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Neuss
Stadt-Geschichte hautnah erleben

Neuss. Das Clemens-Sels-Museum bietet einen Blick auf die interkulturellen Einflüsse der Stadt. Einen ersten Rundgang machten gestern verschiedene Ehrenamtler. Von Ute Böhm

Historie aus einem anderen Blickwinkel: Carola Gries hat eine Führung durch die Neusser Geschichte entwickelt, die sich auch an Menschen mit Migrationshintergrund richtet. Der Rundgang durch die Neusser Entwicklung bietet immer wieder Einblicke in die interkulturellen Einflüsse, die sich durch die Entstehung der Stadt ziehen. Einen ersten Rundgang machten gestern Mittag einige der Flüchtlingslotsen und andere Ehrenamtler, die sich interkulturell in Neuss engagieren.

Die Neusser Stadtgeschichte ist lang, sie beginnt schon vor der Römerzeit. Erste Einflüsse aus aller Welt macht Carola Gries schon in der frühen Menschheitsgeschichte aus, schließlich entstand die Menschheit in Ostafrika und verteilte sich über Wanderungen. Vor rund 40.000 Jahren siedelten sich die ersten Neusser an. Funde aus der Jungsteinzeit belegen, dass erste Waren schon aus weiteren Entfernungen ihren Weg an den Rhein fanden, auch aus Italien. "Wir sehen also, ohne Nachbarn wären wir nichts", konstatiert Carola Gries.

Spätestens in der Römerzeit lassen sich Einflüsse aus anderen Kulturen eindeutig belegen. So importierten Soldaten unter anderem Lebensmittel aus ihrer Heimat. Die Männer kamen aus dem ganzen Römerreich und brachten verschiedene Einflüsse aus ihren Herkunftsländern mit.

Ohne die Römer würden die Neusser wohl auch keinen Kappessonntag feiern, denn den Kohl brachten sie unter anderem an den Rhein.

Mit Blick auf das Mittelalter präsentierte Carola Gries ein Bild, das eine klassische Bauernkirmes aus Sicht eines Städters zeigt. Viele kleine Szenen belegen dabei, dass sich die Besucher der Kirmes betranken, wild tanzten und gemeinsam verrückte Spiele spielten. "Also fast wie heute auch noch", gab die Fachfrau mit einem Augenzwinkern zu bedenken.

Von den bürgerlichen Stadtbewohnern wurde das mit Argwohn gesehen, das zeigt der Blick des Malers von oben herab. Verwundert bemerken viele Besucher, dass es auch zu dieser Zeit Frauen gab, die Kopftuch oder gar Verschleierung trugen, im Mittelalter waren das Zeichen, ob eine Frau verheiratet ist oder nicht. Da solche Symbole heute nicht mehr üblich sind, begegnet ihnen in Neuss heute so manch einer mit Skepsis.

So finden sich auch in der Neusser Geschichte immer wieder Einflüsse, die aus anderen Kulturen stammen. Hinzu kommen Traditionen, die im Laufe der Jahrhunderte abgelegt wurden. Für die ersten Besucher der neuen Führung boten sich einige neue Einblicke in die Stadtgeschichte.

Die gesammelten Informationen können sie in ihre Arbeit transportieren. Genau an solche Menschen möchte sich Carola Gries auch wenden mit ihrem neuen Angebot: "Wir wenden uns an Neusser, die schon länger hier leben und einen anderen Blick auf ihre neue Heimat suchen."

Eine Führung für ganz neue Neusser, also Flüchtlinge, soll als nächstes in Angriff genommen werden.

Quelle: NGZ
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