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Neuss
Sommernachtstraum als pure Comedy

Neuss: Sommernachtstraum als pure Comedy
Titania (Matthew Seager) entert die Bühne im Globe - wie es sich für eine fliegende Elfenkönigin gehört, mit ganzer Flügelbreite. FOTO: Christoph Krey
Neuss. Die Handlebards aus London haben zum ersten Mal im Globe gespielt. Zu gern will man sie wiedersehen. Von Helga Bittner

Die Kulisse hat etwas von einer Wanderbühne. Alte Vorhänge hängen über einem Seil, ein bisschen dekoriert mit Trockenblümchen, rechts und links sind Lücken gelassen zum Rein- und Rausschlüpfen. Selbst das Fahrrad passt, reicht es doch als Transportmittel für dieses genügsame Bühnenbild, in dem gleich Shakespeares ganzer "Sommernachtstraum" gespielt werden soll. Von vier Schauspielern. In 16 Rollen. Die Elfen nicht mal mitgerechnet.

Schnelligkeit gehört also zum täglich Brot der Handlebards' aus London, die zum ersten Mal zum Shakespeare-Festival eingeladen sind. Und hoffentlich nicht zum letzten Mal. Tom Dixon, Callum Brodie, Calum McIntosh und Matthew Seager scheinen selbst den größten Spaß zu haben, dieser Viel-Personen-Geschichte jede Romantik auszutreiben und sie stattdessen als reine Comedy zu zeigen.

Die Handlebards spielen mit dem, was auf ein Fahrrad passt. Das ist zum einen ihr Credo. Ein anderes: Wenn wir Darsteller brauchen, holen wir sie uns aus dem Publikum. So werden aus Jörg und Norbert Elfen, die vorab instruiert und mit einem elfentypischen Kostüm versorgt werden, obwohl sie doch wie jeder andere Zuschauer, nichts Böses ahnend, einfach nur dasitzen. Noch schlimmer ergeht es sechs anderen, die fürs Schlussbild auf die Bühne geholt werden und auch noch Sätze von sich geben müssen. Weil aber alle vier Ensemblemitglieder zwei Stunden lang nicht davor zurückscheuen, sich selbst auch zum Affen zu machen, ist daran nichts peinlich, wirkt diese unfreiwillige Zuschauerbeteiligung am Bühnen-Geschehen wie selbstverständlich.

Mindestens vier Rollen übernimmt jeder der Handlebards' (von Fahrradlenker = handlebars, mit einem "d" als Hommage an den Barden Shakespeare). Müsste er in zweien zu sehen sein, wird so getan als ob: Da steht Lysander als Jacke auf der Bühne, wenn Calum McIntosh als Hippolyta spricht. Pucks Umhang hängt an einem Haken, wenn Callum Brodie zur Hermia wird, Helenas Rock an einem Bügel, wenn Tom Dixon den Handwerker Bottom gibt und des Herzogs Kopfschmuck (ein Fahrradhelm!) am ausgestreckten Arm eines Mitspielers, wenn Matthew Seager sich in Demetrius verwandelt. Wobei die Rollen so geschickt auf die Vier verteilt sind, dass weder das Hin- und Herspringen noch der Rollen-Stellvertreter als solcher zum überreizten Gag wird. Da braucht es nicht mal die Fahrradklingel, die jeder Darsteller passend in der Farbe seines Kostüms am Finger trägt, und die er jedes Mal zum Klingen bringt, wenn er die Rolle wechselt.

Dass die Inszenierung von James Farrell ein Riesenspaß ist, hängt auch mit dem Globe an sich zusammen. Ohne die Nähe zum Publikum, das eher Komplize im Spiel als nur Zuschauer ist, würde die Bearbeitung nicht funktionieren. Das Spielfeld für die Handlebards muss klein und eng sein - dann gelingt ihnen mit hoher Professionalität schönstes Wanderbühnen-Theater.

Quelle: NGZ
 
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