| 00.00 Uhr

Neuss
Stadt droht mit Sportplatz-Sperrung

Neuss. Welche Risiken birgt Hochofenschlacke, die in Sportplätzen verbaut wurde. Gutachten sollen das im Detail belegen. In Norf und Gnadental möchte die Verwaltung schon sanieren, doch die Politik kann keine Dringlichkeit erkennen. Von Christoph Kleinau

Auf der Bezirkssportanlage Gnadental beginnt nächste Woche die Umwandlung des größten Tennen- in einen Kunstrasenplatz. Damit soll es aber erst einmal gut sein, urteilte am Mittwochabend die Mehrheit von CDU, Grünen und FDP im Sportausschuss, die sich gegen den Vorschlag der Verwaltung aussprach, auch den zweiten Tennenplatz zu sanieren. Die Dringlichkeit, die die Stadt mit dramatischen Formulierungen wie "zwingend", "unumgänglich" und "sofort umzusetzen" zu unterstreichen versuchte, konnte die Politik weder aus dem Schriftverkehr der Stadt mit dem Kreis noch aus dessen Stellungnahme als unterer Wasser- und Bodenschutzbehörde herauslesen.

Umweltdezernent Matthias Welpmann hielt an der Sicht seiner Behörde fest. "Wenn wir auf diesem Platz Fußball spielen wollen, müssen wir ihn sanieren", sagte er. Andernfalls müsste der Platz gesperrt werden, zumal eine vom Kreis empfohlene ständige Bewässerung des Ascheplatzes, die die Staubbildung und das Auswehen von Schadstoffen verhindern soll, nicht gewährleistet werden kann.

Die Stadt hat insgesamt ein Problem mit ihren Ascheplätzen. Im Jahnstadion und auf der Bezirkssportanlage Reuschenberg, die beide Fußballzentren werden sollen, brachten Bodengutachten keinen kritischen Befund. Anders sieht es auf den Bezirkssportanlagen in Norf und Gnadental aus, die ebenfalls zum Fußballzentrum ertüchtigt werden sollen, sowie im Hubert-Schäfer-Sportpark (Weißenberg) und der Theodor-Klein-Sportanlage in Rosellen. Sie alle wurden in Zeiten gebaut, als Hochofenschlacke für den Unterbau der Tennenplätze verwendet wurde, die schwermetallbelastet ist.

Für die beiden letztgenannten Plätze liegen noch keine Bodenuntersuchungen vor, werden aber jetzt in Auftrag gegeben. Wenn die Ergebnisse im November vorliegen, soll diskutiert werden, was gemacht werden muss - und in welcher Reihenfolge. Die CDU würde dem Weißenberger Platz dann Priorität einräumen, sagte Mario Meyen.

Eine Belastung des Grundwassers wurde in Norf und Gnadental nicht nachgewiesen. Die geplanten Kunstrasenplätze in Norf (schon im Bau) und Gnadental wurden trotzdem nach oben abgedichtet, um ein Auslösen- und Auswaschen der Schwermetalle aus der Schlacke auszuschließen. Für die Zweitplätze auf beiden Anlagen regt der Kreis an, die oberen fünf Zentimeter der belasteten Tennenschicht gegen eine saubere Schicht auszutauschen, um, so Welpmann, einen Direktkontakt von Mensch und Boden zu unterbinden. Den Wunsch der DJK Gnadental , auch diesen Zweitplatz mit Kunstrasen zu belegen und so zu sanieren, aber will auch er auf keinen Fall folgen. Selbst ein Fußballzentrum sehe so viele Kunstrasenplätze nicht vor.

SPD und Linke pochen darauf, die Plätze in Norf und Gnadental sofort zu sanieren. Ein dazu gestellter Antrag fand aber keine Mehrheit.

Quelle: NGZ
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Neuss: Stadt droht mit Sportplatz-Sperrung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.