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Neuss
"Solar-Geschäft ist härter geworden"

Neuss: "Solar-Geschäft ist härter geworden"
Shigeru Koyama. FOTO: woi
Neuss. Shigeru Koyama, Europapräsident des japanischen Technologiekonzerns Kyocera Fineceramics, hat mit der NGZ über den Preisdruck im Photovoltaik-Geschäft, innovative Solarentwicklungen und neue Geschäftsfelder gesprochen. Neuss ist für Kyocera ein wichtiger Vertriebsstandort.

Herr Koyama, Kyocera Fineceramics ist vor allem bekannt durch seine Solarmodule. Die haben in letzter Zeit allerdings Konkurrenz aus China bekommen. . .

Shigeru Koyama Die chinesische Konkurrenz setzt auf enorm große Stückzahlen – doch Quantität ist nicht Qualität, das zeigen auch langfristige Studien an Solarmodulen. Wir sehen uns als Premium- Marke, die hohe Standards nicht nur bei der Fertigung, sondern auch im Kundenservice setzt – etwa mit Technologie-Zentren wie hier in Neuss.

Die Kunden schauen aber stark auf den Preis – ein Grund dafür, dass viele deutsche Solarfirmen insolvent sind wie Solar Millenium oder hohe Verluste machen wie Conergy. Wie ist die Situation bei Kyocera?

Koyama In Megawatt gesprochen sind unsere Verkäufe stabil geblieben – aber weil die Modulpreise fallen, geht der Umsatz zurück. Das Geschäft ist härter geworden, allerdings weisen wir immer noch Profit aus – wenn auch in geringerem Umfang als noch vor zwei Jahren.

Welche Strategien verfolgt Kyocera, um die Umsätze zu steigern?

Koyama Der Vorteil unseres Unternehmens ist, dass wir breit aufgestellt sind und zu den Qualitäts- und Innovationsführern zählen. Kyocera Fineceramics stellt nicht nur Solarmodule her, sondern verfügt über acht Produktbereiche, darunter etwa Zerspanungswerkzeuge, Feinkeramikbauteile und Automobilkomponenten, die derzeit starke Wachstumsraten zeigen. Diese Teilbereiche wollen wir ausbauen, um die Abhängigkeit von der Photovoltaik zu mindern und um im nächsten Jahr wieder zweistellig zu wachsen.

Derzeit bringt die Solartechnik bei Kyocera Fineceramics einen Umsatzanteil von weniger als einem Drittel.

Koyama Deswegen müssen wir in diesem Bereich versuchen, noch besser zu werden und der Konkurrenz aus China einen Schritt voraus zu sein. Wir wollen uns nicht nur auf das Modulgeschäft konzentrieren, sondern den Kunden All-Inclusive-Pakete bieten. In Japan läuft bereits ein Pilotprojekt, bei dem wir Solarmodule auf Hausdächern mit Batterien koppeln, die überschüssige Energie speichern, so dass diese zum Beispiel nachts genutzt werden kann. Diese Häuser sind unabhängig vom regulären Stromnetz.

Überschüssiger Strom wird also nicht mehr ins Netz eingespeist, sondern komplett selbst verwertet.

Koyama Womit wir ein System schaffen, dass unabhängig ist von staatlicher Förderung, die derzeit in Deutschland sowieso massiv gekürzt wird.

Wann wird dieses Komplett-System in Deutschland erhältlich sein?

Koyama Noch sind wir in der Projektphase, hoffen aber, dass wir das Konzept im Juni auf der Messe Intersolar in München vorstellen können.

Wie kompensieren Sie den derzeit sehr hoch bewerteten Yen, der japanische Produkte verteuert?

Koyama Bei einigen Produkten ist es tatsächlich ein Problem, vor allem bei Hochtechnologie-Produkten, die wir nur in Japan produzieren.

Hat die Katastrophe von Fukushima noch Auswirkungen auf die Produktion?

Koyama Wir haben zwei Fabriken, die leichte Schäden hatten, doch schon nach zwei Wochen konnten wir die Produktion wieder hochfahren. Daher gibt es keine Einschränkungen, die zu Teuerungen führen könnten.

Für den Vertrieb der Produkte in Deutschland sind unter anderem die Neusser Kollegen zuständig.

Koyama Neuss ist nach unserer Zentrale in Esslingen wichtigster Standort für den Vertrieb, außerdem haben wir hier unser Technologie-Zentrum, wo Kunden Zerspanungswerkzeug testen können. Mit Neuss ist Kyocera schon lange verbunden: Immerhin sind wir seit 1988 hier an diesem Standort.

Hanna Koch führte das Gespräch mit Shigeru Koyama.

Quelle: NGZ
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