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Neuss
SPD kehrt Arbeitskreis Sport den Rücken

Neuss: SPD kehrt Arbeitskreis Sport den Rücken
Nicht immer läuft in der Sportpolitik alles so rund wie in der Rhönrad-Abteilung der TG Neuss. FOTO: Woitschützke, Andreas
Neuss. Ein Arbeitskreis soll ein Sportentwicklungskonzept vorbereiten. Es ist der dritte Versuch dazu. Nun kündigt die SPD ihre Mitarbeit dabei auf. Von Christoph Kleinau

Neuss Die SPD hat sich aus der Sportpolitik verabschiedet. Nichts anderes als das bedeutet nach Ansicht des Sportausschuss-Vorsitzenden Rolf Knipprath (CDU) die Entscheidung der SPD-Fraktion, ihre Vertreter aus der Arbeitsgruppe Sportentwicklung abzuziehen und statt dessen einen "Neusser Sportgipfel" zu fordern. Fordern könne sie den, sagt Knipprath, aber auf diesem Gipfel werde die SPD alleine bleiben. Die Arbeitsgruppe habe in der Vorwoche ohne SPD getagt und sei auch rasch zu Ergebnissen gekommen, die nun den Sportausschuss in einer Sondersitzung am 12. August beschäftigen werden.

Der Stadtsportverband, den sich die SPD als Moderator ihres "Gipfels" wünscht, war nach Angaben seines Vorsitzenden Wilhelm Fuchs immer ein Verfechter des Arbeitskreises, den der SPD-Fraktionsvorsitzende Arno Jansen SPD als "Geheimgremium ohne echte Beschlusskompetenz" verteufelt. Und Fuchs hält ihn weiter für das bessere Instrument, um einem Sportentwicklungskonzept näher zu kommen. Der Sportausschuss sei dafür zu groß - und zu öffentlich. "Man muss auch mal querdenken können", sagt er. Diese Linie markiert den Konflikt zwischen der SPD und allen anderen Fraktionen - Stadtsportverband eingeschlossen. Während Jansen und seine SPD auf eine "intransparente Hinterzimmerpolitik" schimpfen und argwöhnen, die Arbeitsgruppe solle nur genutzt werden, um "dringend benötigte Investitionen in die Sportinfrastruktur auf die lange Bank zu schieben", will Knipprath in dieser Runde "schwierige Entscheidungen gut vorbereiten". Ohne dass jeder Denkansatz gleich hinausposaunt und in der Konsequenz zerredet wird. Knipprath weiß, wovon er spricht, denn der Arbeitskreis ist schon der dritte, der einen Sportentwicklungsplan zustande bringen soll. Nach zwei Bruchlandungen soll nun im dritten Anlauf das Vorhaben bis zum kommenden Sommer zum Erfolg geführt werden. An diesen Plan stellt die Sportpolitik hohe Erwartungen. Er soll eine Perspektive für die nächsten 15 bis 20 Jahre eröffnen, Antwort auf die Frage geben, welche Bewegungsangebote in einer alternden Gesellschaft - und bei abnehmender Vereinsbindung -sinnvoll sind, aber auch, wie die Sportinfrastruktur an die immer schneller wechselnden Trendsportarten anzupassen ist. Nicht erst am Ende geht es also auch um Geld.

Eine neue Turnhalle muss her, sagt Knipprath - aber wohin? "Welche Sportanlage bekommt einen Kunstrasenplatz?", nennt Sportdezernent Stefan Hahn einen zweiten Reibungspunkt mit den Vereinen. Ohne nachvollziehbare Kriterien werde das kaum ohne Streit zu entscheiden sein. Es geht aber - und immer noch - auch um die Frage, welche Bezirkssportanlage benötigt wird und in welcher Größe. "Können wir schrumpfen, um Qualität zu erzeugen?", fragt Hahn, und ergänzt: Der bestehende Standard werde dauerhaft nicht zu finanzieren sein. "Ärger bekommen wir eh. Wenn wir aber nur den Vereinsvorsitzenden nachlaufen, kommen wir nicht weiter", sagt Knipprath. In diese Debatte will sich die Politik nicht ohne die professionelle Begleitung eines Sachverständigenbüros begeben. Das wurde im Arbeitskreis ausgesucht und soll im nächsten Sportausschuss beauftragt werden. Man sei gespannt, sagt Fuchs, "was die SPD dann macht".

Quelle: NGZ
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