleischtomaten in seinem Gemüsegarten. FOTO: a. woitschützke

Davon zeugt vor allem der Garten von Andreas Schmidt. Der 60-Jährige ist seit März Vorsitzender des Kleingartenvereins "Im Zöör" und mit fast allen Gärtnern dort per Du. Zwischen Bohnen, Tomaten, Weintrauben, Kartoffeln, Kohlrabi, Karotten und Co. behält er den Überblick. Der Garten ist das große Hobby des Neussers, der wie die meisten sehr viel Zeit in die Pflege des Grüns steckt. Der Einsatz der Gärtner trägt buchstäblich Früchte: Erst im vergangenen Jahr ist die gut 30.000 Quadratmeter große Anlage zur schönsten der 28 im Stadtgebiet ausgezeichnet worden.

Zu dem Erfolg tragen die einzelnen Gärtner bei. Warum sich viele die Mühe machen und ihr eigenes Gemüse dort anpflanzen, erklärt Kleingärtner Uwe Dahlheimer: "Das eigene Gemüse schmeckt meist besser. Wir wissen, dass es nicht behandelt ist, die Herkunft ist eindeutig nachvollziehbar." Nach der Ernte können die Gärtner mit dem Gemüse kochen, das sie selbst großgezogen haben. "Das ist der Reiz", sagt Dahlheimer, der jede freie Minute nutzt, um im Kleingarten mit seiner Frau vom stressigen Berufsalltag abzuschalten.

Kümmert sich auch um die Deko: Heinrich Olzem pflegt eine Doppel-Parzelle gemeinsam mit seiner Frau - seit 35 Jahren. FOTO: Woitschützke Andreas

Auf der Parzelle von Heinrich Olzem lächeln vor allem die Gartenzwerge: Er und seine Frau Magdalena legen auch Wert auf eine schöne Dekoration in ihrem Garten. Die beiden haben eine Art Stillleben aufgebaut - samt Holzsitzbank und kleinen, schick verzierten Blumen-kübeln. Für viele ist das Kleingarten-Romantik pur. "Im Sommer sind wir fast jeden Tag hier und genießen die Atmosphäre - gerne bei einem leckeren Stück Kuchen", erzählt Heinrich Olzem, der den 700 Quadratmeter großen Garten gemeinsam mit seiner Ehefrau pflegt. Das ist viel Arbeit; immer wieder fordern die Hecken, das Gemüse und die Rasenflächen den Einsatz des Neusser Ehepaars.

Ingrid Schimz, die ihren Garten auf der anderen Seite der Anlage hat, kümmert sich ganz alleine um ihre Fläche. "Ich versuche, dem Dschungel Herr zu werden", sagt sie mit einem Augenzwinkern. Vor fünf Jahren hat die 75-Jährige den Garten von ihrer Mutter übernommen und verbringt täglich bis zu fünf Stunden allein mit der Pflege. "Das Tun ist der Genuss", sagt sie, wenn es auch ganz schön anstrengend ist, etwa den "Frauenmantel" aus den Rillen auf dem Gehweg zu entfernen, der durch ihren Garten führt. "Die Pflanze hat sich versamt, da muss ich jetzt aktiv werden. Sonst wächst sie mir irgendwann über den Kopf." Interessant: Ingrid Schimz gestaltet ihren Garten mit einigen ihrer Kunstwerke. Und: An ihrem Häuschen hat sie eine ganze Sammlung von duftenden Kräutern - ein Hauch Provence mitten in Neuss.

Viele Gärtner - die Gemeinschaft ist mit Menschen, die ursprünglich aus Ländern wie der Türkei, Polen, Russland oder Italien kommen, recht international aufgestellt - sorgen auch für Hingucker an ihren Flächen: Vor allem mit außergewöhnlich schön blühenden Blumen oder eben mit Riesen-Zucchini, meterhohen XXL-Sonnenblumen und Tomaten, die fast schon aussehen wie kleine Kürbisse. Auch solche Superlative sind in der Kleingartenanlage "Im Zöör" zu sehen. Die Mitglieder des Vereins wollen ihre Anlage weiterhin so gut pflegen. Wenn sich die Gärten auch voneinander unterscheiden: Streitigkeiten soll es zwischen den Gärtnern kaum geben. "Wir pflegen untereinander einen sehr guten Kontakt", betont Vereinschef Andreas Schmidt. Vielleicht ist das auch das Erfolgsrezept der Anlage, die so beliebt ist, dass der Verein eine Warteliste für neue Mitglieder führen muss.

Quelle: NGZ
 
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