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Serie Kaarst - Ganz Familiär
Spurensuche nach den Vorfahren auf dem Tuppenhof

Neuss. Im Museum und Begegnungsstätte für bäuerliche Geschichte und Kultur treffen sich regelmäßig Ahnenforscher und tauschen sich aus. Von Rudolf Barnholt

Vorst Reinhold Mohr ist auf dem Tuppenhof der richtige Ansprechpartner, wenn es um das Thema "Ahnenforschung" geht - und das hat gerade Hochkonjunktur. Das kann er nur bestätigen: "Durch die NS-Zeit war sie lange verpönt gewesen. Ab den 1980er Jahren wurde sie aber langsam wieder gesellschaftsfähig." Ahnenforschung ist für ihn persönlich "ein schönes Hobby und eine spannende Angelegenheit". Er sei väterlicherseits bis zum Jahre 1680 vorgestoßen - damals lebte ein Vorfahre in Wiesdorf, das ist dort, wo sich heute das Stadtzentrum von Leverkusen befindet.

Wer sich mit Familienforschung auseinandersetzt, lernt auch viel über Geschichte. Das Konzil von Trient (1545 bis 1563) beispielsweise war aus heutiger Sicht ein Segen für alle, die sich jetzt für ihre Vorfahren interessieren. Der Grund: Damals wurden Kirchenbücher verpflichtend. Sie sind eine sehr wichtige Informationsquelle. Allerdings sind viele Dokumente in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges unwiederbringlich verlorengegangen. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts ist dann jedoch mit kompletten Kirchenbüchern zu rechnen, in Büttgen sind sie ab 1640 erhalten.

Eine gute Hilfe für den Familienforscher sind auch die Daten vom Düsseldorfer Verein für Familienkunde, zu dem der Tuppenhof ein gutes Verhältnis hat. Dieser Verein ist zugleich die Bezirksgruppe Düsseldorf in der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde. Viermal im Jahr erscheint die Zeitschrift des Vereins - im Archiv des Tuppenhofs liegen alle diese Publikationen lückenlos vor. Einzelne Mitglieder stellen dort ihre Forschungsergebnisse vor, nennen interessante Quellen; außerdem gibt der Verein Familienbücher heraus.

Die Glaubensgemeinschaft der Mormonen hat die Verpflichtung, für das Seelenheil aller Menschen zu beten. Aus diesem Gedanken heraus schwärmten die Anhänger dieer Religion nach Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 aus, um alles, was es an Informationen gab, abzufotografieren. Die Filme lagern in den Salzstollen nahe Salt Lake City / Utah in den USA. "Noch bevor es 1945 den Staat Polen gab, waren die Mormonen dort ebenso wie in der Ukraine und anderen baltischen Staaten unterwegs, um die alten Kirchenbücher auf Filmen zu bannen - sie waren überall dort, wo deutsche Pfarreien existiert haben", erklärt der Historiker Mohr. "Diese Daten waren eine wichtige Quelle für mich", sagt Mohr und kann in diesem Zusammenhang über einige Unzulänglichkeiten hinwegsehen: "Trotz der Tipp-, Schreib- und Lesefehler haben die Mormonen insgesamt einen guten Job gemacht." Außerdem ist ihr Service kostenlos. "Firmen in den USA wie zum Beispiel Ancestry, verlangen Gebühren - da können schnell bis zu 180 Dollar pro Jahr zusammenkommen", weiß der pensionierte Gymnasiallehrer. Ein heißer Tipp für Familienforscher ist auch der Verein für Computergenealogie. "Er existiert jetzt seit 25 Jahren und hat es mittlerweile zu großer Professionalität gebracht", sagt Mohr. Rund 2000 Mitglieder arbeiten ehrenamtlich an Online-Datenbanken - sie haben unter anderem eine Datenbank mit den Gefallenen des Ersten Weltkriegs aufgebaut. Reinhold Mohr hat sich zum Ziel gesetzt, die Standesamtsunterlagen im Kaarster und Neusser Archiv für die Ahnenforscher besser zu erschließen: "Die Namen waren meist nur nach Buchstaben, aber nicht innerhalb eines Buchstabens geordnet." Wer den Ursprüngen seiner Familie auf den Grund gehen will, dem, rät Reinhold Mohr, zunächst noch lebende Verwandte zu befragen.

Info Der Düsseldorfer Verein für Familienkunde bietet regelmäßig kostenlose Arbeitsabende auf dem Tuppenhof. Der nächste Termin ist am 19. Mai um 19 Uhr.

Quelle: NGZ
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