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Wilhelm Fuchs
"Sportvereine müssen umdenken"

Wilhelm Fuchs: "Sportvereine müssen umdenken"
Der SSV Wilhelm Fuchs sieht eine sehr positive Entwicklung für den Sport in Neuss. FOTO: Lber
Neuss. Bei dieser Ausgabe war der Vorsitzendes des Stadtsportverbands Wilhelm Fuchs zu Gast auf dem blauen NGZ-Sofa. Gesprochen wurde über die aktuelle Sportsituation und den neuen Sportentwicklungsplan in Neuss.

Warum ist es so bedeutend für Neuss ein Teil der Tour de France zu sein?

Fuchs Mich freut es für den Radsport, der in den vergangenen Jahren viele Ohrfeigen einstecken musste. Für unsere Stadt ist dies natürlich eine gute Werbung und an einem Sonntag ein tolles Event für das Stadtmarketing. Außerdem verspreche ich mir davon einen Schub für unsere "Tour de Neuss".

Es herrscht das Gefühl, dass der Sport in Neuss keine Lobby hat.

Fuchs Dies trifft für die Vergangenheit zu. In letzter Zeit überschlägt sich die Politik in Sachen Sport. Sichtbare Zeichen sind die jüngsten Investitionen in die Infrastruktur wie das Leichtathletikzentrum und die neue Decke für den älteren der beiden Kunstrasenplätze beim HTC.

Wie ist Ihre Meinung zum neuen Sportentwicklungsplan. Die Stadt hat immerhin 50.000 Euro dafür investiert.

Fuchs Insgesamt bin ich froh, dass diese Studie nach drei vergeblichen Anläufen in den vergangenen zehn Jahren nun vorliegt. Es handelt sich um eine sehr umfangreiche Bestandsaufnahme mit wichtigen Handlungsempfehlungen für die sportliche Entwicklung unserer Stadt. Allerdings fehlen Ausführungen über einige Sportarten wie beispielsweise Handball, Hockey, Ringen und Wassersport. Ein wichtiger Komplex ist auf Bitten der Stadt komplett ausgeklammert, die Situation bei den Neusser Bädern.

Warum sind die Kunstrasenplätze so wichtig für die Bezirkssportanlagen?

Fuchs Unsere 15 Bezirkssportanlagen verfügen über mindestens einen Naturrasen und einen Allwetterplatz. Mit dem Aufkommen der Kunstrasenplätze in den vergangenen 25 Jahren gibt es eine zwar teure, aber wesentlich nutzungsintensivere Alternative. Hier gilt die Bezeichnung "Allwetterplatz" zu Recht.

Neuss hat 15 Betriebssportanlagen, die alle erhalten bleiben sollen. Düsseldorf ist viermal so groß und kommt fast auf die gleiche Zahl. Brauchen wir wirklich so viele?

Fuchs In der Vergangenheit gab es Untersuchungen, ob Anlagen geschlossen werden können. Da der Neusser Süden mit Bezirkssportanlagen gesegnet ist, war die Überlegung, dort zwei zu schließen. Dies ist aber nicht mehr Bestandteil des neuen Sportentwicklungsplanes. Dieser schlägt vor, Fußballzentren über die Stadt verteilt einzurichten, die dann über einen Kunstrasenplatz verfügen würden. Für die Auswahl dieser Zentren hat die Planungsgruppe objektive Kriterien festgelegt. Eine Entscheidung über die nächsten beiden Kunstrasenplätze steht unmittelbar an.

Die Sportstudie gibt auch Handlungsempfehlungen für den Stadtsportverband.

Fuchs Die Zusammenarbeit von SSV und unseren Vereinen ist durchaus noch ausbaufähig. Allerdings nehmen wir seit Jahren bereits Koordinationsaufgaben wahr, auch mit dem Ziel, dass Vereine untereinander besser kooperieren. Insgesamt haben wir gute Beziehungen zu unseren Mitgliedern, auch weil wir einen guten Service anbieten.

Vereine haben heutzutage vermehrt Probleme sich neu aufzustellen. Sollte das nicht zu einem Umdenken beitragen?

Fuchs Das ist völlig richtig. Unsere Vereine müssen sich den neuen Gegebenheiten anpassen. Große Probleme der Vereine sind fehlende Übungsleiter und wichtige Führungspositionen, die nicht besetzt sind.

Ein weiteres Thema ist das Stadtbad. Was halten Sie von einer Schließung?

Fuchs Das Bad wird schwerpunktmäßig von Schulen und Vereinen genutzt. Eine Schließung würde diese besonders heftig treffen. Andererseits darf man auch die wirtschaftliche Seite nicht vernachlässigen. Der Sanierungsbedarf ist leider sehr hoch. Ich bin zuversichtlich, dass die Bäder- und Eishallen GmbH im Falle einer Schließung eine akzeptable Alternative anbieten kann.

Warum lohnt es sich Ihrer Meinung nach, sich für den Sport in Neuss zu engagieren?

Fuchs Es geht darum, die Vorteile sportlicher Betätigung herauszustellen: Gesundheit, Erziehung, soziale Bindung. Auch Integration ist durch Sport einfacher zu bewältigen. Firmen bietet der Sport eine gesellschaftlich relevante Möglichkeit, sich zu positionieren und etwas Gutes zu tun. Unternehmen streben wie der Sport nach Leistung.

LUDGER BATEN FÜHRTE DAS GESPRÄCH, ZUSAMMENGEFASST WURDE ES VON SEBASTIAN ESCH.

Quelle: NGZ
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