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Neuss
So raffiniert arbeitet Walter Rau

Neuss: So raffiniert arbeitet Walter Rau
Walter Rau im Hafen: Der Desodorierapparat vom Hafenbecken aus gesehen, oben die Raffinationsanlage, rechts Bernd Brinkmann aus der Geschäftsleitung. FOTO: Walter Rau AG
Neuss. Die Walter Rau AG presst nicht mehr selbst Saaten aus, sondern entwickelt Öl und Fett zu komplexen Produkten für Lebensmittel- und Kosmetik-Industrie weiter. Das Unternehmen ist erneut als Top-Innovator ausgezeichnet worden. Von Andreas Gruhn

McDonald's hatte viele kluge Einfälle in seiner Firmengeschichte. Einer davon ereilte einen findigen Kopf der Schnellrestaurant-Kette in der ersten Hälfte der 1980er Jahre: Öl und Fett aus Neuss liefern zu lassen, von der Walter Rau AG. Das ist bis heute so. Wenn in mehr als 20 Ländern in Europa ein McDonald's-Mitarbeiter Frittenfett in die Fritteuse kippt, kommt es aus der Raffination des Traditionsbetriebs im Neusser Hafen. Die Fastfood-Schmiede mit dem goldenen "M" ist der bekannteste Kunde der traditionsreichen einstigen Ölmühle, die im Hafen rund 200 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Walter Rau Neusser Öle und Fette AG geht zurück auf die 1887 am Hafenbecken I gegründete Firma Simons & Söhne, die 1929 von Walter Rau übernommen wurde. Das Unternehmen ist heute Kernstück der Industrie am Hafen. 2007 stellte das Unternehmen die Presserei von Kokosöl ein und ersetzte es durch die Produktion von Rapsöl. Wenige Jahre später wurde auch Raps nicht mehr gepresst, die Anlage wurde 2012 nach Pakistan verkauft. Seitdem ist Walter Rau Spezialist für die Raffination von Ölen und Fetten. Dabei werden die Öle unter anderem desodoriert, um unerwünschte Geruchs- und Geschmacksstoffe zu entfernen. Auch die Verpackung erfolgt im Werk - für McDonald's im speziellen 7,5-Liter Beutel im Karton. "Öl und Fett hört sich einfach an, aber dahinter stecken jede Menge technische Details", sagt Bernd Brinkmann, Mitglied der Geschäftsleitung. Aus etwa 50 verschiedenen Rohstoffen werden in Neuss für mehr als 400 Kunden mehr als 400 Produkte konzipiert und produziert.

Aus den Rohstoffen Kokosöl, Palmkernöl, Palmöl, Rapsöl und Sonnenblumenöl, die aus der Nachbarschaft, aber auch von weit her angeliefert werden, werden komplexe Produkte für Kunden in der Lebensmittelindustrie, aber auch in der Kosmetik-Branche. "Unsere Stärke ist, individualisierte Wünsche des Kunden zu erfüllen. Wir haben uns diese Nische ausgesucht: Knifflige Anfragen für große Marken. Wir sind ein Kümmerer und überlegen uns im Team, wie wir helfen können", sagt Bernd Brinkmann. "Jedes Produkt stellen wir speziell für einen Kunden her, dann aber auch in entsprechenden Mengen." Mehr als 15 Prozent des Deckungsbeitrages werden mit neuen Produkten, die jünger als drei Jahre sind erwirtschaftet. Der Umsatz stieg 2014 um 5,4 Prozent auf etwa 280 Millionen Euro.

Dafür braucht es viele kluge Köpfe. Um die Produkte eng mit den Kunden entwickeln zu können, hat das Unternehmen einen eigenen Geschäftsbereich aufgebaut: das "Customer Solution Center" (CSC), in dem 20 Beschäftigte aus Marketing, Forschung und Entwicklung, Anwendungstechnik, Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement zusammen mit den Kunden Lösungen aus Öl und Fett für komplexe Anforderungen erarbeiten. "Aus der ,Verkäufer trifft Einkäufer'-Situation ist ein Treffen von Experten geworden, die gemeinsam Lösungen suchen", sagt der Vorstandsvorsitzende Franz te Baay. Dafür wurde das Unternehmen im Juni als eines der 100 innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand ausgezeichnet. "Wir legen Wert darauf, uns in dieser Richtung weiter zu entwickeln. Öl und Fett werden weiterhin gebraucht", sagt Brinkmann, der das CSC leitet. "Der Bedarf an Nahrungsmitteln wächst, und die Anforderungen an die Produktion ebenfalls."

Quelle: NGZ
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